Wippender Schwanz an naturnahen Wasserläufen: Gebirgsstelze ist Tschechiens „Vogel des Jahres“

Gebirgsstelze

So langsam kehren die Gebirgsstelzen wieder nach Tschechien zurück, sofern sie weiterhin als Zugvögel leben. Gerade diese Art wurde 2025 hierzulande zum „Vogel des Jahres“ ernannt.

Gebirgsstelze | Foto: Willfried Wende,  Pixabay,  Pixabay License

Es ist ein Zwitschern, nicht so sehr ein Gesang, den die Gebirgsstelze hervorbringt. Die Tschechische Ornithologische Gesellschaft (Česká společnost ornitologická) hat den kleinen Piepmatz zum „Vogel des Jahres“ erkoren. Dabei handelt es sich nicht um eine gefährdete Art. Der Ornithologe Petr Voříšek erläuterte gegenüber Radio Prag International, warum die Wahl für 2025 aber gerade auf die Gebirgsstelze fiel:

„Der Hauptgrund war, die Augen der Öffentlichkeit auf ihren Lebensraum zu lenken. Die Gebirgsstelze findet sich vor allem entlang von Fließgewässern, wobei diese aber natürlich oder naturnah sein müssen. Das heißt, sie müssen Kies- oder Geröllbänke habe. Und sie müssen genügend Futter bieten, das sind Insekten und wirbellose Tiere. Nicht zuletzt braucht dieser Vogel genügend Raum, um zu nisten.“

Entgegen seinem Namen lebt die Gebirgsstelze nicht nur in den Bergen, sondern auch im Flachland – Fließgewässer vorausgesetzt. In Tschechien gibt es rund 30.000 Paare. Allerdings sind die Zahlen in den vergangenen Jahrzehnten beständig gesunken, weil ihr Lebensraum kontinuierlich eingeschränkt wird...

Gebirgsstelze | Foto: Jiří Bartoš,  Tschechische Ornithologische Gesellschaft

„Es ist das übliche Vorgehen: Flüsse und Bäche werden begradigt und die Ufer zubetoniert. Dort fehlt dann Struktur und Bewuchs mit kleinen Hohlräumen für die Nester. Und das ist das Hauptproblem. Manchmal spielt auch die Wasserqualität mit hinein. Solange es aber genügend Insekten und wirbellose Tiere in und um das Wasser gibt, stört dies nicht vorrangig“, so Voříšek.

1999 wählten die tschechischen Ornithologen schon die Bachstelze zum „Vogel des Jahres“, sie ist der häufigste Vertreter dieser Familie. Nun hat man sich für die zweithäufigste Art entschieden. Wie lassen sich die beiden Vögel auseinanderhalten?

„Die Gebirgsstelze ist etwas kleiner als die Bachstelze. Der Hauptunterschied ist aber das Gefieder. Die Gebirgsstelze ist grau und gelb, mit einer schwarzen Maske auf dem Kopf. Das Gefieder hat mehr Farbe als im Fall der Bachstelze. Das heißt, sie lenkt eher die Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings ist sie am Flussufer leicht zu übersehen“, sagt der Vogelkundler.

Gebirgsstelze | Foto: Ľubomír Ondráško,  Tschechische Ornithologische Gesellschaft

Ein bisschen Übung braucht es also, um den kleinen Singvogel auch zu entdecken. Typisch für diese Familie ist das ständige Wippen mit dem Schwanz und dem Hinterkörper. Doch warum die Stelzen dies machen, ist nicht so ganz klar:

„Es gibt einige Theorien, die ich aber eher als Spekulationen oder Hypothesen bezeichnen würde. Die eine geht dahin, dass die Stelze damit einem möglichen Fressfeind zeigt, dass sie da ist und fliehen kann. Ich zweifle aber an dieser Erklärung. Die andere lautet, dass der Vogel so die Insekten aufwirbelt und sie leichter zu schnappen vermag. Und noch eine weitere Hypothese bezieht sich auf die Flugmanöver. Die Stelzen sind sehr agile Vögel, die im Flug auch schnell die Richtung wechseln können.“

Hierzulande finden sich die Gebirgsstelzen außer in höheren Lagen auch im Elbtal und dem unteren Moldautal sowie in Südmähren. Was aber können Normalbürger für ihren Erhalt tun? Voříšek hat einen allgemeinen und einen praktischen Tipp:

„Die Bürger sollten ein Auge darauf haben, dass Wasserläufe nicht zubetoniert und begradigt werden. Die Öffentlichkeit ist heutzutage ja immer miteinbezogen, wenn es um solche Umbauten geht. Außerdem kann man diesen Vögeln auch unmittelbar helfen, wenn man Nistkästen in der Nähe von Wasserläufen anbringt.“

Gebirgsstelze | Foto: Takashi Yanagisawa,  Pixabay,  Pixabay License