Nach 18 Jahren wieder zurück: Ausstellung zu Jan Zrzavý auf Schloss Telč
Nach 18 Jahren ist auf dem Schloss in Telč wieder die Galerie mit Werken des Malers Jan Zrzavý (1890-1977) eröffnet worden.
Mehr als 30 Gemälde von Jan Zrzavý werden in der wiedereröffneten Galerie auf Schloss Telč gezeigt. Ein großes Foto des Malers im Schlosshof weckt die Aufmerksamkeit der Besucher. Bohumil Norek war 30 Jahre lang Kastellan der Residenz. Beim Besuch der erneuerten Galerie sagte er in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Ich war 1970 zum ersten Mal hier im Schloss. Zrzavý war mit Telč sehr verbunden, er hat die Stadt häufig besucht. Ich habe ihn hier gesehen.“
Zrzavý hatte sich gewünscht, eine Dauerausstellung auf dem Renaissanceschloss zu haben. Dieser Wunsch erfüllte sich erst nach seinem Tod. Die erste Galerie mit seinen Gemälden, die von der Nationalgalerie Prag geliehen wurden, bestand von 1988 bis 2007. Auch die neue Auswahl aus dem Werk des Künstlers stammt aus den Sammlungen der Kulturinstitution in der tschechischen Hauptstadt. Gleich beim ersten Blick in die Galerie sticht das Gemälde „Kleopatra II“ in die Augen. Es sei eine der Varianten eines der bekanntesten Werke von Jan Zrzavý, erläutert die Kuratorin der Ausstellung, Alice Němcová:
„Das ist ein Thema, mit dem sich Zrzavý fast 50 Jahre lang beschäftigt hat. Das Gemälde stellt eine Synthese all seiner künstlerischen Herangehensweisen dar.“
Die Kuratorin hat die Schau in sechs Teile gegliedert. Einer davon konzentriert sich auf die Selbstportraits des Malers.
„Ich würde mir wünschen, dass Zrzavý tiefer als bisher verstanden wird. Denn nicht nur mit seinen Selbstportraits, sondern auch indem er sich selbst in männlicher und weiblicher Gestalt festhielt, setzte er sich eine bestimmte Maske auf, durch die er aber Fragmente seiner Persönlichkeit preisgab.“
Die Gemälde aus der Prager Nationalgalerie befinden sich im restaurierten östlichen Schlossflügel. Darunter ist auch das wenig bekannte „Portrait von Fräulein Tydlitátová“. Die Besucher können jedoch nicht nur Kunst bewundern, wie die Kuratorin anmerkt:
„Es gibt hier auch die Möglichkeit, sich einige Aufnahmen des Tschechischen Rundfunks anzuhören, in denen Jan Zrzavý sein Leben beschrieben hat.“
So erinnerte sich der Künstler daran, wie er Weihnachten in Paris verbrachte:
„Das erste Weihnachtsfest in Paris war sehr traurig. Ich war damals nur drei Monate zuvor in die Stadt gekommen, wohnte in einem Hotel und hatte dort noch keine Bekannten.“
2007 organisierte die Prager Nationalgalerie anlässlich des 30. Todestags von Jan Zrzavý eine große Ausstellung in der Wallenstein-Reitschule. Damals wurden alle in Telč gezeigten Werke des Malers nach Prag gebracht. Und sie blieben auch dort, da die Räumlichkeiten in Telč nicht mehr den Bedingungen entsprachen, unter denen die Kunstwerke gezeigt werden durften. Nun ist dieses Hindernis aber beseitigt. Roman Dáňa ist der Kastellan des Schlosses und lobt die vor kurzem restaurierte Galerie:
„Das Schloss verfügt damit nun über neue, moderne Ausstellungsräume. Zu sehen sind Werke von Jan Zrzavý, einem Künstler, der weit über die Grenzen Tschechiens hinaus bekannt ist. Ich kenne die Gemälde aus der Nationalgalerie. Für mich ist es ein fantastisches Erlebnis, sie mir nun anschauen zu können, wenn ich gerade Lust dazu habe.“
Der Kastellan erwartet, dass die Ausstellung zum Ziel nicht nur tschechischer, sondern auch ausländischer Touristen wird. Wie er betont, kommen viele der Besucher von Telč aus dem Ausland.
Der Maler, Grafiker und Illustrator Jan Zrzavý gehört zu den bedeutendsten tschechischen Künstlern der Moderne. Im Laufe der Jahre entwickelte er einen ganz eigenen Stil, mit dem er sich von seinen Zeitgenossen unterschied. Er stammte aus Okrouhlice, einem Ort auf der Böhmisch-Mährischen Höhe. Zu großen Teilen war er Autodidakt, nur einige Jahre lang ging er an die Prager Kunstgewerbeschule. Dann versuchte er ohne Erfolg, an die Prager Akademie der Künste aufgenommen zu werden.
In den 1920er Jahre reiste Zrzavý viel durch Europa, wo er unter anderem Frankreich, Italien und Belgien besuchte. Er lebte in Paris, in der Bretagne sowie in Venedig und hatte regelmäßig Ausstellungen in Prag. In den letzten Jahren seines Lebens wurde Zrzavý zur Legende. Viele Prager erinnern sich daran, den Künstler zum Beispiel auf der Schlosstreppe, die zur Prager Burg führt, getroffen zu haben, das war der Weg zu seinem Atelier. Er starb 1977 im Alter von 86 Jahren. Bestattet wurde der Maler in Krucemburk, das nicht weit von seinem Geburtsort Okrouhlice entfernt liegt.
Die Schlossgalerie in Telč ist das ganze Jahr hindurch geöffnet. Mehr erfahren Sie unter https://www.zamek-telc.cz/en/plan-your-visit/opening-hours.
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