Originale Handschriften von Jaroslav Hašeks „Schwejk“ gefunden
In Prag wurden originale Handschriften von Jaroslav Hašeks „Schwejk“ gefunden. Jahrzehntelang hatten sie zuvor unentdeckt im Nachlass eines Verlegers gelagert.
Jaroslav Hašeks „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ sind wohl das bekannteste literarische Werk Tschechiens. Der 1920 bis 1923 verfasste Schelmenroman wurde in etliche Sprachen übersetzt, auf Bühnen inszeniert und verfilmt. In Tschechien hat bis heute eine Verfilmung aus dem Jahr 1956 Kultstatus, für die Rudolf Hrušínský in die Rolle des gewitzten Soldaten im Ersten Weltkrieg schlüpfte.
Am Donnerstag nun meldete das Denkmal des Nationalen Schrifttums (PNP) in Prag einen beeindruckenden Fund: originale Handschriften von Hašeks wohl wichtigstem Werk. Die Entdeckung machte man bei der Untersuchung des Archivs von Karel Synek. Dessen Vater Adolf Synek war der Verleger Hašeks. In dem Nachlass hatten sich die Handschriften fast 90 Jahre lang unbemerkt befunden. Michal Stehlík leitet das Denkmal des Nationalen Schrifttums und sagte dem Tschechischen Rundfunk:
„Als wir hinter den obersten Blättern auf einmal die Handschriften von Jaroslav Hašek und Kliment Štěpánek fanden, dem Hašek den ‚Schwejk‘ ab dem dritten Teil diktierte, waren wir uns der Bedeutung bewusst. Es handelt sich um eine Mischung aus einem Unikum, einer Entdeckung und einem Wunder.“
Die Dokumente umfassen Fragmente des zweiten Teils, den gesamten dritten Teil sowie einige Abschnitte des vierten Bandes, an dem Hašek bis zu seinem Tod im Jahr 1923 arbeitete.
Das Literaturarchiv will die Handschriften nun schnellstmöglich restaurieren lassen. Und schon sehr bald sollen einige der Blätter auch der Öffentlichkeit gezeigt werden. So sagt Stehlík:
„Die Texte sind sehr gut lesbar. Am 13. September findet ein Festival statt, an dem sich unser Literaturmuseum beteiligt. Dort wollen wir einige Materialien ausstellen. Ein Großteil der Blätter muss aber von Restauratoren überarbeitet werden, da sie sich in keinem guten Zustand befinden.“
Nach der erfolgten Restaurierung sollen die geschichtsträchtigen Dokumente digitalisiert und Forschern zur Verfügung gestellt werden.
Hašeks „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ erschienen ab 1921. Die groteske Figur des titelgebenden Soldaten Josef Švejk wurde auch durch die Illustrationen Josef Ladas weltberühmt. Neben der Inszenierung für Theater und Film wurde der antimilitaristische Roman auch etliche Male als Hörbuch veröffentlicht. Nach Schwejk wurde ebenso ein Asteroid benannt, und in mehreren Ländern stehen Statuen für den Romanhelden. Ins Deutsche wurde das Buch zweimal übersetzt, einmal von Grete Reiner (1926) und einmal von Antonín Brousek (2014).
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