Sechs Monate nach dem Güterzugunglück: Hunderte Tonnen Benzol sind immer noch in der Erde
Vor einem halben Jahr ereignete sich im mährischen Örtchen Hustopeče nad Bečvou der größte Benzolunfall der Welt. Wie ist heute die Lage vor Ort?
Es war der 28. Februar dieses Jahres um 11.39 Uhr, als in Hustopeče nad Bečvou der Güterzug entgleiste. 15 der 17 Kesselwagen gingen in Flammen auf, kilometerweit war die Rauchsäule zu sehen. Verletzt wurde bei dem Unglück zwar niemand, Hunderte Tonnen des giftigen Stoffes Benzol, den der Zug geladen hatte, gelangten jedoch in die Umwelt.
Miriam Loužecká ist die Sprecherin der Tschechischen Umweltinspektion (ČIŽP) und sagte dem Tschechischen Rundfunk am Donnerstag:
„Die Umweltkatastrophe in Hustopeče nad Bečvou war ein präzedenzloser Fall, der laut unseren Informationen in der Welt seinesgleichen sucht. Obwohl die Sicherheitsrisiken für die Bürger und die Natur auf ein Minimum reduziert wurden, dauern die Sanierungsarbeiten weiterhin an – wobei strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten.“
Das heißt auch, dass der Zugang zur Unfallstelle für die Allgemeinheit weiterhin verboten ist. Denn noch bis mindestens 24. September gilt für das Gebiet eine Gefahrenlage.
Der Güterzug hatte über 1000 Tonnen des giftigen Stoffes Benzol geladen. Laut einer Schätzung des mit der Sanierung beauftragen Unternehmens gelangten rund 250 Tonnen davon in den Boden. Die betroffene Fläche ist laut der Umweltinspektion rund 4600 Quadratmeter groß. Und wie die Bürgermeisterin von Hustopeče nad Bečvou, Júlia Vozáková (parteilos), informiert, befindet sich ein Großteil der Chemikalie immer noch in der Erde:
„Bisher wurden rund 110 Tonnen abgepumpt. In dem Gebiet gibt es also noch eine große Menge des Benzols. In einem Monat wird die Sanierung nicht zu machen sein, wir rechnen eher mit November oder Dezember. Das hängt aber auch vom Wetter ab, denn wenn es kalt ist, verhält sich dieser Stoff anders.“
Während vor Ort also die Bodensanierung noch nicht abgeschlossen ist, kann die Eisenbahnstrecke seit Juni wieder befahren werden. Allerdings werden demnächst etwa noch die Weichen ausgetauscht. Hergestellt werden die neuen Bauteile in Prostějov. Robert Zdobina leitet das dortige Weichenwerk DT und sagte dem Tschechischen Rundfunk:
„Die ersten drei Weichen sollen unser Werk Anfang Oktober verlassen, die restlichen drei dann zu Ende des Monats.“
Die Reparaturen an der Strecke sollen teils bei eingleisigem Betrieb erfolgen, mitunter wird der Abschnitt aber auch vollgesperrt, da etwa die Oberleitung ausgetauscht werden muss.
Unklar ist derweil immer noch, wie es überhaupt zu dem schweren Unfall kommen konnte. So sagt Polizeisprecherin Miluše Zajícová:
„Die Ermittlungen zum Zugunglück befinden sich noch in der ersten Phase des Verfahrens. Wir warten etwa noch auf die von uns angefragten Gutachten zu dem Fall.“
Neben der Polizei untersucht auch die Bahninspektion (DI) die Umstände der Umweltkatastrophe. Kurz nach dem Unglück hatte die Behörde bekanntgegeben, dass der Zug zum Unfallzeitpunkt mit 95 Stundenkilometern unterwegs gewesen ist. Erlaubt waren hingegen nur 40 Stundenkilometer. Daraus dürfe man aber nicht per se auf ein Fehlverhalten des Triebfahrzeugführers schließen, auch ein technischer Defekt sei nicht auszuschließen, so die Bahninspektion.
An diesem Freitag wird im Schloss der kleinen 2000-Einwohner-Gemeinde ein traditionelles Volksfest eröffnet, die Hustopečské dny, die bereits zum 22. Mal stattfinden. Zu den geladenen Gästen werden dann auch etliche Feuerwehrleute gehören, die bei dem Unfall geholfen haben. Allein in den ersten zwei Wochen nach dem Unglück waren in Hustopeče insgesamt 1500 Feuerwehrleute im Einsatz.








