OECD-Studie: Tschechien hat vergleichsweise wenige Hochschulabsolventen
Tschechien scheint weiterhin ein Land der Arbeiter zu sein. Denn wie die neueste Studie der OECD zeigt, liegt die Zahl der Hochschulabsolventen hierzulande vergleichsweise niedrig. Allerdings sagen Experten, dass schon längst der Wandel eingeläutet sei.
Ondřej aus Prag studiert an der Agraruniversität (ČZU) im Stadtteil Suchdol und meint:
„Ich bin an die Uni gegangen, weil meine beiden Eltern einen Hochschulabschluss haben. Sie haben mich so erzogen. Allerdings hat mich am Studium geärgert, dass es so wenig praktisch ausgerichtet ist. Da hatte ich mehr erwartet.“
Gerade der familiäre Hintergrund ist für junge Tschechen die größte Motivation, um selbst ein Studium aufzunehmen. Darauf weist auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem aktuellen Bildungsreport hin. Ihren Daten nach gehört die Tschechische Republik innerhalb der 38 Mitgliedsstaaten zu jenen mit einem relativ niedrigen Anteil an Hochschulabsolventen. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 42 Prozent der Menschen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren. Hierzulande hat nur 27 Prozent ein entsprechendes Diplom.
Tschechien sei aber dabei, mächtig aufzuholhen, betont Václav Jelen. Er leitet den Bereich statistischer Analysen beim tschechischen Bildungsministerium:
„Wir müssen uns klar machen, dass sich die Tschechische Republik vor der Jahrtausendwende bei der Hochschulbildung in einer ganz anderen Position befand. Mittlerweile liegen die Zuwächse ziemlich hoch. Es wird noch auf die Entwicklung in den nächsten Jahren ankommen – aber den OECD-Durchschnittswert werden wir früher oder später ebenfalls erreichen oder sogar übertreffen.“
Auch die tschechischen Hochschulen bestätigen, dass sie immer mehr Interessenten hätten. Allerdings würden 40 Prozent der Bachelor-Studenten ihr Studium nicht beenden, sagt Vladimír Hulík vom Bildungsministerium...
„Sie gehen vor allem von der Hochschule ab, weil die Studienprogramme zu schwer sind für sie oder ihrem Empfinden nach zu akademisch ausgerichtet. Das heißt, die Bachelor-Studiengänge sind so gestaltet, dass sich ein Masterstudiengang anschließen lässt, aber nicht dafür gemacht, um jemanden für den Arbeitsmarkt vorzubereiten“, so Hulík.
Genau das unterscheide Tschechien auch von zahlreichen weiteren Ländern. Hulík könnte sich daher Änderungen im tertiären Bildungssystem vorstellen:
„Bei uns konzentriert sich die tertiäre Bildung praktisch auf Hoch- und Fachhochschulen. Wir haben also in diesem Bereich noch viel Raum für Änderungen und die Schaffung von stärker beruflich ausgerichteten Bildungsmöglichkeiten.“
Jedoch investiert Tschechien laut der OECD-Studie weniger in die Bildung als andere Mitgliedsländer. Nikola Šrámková ist Analytikerin der Bildungsorganisation Eduin. Sie weist darauf hin, dass in der Statistik teils Äpfel mit Birnen verglichen würden.
„Der internationale Vergleich der OECD umfasst neben öffentlichen auch private Ausgaben für Hochschulbildung. Zu den privaten Ausgaben gehören etwa die Studiengebühren, die in den angelsächsischen Ländern einen hohen Anteil an der Finanzierung haben. Zugleich werden in dem Bericht die Ausgaben für die voruniversitäre Bildung nicht berücksichtigt“, erläutert Šrámková.
Der Bildungsreport zeigt auch auf, dass Menschen mit einem Hochschulabschluss meist eine besser bezahlte Arbeit finden als jene ohne ein entsprechendes Diplom. Ihre Gehälter liegen in Tschechien durchschnittlich um 60 Prozent höher als jene, die nur einen Abschluss einer weiterführenden Schule nachweisen können.








