Pleite der IPB – Die größte Bankenkrise in der Geschichte der Tschechischen Republik
Im Juni 2000 kam es zur größten Bankenkrise in der Geschichte der Tschechischen Republik. Das Kreditinstitut IPB, einst die drittgrößte Bank im Land, wurde von panischen Kunden gestürmt, die ihr Erspartes retten wollten. Die Kosten für die Abwicklung musste am Ende der Steuerzahler zahlen.
Nach der Samtenen Revolution von 1989 kam es in Tschechien zu einem großen Bankenwachstum. Kredite wurden schnell und ohne hinreichende Kontrolle vergeben. Die IPB investierte in privatisierte Firmen, viele von ihnen konnten ihre Rechnungen aber nicht begleichen. 1998 stieg der japanische Investor Nomura bei dem strauchelnden Geldhaus ein, mit dem Ziel, die Bank zu stabilisieren. Die Teilübernahme fand jedoch unter intransparenten und teils fragwürdigen Bedingungen statt.
Nachdem bereits Ende der 1990er Jahre Nachrichten über die finanziellen Probleme der Bank die Runde machten, brach im Juni 2000 bei den Kunden die Panik aus. Vor den Filialen bildeten sich lange Schlangen, massenweise hoben die Menschen ihre Ersparnisse ab. Innerhalb weniger Tage war die IPB so um Dutzende Milliarden Kronen ärmer, weshalb die Lage nicht mehr länger haltbar war.
Die Regierung schritt rasant ein. Am 16. Juni wurde die IPB unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt, und bewaffnete Polizisten drangen in die Konzernzentrale ein. Wenige Tage später wurde die Bank zum symbolischen Preis von einer Krone vom Konkurrenzunternehmen ČSOB übernommen. Der Staat leistete massive finanzielle Hilfe, um die Verluste der Bank auszugleichen.
Schließlich kostete die Abwicklung den Steuerzahler über 150 Milliarden Kronen (6 Milliarden Euro). Die Rechtsstreitigkeiten mit Nomura und weiteren Beteiligten zogen sich über Jahre hin. Die Tschechische Republik zahlte dem japanischen Unternehmen am Ende eine Summe von 3,6 Milliarden Kronen (145 Millionen Euro) als Entschädigung, obwohl viele argumentierten, dass gerade die fragwürdige Übernahme erheblich zum Fall der Bank beigetragen hätte.
Heute gilt die Pleite der IPB als Symbol für die wilden 1990er Jahre im tschechischen Bankensektor – eine Zeit mit schnellen Gewinnen, mangelnder Regulierung und politischen Machtkämpfen.








