Tiere und Pflanzen der Prager Burg: Zoologen und Biologen untersuchen die Habitate des Besucherziels
Welche Pflanzen wachsen in den Parks und Gärten der Prager Burg? Und welche Tiere verstecken sich dort, in einem der Touristen-Hotspots der tschechischen Hauptstadt? Genau das untersucht derzeit eine Expertengruppe.
Gerade höre er eine Mönchgrasmücke aus dem unteren Bereich des Hirschgrabens (Jelení příkop), sagt Tomáš Telenský. Der Ornithologe untersucht seit dem Frühlingsbeginn die Habitate von Parks und Gärten der Prager Burg. Auch ein Botaniker und ein Entomologe sind in den Grünanlagen unterwegs. Telenský hat bereits rund 40 Vogelarten gezählt...
„Darunter sind einige Zugvögel, die hier gar nicht nisten – wie zum Beispiel der Weißstorch. Ich habe aber im Chotek-Garten auch die Schafstelze gesehen“, so der Experte von der Prager Karlsuniversität.
Und genau dort nistet etwa die Nachtigall mit ihrer gewaltigen Stimme, die Telenský natürlich sofort erkennt:
„Im Chotek-Garten gibt es dichtes Gebüsch, das die moderne Gärtnerei am liebsten entfernen würde, das aber von der Nachtigall geliebt wird. Und hier stehen alte Bäume, in deren Einbuchtungen zahlreiche Vögel nisten, die selbst aber keine Höhlen schaffen. Das sind zum Beispiel Meisen oder Kleiber. Diese Bäume bieten zudem Futter für die Vögel in Form von Insekten.“
Das Vorkommen an Insekten in den Parks und Gärten der Burg untersucht wiederum der Entomologe Ondřej Sedláček. Er hat zwei lebende Exemplare mitgebracht.
„Den Nashornkäfer erkennt man an dem auffälligen Horn auf der Oberseite des Kopfes. Und das andere ist ein Männchen des Hirschkäfers. Der unglaublich große Oberkiefer dient zum schonungslosen Kampf. Mein Exemplar hier ist mittelgroß, aber es ist die größte Käferart in Tschechien“, erläutert Sedláček.
Diese und eine ganze Reihe an weiteren Käfern leben gerne im Totholz. Deswegen hält es der Entomologe für wichtig, dass nicht alles abgestorbene Material aus den Grünanlagen der Burg entfernt wird:
„Wir stehen hier unter einer uralten Hainbuche. Sie ist schon halb abgestorben. Ein Baumkundler würde sagen, dass sie in einem sehr schlechten Zustand ist. Aus der Sicht von Insekten handelt es sich aber um einen hervorragenden Baum.“
Die Leitung der Gärten in der Prager Burg hat sich von den Biologen schon überzeugen lassen, einige Änderungen in der Landschaftspflege vorzunehmen. So liegen etwa im Hirschgraben alte Äste auf dem Boden, oder es stehen dort auch alte Baumstämme.
Der Botaniker Jiří Sádlo von der tschechischen Akademie der Wissenschaften ist ebenfalls fündig geworden – und zwar unterhalb des Masaryk-Aussichtsturms im Hirschgraben. Dort hat sich steppenartige Vegetation erhalten:
„Wir sehen hier Pflanzen, die es seit der tiefsten Steinzeit gibt. Dazu gehört dieses unauffällige Gras, das sich Früh-Segge nennt. Oder auch die Hügel-Erdbeere, die sich von der Walderdbeere unterscheidet. Und dann wächst hier noch Salbei.“
Die Forschungen werden noch bis in den Herbst fortgeführt. Dann wollen die Experten der Burgverwaltung vorschlagen, wie sie sich um den Erhalt der Ökosysteme kümmern kann. Helena Pánková leitet die Abteilung „Parks und Gärten“ der Burg:
„Die Natur der Parks und Gärten wurde wohl nie umfassend untersucht. Keine biologische Bestandserfassung hat bisher neben den Arten, die hier vorkommen, auch die Habitate bewertet.“
Ziel ist nun eine ausgewogene Pflege der Anlagen – so dass diese sowohl die Besucher erfreuen, als auch der Natur helfen.
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