12. Mai 1945: Die letzten Schüsse des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet Tschechiens
Trotz des faktischen Endes des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 haben sich einige deutsche Befehlshaber weiterhin geweigert, zu kapitulieren. Die Schlacht bei Slivice mitten in Böhmen spielte sich am 11. und 12. Mai ab.
Die Schlacht bei Slivice war die letzte größere militärische Auseinandersetzung auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens und eine der letzten Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg in Europa überhaupt. Am Ende des Krieges versammelte sich eine große Anzahl deutscher Truppen sowie fliehender Protektoratsbeamter, deutscher Zivilisten und Angehöriger der Russischen Befreiungsarmee von General Andrej Wlassow in der mittelböhmischen Region um Příbram. Unter ihnen befanden sich auch gut bewaffnete SS-Einheiten unter dem Kommando des Waffen-SS-Befehlshabers Pückler-Burghaus, der sich zuvor geweigert hatte, die Kapitulation zu respektieren. Die sich zurückziehenden Deutschen versuchten, in amerikanische Gefangenschaft zu geraten, und terrorisierten oft die Bevölkerung.
Da der Rückzugsweg unpassierbar war, beschloss Pückler-Burghaus, in der Nähe von Slivice auf der Straße von Prag nach Strakonice eine Verteidigungsstellung zu errichten. Sie bestand aus drei Linien mit schwerem Gerät, darunter Panzer und Mörser. Über 6000 SS-Soldaten waren dort im Einsatz. Die Mitglieder der Partisanengruppe Smrt fašismu (auf Deutsch: Tod dem Faschismus) und der Revolutionsgarden aus Příbram und Umgebung kämpften gegen die Übermacht, hatten aber keine Chance auf Erfolg. Der deutsche Widerstand wurde erst von Mitgliedern mehrerer sowjetischer Einheiten gebrochen, die dort eintrafen. Sie starteten am Nachmittag des 11. Mai einen Angriff auf die deutschen Stellungen, wobei Geschütze und Entermesser sowie Panzer eingesetzt wurden. Die letzten Schüsse fielen um 3 Uhr am 12. Mai. Auf Seiten der Partisanen und der Roten Armee gab es mehrere Dutzend Opfer. Pückler-Burghaus unterzeichnete die Kapitulation in der Nacht des 12. Mai. Danach beging er Selbstmord.
Heute erinnert ein Mahnmal an der Grenze zwischen den Gemeinden Čimelice und Rakovice an die Ereignisse. Es wurde am 13. Mai 1995 von Präsident Václav Havel enthüllt.







