Ein Sprengstoff, der die Welt veränderte: Vor 100 Jahren wurde der Semtex-Erfinder geboren

Semtex

Ein Plastiksprengstoff, der bei Abriss- und Entminungsarbeiten hilft – das sollte Semtex eigentlich sein. Doch das Produkt wurde ebenso rege von Attentätern genutzt und ein Exportschlager für Diktatoren. Vor 100 Jahren, am 10. August 1925, wurde der Semtex-Erfinder Stanislav Brebera geboren.

Radim Fukátko mit Semtex | Foto: Tschechisches Fernsehen

Semtex entstand in den 1960er Jahren in der Tschechoslowakei. Hinter der Erfindung standen Stanislav Brebera und sein Kollege Radim Fukátko, die beide für den staatlichen Betrieb Explosia arbeiteten. Der von ihnen entwickelte Plastiksprengstoff brachte wegweisende Eigenschaften mit: Er war extrem stabil, formbar, wasserdicht, und es ließ sich sicher mit ihm hantieren. Gedacht war die Erfindung für den militärischen Bereich und für Abrissarbeiten. Wie sich jedoch später zeigte, erregten die Eigenschaften von Semtex auch die Aufmerksamkeit anderer Interessensgruppen.

Stanislav Brebera und Radim Fukátko | Foto: České zázraky/Tschechisches Fernsehen

Libyen als globaler Umschlagplatz

Muammar al-Gaddafi und Gustav Husák | Foto: Tschechisches Fernsehen,  ČT24

Zwischen 1975 und 1981 führte die Tschechoslowakei bis zu 1000 Tonnen des Sprengstoffes nach Libyen aus. Der dortige Machthaber Muammar al-Gaddafi galt zu jener Zeit als „großer Freund des tschechoslowakischen Volkes“. Die Zusammenarbeit mit dem Regime nahm deshalb rasch Fahrt auf. Semtex wurde aber nicht nur nach Libyen exportiert, sondern gelangte von dort aus auch weiter in die Welt. Denn der Staat in Nordafrika war damals das globale Zentrum für Sprengstofflieferungen an militante Gruppen vom Nahen Osten bis nach Europa. Der bekannteste Abnehmer war die Provisorische Irisch-Republikanische Armee (PIRA), die mit Semtex zahlreiche Anschläge gegen Großbritannien verübte. Der Bombenanschlag auf die Warenbörse Baltic Exchange in London oder die Attentate in Enniskillen und in den Londoner Docklands – bei all diesen Gräueltaten kam der Sprengstoff aus Tschechien zum Einsatz.

Semtex führte zur Tragödie von Lockerbie

Wrackteile der Boeing 747 der Pan Am 103 in der Nähe des Dorfes Lockerbie | Foto: Air Accident Investigation Branch  (AAIB),  Open Government Licence 2.0

Zum Höhepunkt der internationalen Ereignisse kam es am 21. Dezember 1988. Die Maschine des Pan-Am-Flugs 103, der von London nach New York gehen sollte, explodierte über der Ortschaft Lockerbie in Schottland. 270 Menschen starben. Die Ermittler konnten später eine Verwendung von Semtex nachweisen, gekoppelt mit einem Zeitzünder der libyschen Armee. Der tschechoslowakische Sprengstoff stand auf einmal im Zentrum eines der größten Terrorattentate der Geschichte.

Semtex | Foto: Explosia

Die Ereignisse führten schließlich dazu, dass der Vertrieb von Semtex zunächst eingeschränkt und schließlich ganz verboten wurde. Heute wird der Sprengstoff chemisch markiert, um ihn leichter auffindbar zu machen. Hergestellt wird Semtex lediglich in geringer Menge für legale Zwecke wie Abrissarbeiten oder die Verwendung in der Industrie.

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