Evolution statt Revolution: KI-Einsatz in der tschechischen Wirtschaft

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft ist eine Notwendigkeit, ohne sie werden tschechische Unternehmen nicht wettbewerbsfähig sein. Darin sind sich die Vertreter von Firmen in Tschechien einig. Wie ist der aktuelle Stand der KI-Nutzung hierzulande? In welchen Bereichen wird die menschliche Arbeit am meisten automatisiert?

Die Tschechen sind zwar keine Pioniere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, aber die Bereitschaft steigt, diese Technologie anzuwenden. Lukáš Benzl ist Direktor der Tschechischen Vereinigung für Künstliche Intelligenz:

Lukáš Benzl | Foto: Jan Jaskmanický,  Tschechischer Rundfunk

„Die schnellste Einführung Künstlicher Intelligenz findet in Bereichen wie der Buchhaltung und des Erstellens von Texten oder Präsentationen statt. Die Künstliche Intelligenz ist auch in den Bereichen Marketing, PR und Personalwesen zu Hause. Wir beobachten aber, dass die Firmen sie ebenso im Bereich des strategischen Unternehmensmanagements nutzen.“

Von einer KI-Revolution kann in Tschechien jedoch noch nicht die Rede sein. Laut einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen RSM im Juli durchgeführt hat, nutzen 40 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen hierzulande KI regelmäßig. Nach Aussage von Monika Marečková, einer geschäftsführenden Partnerin von RSM, lässt sich aber noch nicht von einer zweiten Industriellen Revolution sprechen.

„Anstelle einer Automatisierungswelle sehen wir eher eine stille Evolution, bei der die Technologie die Mitarbeiter unterstützt und nicht ersetzt.“

Marečková zufolge hat KI nur bei einem Prozent der Unternehmen einen Mitarbeiter vollständig ersetzt und bei weiteren vier Prozent teilweise.

Künstliche Intelligenz wird im Marketing, in der PR, in Anwaltskanzleien, aber vor allem in der Programmierung und Buchhaltung eingesetzt. Das Unternehmen Wflow hat beispielsweise eine Cloud-Anwendung für die Digitalisierung der Buchhaltung entwickelt. Wie das funktioniert, beschreibt Unternehmensmitgründer Robert Soudný:

„Die Automatisierung betrifft die Verarbeitung von Dokumenten bei deren Eingang, typischerweise sind das Rechnungen oder Quittungen. Sie reicht vom automatischen Empfang über die Datenextraktion, die Buchungsvorhersage und den Genehmigungsprozess bis hin zur automatischen Datenübertragung in Buchhaltungssysteme.“

Auf diese Weise könnten bis zu 80 Prozent der manuellen Buchhaltungsvorgänge eliminiert und die Fehlerquote gesenkt werden, so Soudný.

Unverzichtbar ist Künstliche Intelligenz im Unternehmen Trustsoft, das sich auf die Verwaltung und Optimierung von Cloud-Systemen konzentriert. Laut Otakar Seďa, Geschäftsführer von Trustsoft, hat sich KI aber auch in Produktionsfirmen bewährt:

„Dank der Kombination aus KI und fortschrittlichen Sensoren können wir einen Fehler mehrere Stunden vor seinem Auftreten erkennen. Jede Maschine zeigt Temperatur, Druck, Vibrationen oder Geräusche an. Das sind Dinge, aus denen wir, wenn wir sie überwachen, Schlussfolgerungen ziehen können.“

Am meisten nutzen bei Trustsoft jedoch Entwickler die Künstliche Intelligenz, sodass sie nicht mehr den gesamten Code von Grund auf neu schreiben müssen. Laut Seďa spart das Unternehmen dadurch 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten, und die meisten Mitarbeiter haben nun mehrere Dutzend Stunden pro Monat mehr Zeit für strategischere und kreativere Aufgaben.

Ein Problem bleibt weiterhin die Darstellung falscher Informationen. Die meisten KI-Modelle leiden an sogenannten Halluzinationen, indem sie überzeugend Resultate formulieren, die nicht überprüft beziehungsweise sogar falsch sind. Dieses Problem lässt sich in der Regel umgehen, indem man ihnen dieselbe Aufgabe wiederholt stellt. Laut Lukáš Benzl von der Vereinigung für Künstliche Intelligenz stehen jedoch bereits Unternehmensanwendungen zur Verfügung, die zugeben können, dass sie etwas nicht wissen.

„Ich bin überzeugt, dass dieses Problem sehr bald der Vergangenheit angehören wird. Allerdings wahrscheinlich nur in den kostenpflichtigen Versionen.“

Benzl betont, dass sich KI sehr schnell entwickle. Seiner Meinung nach hat sie im vergangenen Jahr sogar die Barriere der tschechischen Sprache und der Kenntnisse des tschechischen Marktes überwunden. Dank KI ist es laut ihm nun für ausländische Unternehmen viel einfacher, in die Tschechische Republik zu kommen und auch hiesigen Kunden ihre Dienstleistungen und Waren anzubieten.

Autoren: Markéta Kachlíková , Tomáš Jeník
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