Open-Air-Zone, Wiener Symphoniker und junge Musiker: Prager Frühling beginnt
Das internationale Musikfestival „Prager Frühling“ wird am Montag eröffnet. Es handelt sich um die 80. Auflage der Musikfestspiele und bietet einige Neuheiten, die die Veranstalter diese Woche vorgestellt haben.
Nach einem Jahr erklingt am 12. Mai im Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses wieder der Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana. Die Tschechische Philharmonie spielt unter der Leitung ihres Chefdirigenten Semjon Bytschkow. Mit dem Konzert beginnt das Festival „Prager Frühling“. Mehr als 100 Künstler und Ensembles aus 24 Ländern kann das Publikum während der Musikfestspiele bis 2. Juni in der tschechischen Hauptstadt erleben. Zur Eröffnung der Veranstaltung wird es in diesem Jahr erstmals eine Open-Air-Zone geben. Festival-Direktor Pavel Trojan:
„Vor dem Rudolfinum am rechten Moldauufer, von dem es einen herrlichen Blick auf den Hradschin gibt, wird eine Open-Air-Zone eingerichtet. Auf einem großen Bildschirm übertragen wir dort das Eröffnungskonzert. Am Sonntag und Montag (11. und 12. Mai) wird dort ab 14 Uhr ein Programm für die Öffentlichkeit geboten. Bei diesem treten Musiker auf, die ein anderes Repertoire vorstellen als später in den Konzertsälen. Die Wettervorhersage sieht derzeit gut aus.“
Das Ziel der Open-Air-Zone sei es, das Festival auch denjenigen zu vermitteln, die keine Tickets für die Konzerte hätten, merkte Festivaldramaturg Josef Třeštík an.
„Von den Live-Projekten möchte ich auf den Auftritt des Wihan-Quartetts aufmerksam machen, das eines der besten tschechischen Streichquarttete ist. Wir wollen das Programm in der Open-Air-Zone mit dem weiteren Festivalprogramm verbinden. Draußen wird das Quartett Songs der Beatles spielen, später tritt es im Agneskloster mit klassischen Kompositionen auf. Außer der Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts wird in der Open-Air-Zone beispielsweise ein Dokumentarfilm über den Dirigenten Petr Popelka gezeigt. Zudem ist eine Aufzeichnung des Festivalkonzerts des Boston Symphony Orchestra von 1993 zu sehen. Damals leitete Seiji Ozawa das Orchester. Als Solisten traten damals Rudolf Firkušný, Itzhak Perlman, Yo-Yo Ma und weitere namhafte Musiker auf. Das Orchester kehrt in diesem Jahr wieder nach Prag zurück.“
Beim Festival „Prager Frühling“ spielen diesmal außer tschechischen Orchestern auch mehrere renommierte Orchester aus dem Ausland. Zu ihnen gehören unter anderem die Wiener Symphoniker. Zuletzt traten sie 1992 in Prag auf. Das Orchester begeht derzeit seinen 125. Gründungstag. Zeit seines Bestehens habe das Ensemble mit zahlreichen namhaften Dirigenten und Komponisten zusammengearbeitet, sagte Festivaldramaturg Josef Třeštík:
„Das Orchester hat in der Vergangenheit viele bekannte Werke in Premiere aufgeführt. Dazu gehörten unter anderem das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel, ,Die Seejungfrau‘ von Alexander Zemlinsky sowie Arnold Schönbergs ,Gurre-Lieder‘. Schönberg hat das Orchester auch geleitet. Chefdirigenten der Wiener Symphoniker waren beispielsweise Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch, Carlo Maria Giulini und Fabio Luisi. Derzeit leitet Petr Popelka das Orchester.“
Beim Festival treten die Wiener Symphoniker laut Třeštík mit einem speziellen Programm auf. Es erklingen Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss und Josef Strauss. Chefdirigent Petr Popelka sagte über das Orchester:
„Die Wiener Symphoniker sind darin speziell, dass sie zwei Sachen miteinander verbinden. Dies ist erstens eine lange Tradition, in der sie klassische Werke auf dem höchsten Niveau in Wien spielen. Und zweitens hat kaum ein anderes Ensemble auf der Welt so viele Kontakte zu lebenden Komponisten geknüpft. Die Wiener Symphoniker haben eine große Zahl von Werken von Erich Wolfgang Korngold, Alexander Zemlinsky und Anton Webern in Premiere aufgeführt. Bekannt geworden ist ein Konzert, das Arnold Schönberg 1913 leitete und bei dem Kompositionen von Alban Berg und Anton Webern erklangen. Das Publikum war empört. Im Musikverein fielen damals sogar Ohrfeigen. Die Besucher stritten um die Musiktraditionen. Der Pioniergeist, die Bemühung, das Neueste in der Musik zu unterstützen, begleitet die Symphoniker bis heute.“
Petr Popelka fügte hinzu, er wünsche sich, zusammen mit dem Orchester klassische Musik auf höchstem Niveau zu spielen und gleichzeitig Kontakte zu zeitgenössischen Komponisten zu pflegen. Jedes Orchester hat laut dem Chefdirigenten eine Art DNA, die schwer mit Worten zu beschreiben sei. Am besten sei es, ins Konzert zu gehen und den Klang des Ensembles zu hören, meint der Chefdirigent.
„Ich denke, dass wir genau das nach Prag bringen: unsere Interpretation von Beethoven sowie unseren Blick auf die Musik von Josef Strauss und von Richard Strauss. Sie wird sich bestimmt von anderen Ensembles unterscheiden, und dies ist der Grund, warum wir immer wieder Musik live darbieten.“
In der ersten Konzerthälfte erklingen Werke von Beethoven, von einem Komponisten, der wie Popelka anmerkte, vielleicht 25 Mal in Wien umgezogen ist und nirgendwo zufrieden war. Trotzdem habe er unglaubliche Werke geschrieben, betonte der Chefdirigent.
„Beethoven ist stark mit Wien verbunden. Wir spielen seine Ouvertüre ,Die Weihe des Hauses‘, die sehr wenig aufgefphrt wird, die ich aber sehr mag. Es folgt Beethovens 5. Klavierkonzert, das auch in Wien entstanden ist. Der Pianist Jan Bartoš tritt zusammen mit uns auf. In der zweiten Konzerthälfte erklingt die Suite aus Richard Strauss‘ Oper ,Der Rosenkavalier‘. Und vorher spielen wir den Walzer ,Dynamiden‘ von Josef Strauss. Das Motiv dieses Walzers hat Richard Strauss in seinem ,Rosenkavalier‘ benutzt, und es ist zum Symbol für diese Oper geworden.“
Stiftungsfonds für die Moldau-Philharmonie
Während des Konzertes wird ein Stiftungsfonds vorgestellt, den die Prager Stadtverordneten vor kurzem eingerichtet haben. Dieser sei entstanden, um Spenden von Privatpersonen und Unternehmern für den Bau der Moldau-Philharmonie zu sammeln, erläuterte der stellvertretende Oberbürgermeister von Prag, Jiří Pospíšil (Top 09), auf der Pressekonferenz des Musikfestivals. Das Konzertgebäude entsteht am Moldauufer im Stadtteil Holešovice. Mit den Bauarbeiten soll 2027 begonnen werden.
„Beim Konzert wird das Stiftungsprojekt der Stadt offiziell präsentiert. Wir adressieren einen Aufruf an die tschechischen Bürger und Firmen, sich dem Projekt anzuschließen. Ich denke, dass es Erfolg haben wird, denn Tschechen sind Philanthropen und unterstützen gerne verschiedene Kulturaktivitäten. Ich erinnere beispielsweise an die sehr erfolgreiche Spendensammlung für eine neue Orgel für den Prager Veitsdom. Wir hoffen, dass unser Projekt Erfolg hat und das neue Konzertgebäude nicht nur ein Bau der Stadt Prag, sondern auch ein Projekt der tschechischen Bürger wird, die auf diese Weise zur Errichtung des Konzertgebäudes beitragen und sozusagen in die Geschichte eingehen können.“
Viele der Festivalveranstaltungen sind bereits ausverkauft, für einen Teil gibt es jedoch immer noch Restkarten. Bis Dienstag wurden Karten im Wert von 33,8 Millionen Kronen (1,35 Millionen Euro) verkauft, wie Festivaldirektor Pavel Trojan informierte:
„Das ist die bisher höchste Summe in der Festivalgeschichte. In diesem Augenblick sind 26 von 50 Konzerten ausverkauft. Es wurden 27.600 von insgesamt rund 31.000 Eintrittskarten verkauft. Rund zehn Prozent der Tickets sind noch zu bekommen. Im vergangenen Jahr standen zu dieser Zeit noch rund 15 Prozent der Karten zur Verfügung. Wir tun alles dafür, dass die 80. Auflage des Prager Frühlings erfolgreich wird, sowohl was die Zuschauerzahlen, als auch die künstlerischen Erlebnisse anbelangt.“
Noch vor der Eröffnung des Musikfestivals hat schon der internationale Wettbewerb für junge Musiker begonnen, der jedes Jahr vom Prager Frühling veranstaltet wird. In diesem Jahr wird er in den Fächern Oboe und Violoncello ausgetragen. Im Festivalrahmen treten zudem auch talentierte Schüler der sogenannten „ZUŠ“ auf. Die Abkürzung steht für „základní umělecká škola“ – zu Deutsch etwa Kunstschule. Die renommierte tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená richtete vor mehreren Jahren einen Stiftungsfonds ein, der den Kunstschulen unter die Arme greift. Sopranistin Irena Pohl Houkalová ist Vorsitzende des Stiftungsfonds. Über die Zusammenarbeit sagte sie:
„Mit dem Festival arbeiten wir schon länger zusammen. In diesem Jahr bieten wir ein gemeinsames Projekt für die jüngsten Schüler an, bei dem sie mit dem renommierten Ensemble Clarinet Factory gemeinsam auftreten können. Außerdem werden vier Ensembles von Kunstschulen aus ganz Tschechien beim Festival spielen. Für die jungen Musiker sowie ihre Lehrer ist es eine einzigartige Gelegenheit, sich bei einem großen Musikfestival vorzustellen.“
Das Musikfestival „Prager Frühling“ findet vom 12. Mai bis 2. Juni statt. Für einen Teil der Konzerte gibt es noch Restkarten. Mehr über das Programm erfahren Sie unter https://festival.cz/en.








