Kaninchenpest rafft Hasen in Tschechien dahin
Nach Österreich grassiert die Kaninchenpest nun auch in Tschechien. In Südmähren wurden Hunderte Kadaver infizierter Hasen gefunden.
Schwellungen im Kopf- und Genitalbereich sowie stark gerötete Augen – das sind die Symptome der Myxomatose, auch Kaninchenpest genannt. Ein mit dem Virus infiziertes Tier stirbt in der Regel innerhalb weniger Tage. Nachdem zuletzt die Fallzahlen in Niederösterreich und Wien gestiegen sind, werden neuerdings auch erste Fälle in Südmähren registriert. Betroffen sind weniger Kaninchen als freilaufende Feldhasen. Schützen könne man die Tiere allerdings kaum, sagt Jiří Janota, Vorsitzender des Böhmisch-Mährischen Jägerverbandes (ČMMJ):
„Freilebende Tiere können nicht geimpft werden, und auch eine orale Verabreichung von Medikamenten ist undenkbar. Die Krankheit wird zudem durch Mücken und andere blutsaugende Insekten übertragen. Und das kann man nicht verhindern.“
Janota zufolge dürften die Fallzahlen wegen der kälteren Temperaturen in den kommenden Monaten sinken. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Krankheit im nächsten Jahr wieder zurückkehre.
Um eine Verbreitung des Virus einzudämmen, arbeitet der Jägerverband mit der Staatlichen Veterinärverwaltung (SVS) zusammen. Petr Majer ist der Sprecher der Behörde und sagte dem Tschechischen Rundfunk:
„Vor allem die Jäger in den betroffenen Gebieten sollten rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Wenn ein toter Hase gefunden wird, sollte der Kadaver ausreichend tief in der Erde vergraben werden. Die toten Hasen können natürlich auch in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt geschickt werden.“
Appelliert wird zudem an Wanderer und alle weiteren Menschen, die sich in der Natur aufhalten. Wenn sie einen toten Hasen entdecken, sollten sie den zuständigen Jäger, das Gemeindeamt oder die Veterinärverwaltung informieren. Gewarnt wird hingegen davor, selbst mit dem Kadaver zu hantieren. Und auch von lebenden Hasen sollte man sich lieber fernhalten, sagt Jiří Janota:
„Infizierte Tiere sind nicht scheu und taumeln orientierungslos herum. Heutzutage gibt es in der Bevölkerung die Mode, verletzte Tiere aus Mitgefühl zum Tierarzt oder in Auffangstationen zu bringen. Davor will ich jedoch warnen. Man sollte die Hasen in keinem Fall einfangen, da die Krankheit dadurch in weitere Regionen verbreitet werden kann.“
Die Kaninchenpest tritt nicht das erste Mal in Europa auf. In den 1960er und 1970er Jahren führte sie dazu, dass das Wildkaninchen quasi komplett vom Kontinent verschwand. 2018 mutierte das ursprünglich aus Südamerika stammende Virus dann auf der Iberischen Halbinsel. Seitdem ist es auch für Hasen gefährlich. Über die Niederlande und Deutschland gelangte es nach Österreich und nun auch nach Tschechien. Droht jetzt erneut ein Massensterben von Tieren in freier Wildbahn? Janota ist durchaus besorgt…
„Das ist schon ein echtes Problem. Es gibt hierzulande derzeit Gegenden mit guten Hasenbeständen. Im Großteil der Republik leben aber nur noch sehr wenige Hasen. Die Krankheit hat also einen großen Einfluss auf deren Population.“
Die Myxomatose stellt aber nicht nur eine Gefahr für Wildtiere dar, sondern auch für Hasen und Kaninchen in menschlicher Haltung. Den Züchtern in Tschechien wurde deshalb empfohlen, ihren Bestand präventiv impfen zu lassen. Das Virus kann nur auf Hasen und Kaninchen übertragen werden, anderen Tieren und auch dem Menschen droht keine Gefahr.
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