Legenden der tschechischen Kunst: Vor 90 Jahren wurden die Brüder Saudek geboren

Jan und Karel Saudek

Am 13. Mai 1935 wurden in Prag die Zwillingsbrüder Karel und Jan Saudek geboren. Sie sollten später die Pop-Kultur in Tschechien auf den Kopf stellen.

Kája Saudek: Der König des tschechischen Comics

Karel, genannt Kája, wurde einer der Pioniere des tschechischen Comics. Sein Stil ist bis heute unverkennbar. Mit starken, dynamischen Linien, Ironie, Erotik und seinem charakteristischer Humor entwickelte Kája Saudek eine visuelle Sprache, die über die Generationen hinweg verstanden wird.

Foto: Barbora Němcová,  Radio Prague International

Sein zentrales Werk heißt „Muriel a anděle“ (Muriel und die Engel) und erschien erstmals 1969. Es wird oft als bester tschechischer Comic aller Zeiten bezeichnet. Kája Saudek machte sich aber auch als Grafiker und im Bereich der Typografie einen Namen. Seine Arbeiten waren in Zeitschriften, in Vor- und Abspännen von Filmen oder auf Plakaten zu sehen.

Das Leben von Kája Saudek war jedoch nicht nur von Triumphen geprägt, sondern auch von Tragödien. Fast das ganze letzte Jahrzehnt seines Lebens lag er im Koma. Er starb am 25. Juni 2015.

  • Gleich nach dem Schulabschluss widmete sich Kája Saudek dem künstlerischen Schaffen. Er war technischer Zeichner und Kulissengestalter in den Filmstudios Barrandov.
  • Durch die Arbeit am Film „Kdo chce zabít Jessii?“ (Wer will Jessie umbringen?) kam er zum Comiczeichnen.
  • Auf sein Konto gehen berühmte Werke wie „Pepík Hipík“, „Lips Tullian“ oder „Muriel a anděle“, das als bester tschechischer Comic aller Zeiten gilt.
  • Das Grab von Kája Saudek befindet sich auf dem Vyšehrad in Prag.

Jan Saudek: Der Rebell der tschechischen Fotografie

Jan Saudek ist ein Paradebeispiel für einen Künstler-Star. Sein Name ist weltweit bekannt. Ikonisch sind seine stilisierten Fotografien nackter Frauen vor einer Wand mit abbröckelnder Farbe. Charakteristisch ist dabei der unkonventionelle Blick auf die Schönheit des menschlichen Körpers.

Jan Saudek | Foto: Jana Myslivečková,  Tschechischer Rundfunk

Ab 1977 ging Saudek zur Farbfotografie über und entwickelte seinen einzigartigen Stil. Er hatte Ausstellungen in Frankreich oder den USA und bekam so angesehene Auszeichnungen wie den französischen Verdienstorden der Ehrenlegion.

Jan Saudek ist nicht nur als Künstler berühmt, sondern auch als Provokateur – immer trotzte er gern den Konventionen und gab seiner Liebe zu Frauen, dem Leben und der Freiheit deutlichen Ausdruck. Inzwischen widmet er sich eher der Malerei, und sein Werk findet im tschechischen Kulturumfeld nach wie vor Anerkennung. Kurz vor seinem 90. Geburtstag eröffnete Saudek eine Retrospektive seiner Fotos im Wallenstein-Palais in Prag.

  •  Jan Saudek ging auf die Grafik-Schule in Prag und arbeitete ab 1950 als Produktionsfotograf in verschiedenen Druckereien.
  • Ende der 1960er Jahre hielt er sich in den USA auf, seine erste Ausstellung dort fand in der Indiana University Bloomington statt.
  • Saudek arbeitete mit Künstlern aus der ganzen Welt zusammen. Gemeinsam mit Josef Sudek und Josef Koudelka gehört er zu den international erfolgreichsten tschechischen Fotografen.
  • Er ist zum vierten Mal verheiratet und bekennt sich zu zwölf Kindern, was ihn zu einem Liebling der Boulevardpresse macht.
Foto: Filip Fojtík,  MFDNES + LN / Profimedia

Das Erbe der Saudek-Zwillinge

Die Saudek-Brüder waren und sind eine Symbol für künstlerische Freiheit, unerschöpfliche Energie und gestalterische Sehnsucht. Kája definierte das tschechische Comicgenre, Jan verkörperte die unabhängige Fotografie. Ihre Wege führten bisweilen auch auseinander – trotzdem ist ihr gemeinsamer Einfluss auf die tschechische Kunst unbestreitbar.

Jan und Karel Saudek | Foto: Vladislav Galgonek,  ČTK
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