Umstrittenes Denkmal für die Wlassow-Armee

Wlassow-Armee (Foto: Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0 de)

General Wlassow gilt in Russland als der größte Kriegsverräter überhaupt. Seine Armee kämpfte ab 1944 auf der Seite Hitler-Deutschlands. In den letzten Tagen des Weltkriegs wechselte ein Teil der Verbände erneut die Seiten und unterstützte den Prager Aufstand gegen die deutschen Besatzer. Der Prager Stadtteil Řeporyje hat nun beschlossen, für diese russischen Soldaten ein Denkmal zu bauen. Moskau protestiert jedoch heftig gegen diese Ehre für die umstrittene Wlassow-Armee.

Pavel Novotný (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)
Am Dienstagabend wurde in der Gemeindeversammlung von Prag-Řeporyje abgestimmt. Es ging um das geplante sogenannte Wlassow-Denkmal. Und alle Gemeindeverordneten sagten Ja dazu.

Initiator des umstrittenen Projekts ist Stadtteil-Bürgermeister Pavel Novotný. Der Politiker der liberal-konservativen Bürgerdemokraten sagte im Vorfeld gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„In Reporyje überwiegt nicht die Ansicht, dass die Rote Armee die Stadt Prag befreit hat. Dies sagen diejenigen, die als Zeitzeugen diese Erfahrung gemacht haben. Am 6. Mai 1945 haben die Soldaten der Wlassow-Armee hier für Ruhe gesorgt. Auch die Chroniken beweisen die damalige Erleichterung.“

Deswegen soll zum 75. Jahrestag des Kriegsendes im kommenden Mai das Denkmal entstehen. Wie es genau aussehen wird, ist noch nicht entschieden. In jedem Fall aber soll es an die 300 damaligen Mitglieder der Wlassow-Armee erinnern, die laut Historikern beim Prager Aufstand gefallen sind. Den Namen des Generals selbst will man jedoch weglassen.

Wlassow-Armee (Bundesarchiv, Müller, Karl / CC-BY-SA 3.0)
Seitdem die Idee des Denkmals publik wurde, protestiert Moskau dagegen. Laut der russischen Botschaft in Prag wird damit sogar internationales Recht verletzt – konkret das Abkommen zur Nichtverjährung von Kriegsverbrechen aus dem Jahr 1968. Bürgermeister Novotný schrieb in einer seiner Antworten, man lehne es ab, mit Russland zu diskutieren. Das Land symbolisiere die Besetzung der Tschechoslowakei von 1968 und den Bruch von Menschenrechten.

Doch wer waren dieser Wlassow und seine Armee? Dazu erläuterte der Historiker Libor Svoboda vom Institut zum Studium totalitärer Regimes in Prag:

„General Andrej Andrejewitsch Wlassow galt als einer der fähigsten Generäle der sowjetischen Armee. Beim Versuch, Leningrad von der deutschen Belagerung zu befreien, fiel er wegen eines unsinnigen Befehls von Stalin aber in die Hände der Wehrmacht. Das war im Mai 1942. In der Folge stellte sich Wlassow gegen das sowjetische Regime und wollte eigene Truppen aufbauen.“

Libor Svoboda (Foto: Archiv des Instituts zum Studium totalitärer Regimes)
Hitler ist zunächst dagegen, doch ab Herbst 1944 entsteht die sogenannte Russische Befreiungsarmee, die dann auf deutscher Seite kämpft. Wlassow wirbt dazu vor allem sowjetische Kriegsgefangene an, die von Stalin allgemein als Verräter bezeichnet werden und denen der Gulag droht. Aber auch Kriminelle stoßen zu den Truppen.

Bis zu 100.000 Mann hat später die Wlassow-Armee. Unter anderem wird sie gegen die Befreiung des KZ Buchenwald eingesetzt. Dabei schießen Einheiten sogar in das Lager. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs besteht nur noch die 600. Infanteriedivision unter dem Befehl von Generalmajor Sergej Bunjatschenko. Und diese wechselt noch einmal die Seiten, wohl um sich selbst zu retten vor der Strafe durch die anrückenden Sowjets. Historiker Svoboda sagt, die Hilfe der Wlassow-Soldaten beim Prager Aufstand ab dem 5. Mai sei allerdings wichtig gewesen:

Wlassow-Armee (Foto: Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0 de)
„Sie waren stark bewaffnet, die Aufständischen hingegen nicht. Unter anderem verfügten sie über Panzer und weitere schwere Militärtechnik. Damit konnten sie die Zufahrtswege nach Prag sichern. Und sie entwaffneten rund 10.000 deutsche Soldaten, die erstaunt waren. Außerdem besetzten sie den Flughafen in Ruzyně, sodass die deutschen Jagdflugzeuge von dort aus keine Angriffe mehr auf Prag fliegen konnten. Und beim Kampf um die Prager Stadtteile Smíchov und Pankrác kamen 300 ihrer Soldaten ums Leben.“

Und genau für diese Soldaten soll das Denkmal entstehen. Laut den Medienberichten kamen am Dienstagabend zur Gemeindeversammlung so viele Menschen wie nie zuvor. Allerdings waren entgegen den Aussagen von Stadtteilbürgermeister Novotný längst nicht alle für das Projekt.

„Ich denke, die negativen Aspekte der Wlassow-Armee überwiegen die positiven“, meinte zum Beispiel dieser Mann. Durchgesetzt haben sich aber die Befürworter.