Traummacher Jiří Trnka: Große Ausstellung in Prag

Trnka - Die Geschichte einer Legende

Jiří Trnka war eine der herausragenden Persönlichkeiten der tschechischen bildenden Kunst. Er war Maler, Buchillustrator, Drehbuchautor und vor allem Pionier des Animationsfilms. Jetzt ist sein Werk in einer umfangreichen Ausstellung in Prag zu sehen.

Villa Pellé | Ruth Fraňková,  Radio Prague International

„Trnka – Die Geschichte einer Legende“ heißt die Ausstellung in der Prager Galerie Villa Pellé, die bekannte und selten gezeigte Werke von Jiří Trnka präsentiert. Ihr Ziel sei es nicht nur, Trnkas Erbe zu feiern, sondern sein Werk einer neuen Generation, insbesondere Kindern, vorzustellen, so die Kuratorin Martina Vítková:

„Trnka war ein Universalmensch – er kombinierte eine breite Palette von Bereichen und Fähigkeiten. Er hat alles von der Pike auf gelernt und nie etwas geschenkt bekommen. Was er als Illustrator erlernte, bereicherte später seine Filmarbeit und umgekehrt. Deshalb könnte eine Ausstellung, die nur seine Illustrationen zeigt, niemals die ganze Bandbreite seines Schaffens erfassen.“

Martina Vítková | Foto: Milan Baják,  Tschechischer Rundfunk

Die Ausstellung zeigt ein breites Spektrum von Trnkas Arbeiten: Film- und Theaterpuppen, frühe Zeitungsillustrationen, Skulpturen, Gemälde mit Blumenstillleben, Porträts von Freunden sowie Selbstporträts. Die Auswahl der Exponate sei keine leichte Aufgabe gewesen, weil Trnka alles auf einem hohen Niveau gemacht habe, sagte Vítková im Gespräch mit Radio Prag International.

Obwohl Trnka ein reiches und vielfältiges Werk hinterließ, war sein Leben kurz. Er starb 1969 im Alter von nur 57 Jahren. Sein Sohn Jan, der damals erst 12 Jahre alt war, erinnert sich, wie die Kunst für ihn zu einer Brücke zu seinem Vater wurde:

Jan Trnka  (links) | Foto: František Ortmann,  Villa Pellé

„Durch seine Arbeit entdeckte ich seinen Sinn für Humor, seine künstlerischen Prinzipien und seine Perspektive. Natürlich habe ich einige Kindheitserinnerungen an ihn, aber meine Beziehung zu ihm hat sich mit der Zeit verfeinert. Je mehr ich mich mit seinem Werk auseinandersetze, desto mehr verstehe ich ihn. Was mir an persönlichem Kontakt gefehlt hat, hole ich auf diesem Weg nach.“

Jan Trnka erinnert sich unter anderem, wie sein Vater das Buch und später auch den Zeichentrickfilm „Zahrada“ (Der Garten) an ihm geprüft habe:

„Er erzählte mir zunächst die Geschichte und nutzte mich als eine Art Testpublikum, um zu sehen, wie ich reagieren würde. Wenn ich lachte und es mir gefiel, behielt er das Motiv und illustrierte es später. Aber wenn ich nicht interessiert war oder es nicht lustig fand, wurde es nicht aufgenommen. Ich kenne also Figuren, die nicht im Buch vorkommen, wie zum Beispiel einen Kraken im Springbrunnen. Der hat es nicht in das Buch geschafft.“

'Zahrada' | Foto: Aus dem Familienarchiv von Jiří Trnka

Trnkas Einfluss erstreckt sich über Generationen hinweg. Von „Špalíček“, „Broučci“ und „Der brave Soldat Švejk“ bis hin zu „Prinz Bajaja“, „Ein Sommernachtstraum“ und „Der Garten“ – seine Geschichten und Bilder fesseln nach wie vor das Publikum auf der ganzen Welt.

Foto aus dem Film 'Nalezený přítel' | Foto: CinemArt

Der Untertitel der Ausstellung, „Die Geschichte einer Legende“, soll nicht nur den Umfang seines Werks widerspiegeln, sondern auch das Wesen von Trnka selbst. Kuratorin Vítková erläutert:

„Er war ein sehr vielseitiger Mensch, der aus bescheidenen Verhältnissen aufstieg und sich viele Fähigkeiten selbst beibrachte. Alles, was er erreichte, war das Ergebnis von harter Arbeit, Fleiß, Konzentration und Talent.“

Seine Fähigkeit, trotz schwieriger Umstände schöpferisch tätig zu sein, ist nach Vítkovás Einschätzung eine der wichtigsten Botschaften von Jiří Trnka:

„Er war eine wirklich außergewöhnliche Persönlichkeit. Sein Genie wurde sogar von Persönlichkeiten wie Picasso und Brigitte Bardot anerkannt. Er stellte der Welt einen neuen Beruf vor: den des Traummachers.“

'Broučci' | Foto: Aus dem Familienarchiv von Jiří Trnka

Als Ergänzung zur Ausstellung bietet die Villa Pellé ein umfangreiches Begleitprogramm an, wie etwa Führungen und Gespräche mit Trnkas inzwischen erwachsenen Kindern. Zudem werden bei Workshops für Familien und für Schulklassen die einzigartigen Techniken weitergegeben, die Trnka in seinen Illustrationen und Filmen verwendete.

Das Kino Ponrepo zeigt während der Ausstellung eine spezielle Retrospektive von Trnkas Filmen. Gezeigt werden restaurierte Klassiker wie „Špalíček“ und „Alte böhmische Sagen“, aber auch weniger bekannte Perlen wie „Prärie-Aria“, „Die Hand“ oder „Die Cyber-Großmutter“.

Die Ausstellung „Trnka – Die Geschichte einer Legende“ ist in der Prager Galerie Villa Pellé noch bis Ende August zu sehen.