Satellitendaten nutzen lernen: In Prag eröffnet ESA-Akademie
Satellitenaufnahmen können für jede Lebenslage wichtige Informationen liefern. Man muss sie nur richtig lesen können. Diese Fähigkeiten vermittelt nun ein neues Bildungsprogramm, das die Prager Karlsuniversität in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur anbietet.
„Wir sind nun jene Institution, die ganz Europa beibringt, wie Satellitendaten genutzt werden können.“
Das sagt Přemysl Štych von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität. Er ist der Koordinator eines neuen internationalen Bildungsprogramms namens ESA-Akademie. ESA ist die European Space Agency, also die Europäische Raumfahrtagentur. Zur neugegründeten Akademie erläutert Štych:
„Alle beteiligten Institutionen übernehmen nun die Bildungsaufgaben von der ESA. Die Agentur gibt uns die Möglichkeit, Bildungsmaterialien zu entwickeln und Kurse anzubieten, vor allem für Lehrende und für Studierende.“
Štych ist Experte für Geoinformatik und die Fernerkundung der Erde. Daten, die durch Satellitenaufnahmen gewonnen werden, können aber auch in vielen anderen Bereichen der wissenschaftlichen Forschung und des Lebens angewandt werden. So schildert etwa der Prodekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät, Tomáš Cajthaml:
„Dies betrifft etwa das Studium der globalen Veränderungen und der Umwelt, aber auch die sich ändernden sozialen Strukturen von Städten.“
Satellitendaten kommen ebenso bei der Bewältigung von Naturkatastrophen zum Einsatz oder bei der Aufklärung von Straftaten. Dies alles soll in der ESA-Akademie komplex vermittelt werden. Das Angebot solle aber über den Rahmen der Hochschule hinaus wirken, betont die Rektorin der Karlsuniversität, Milena Králíčková:
„Wir wollen nicht nur das Bildungsprogramm erweitern, sondern auch unsere Aktivitäten für die Gesellschaft und die Öffentlichkeit. Gerne würden wir mehr Schulkinder für Naturwissenschaften begeistern, aber auch ihre Lehrer. Denn das Interesse an Mathematik, Physik, Biologie oder Chemie hängt oft davon ab, auf welche Weise die Kinder damit schon in den Schulen Bekanntschaft machen.“
Die Kurse an der ESA-Akademie sollen zudem der Weiterbildung dienen. Sie würden sich etwa an Mitarbeiter in den Branchen Landwirtschaft, Baugewerbe oder Stadtplanung wenden, sagt Štych:
„Die Akademie soll auch den Bedürfnissen jener Experten dienen, die in Firmen oder in der staatlichen Verwaltung arbeiten und erwägen, Satellitendaten zu nutzen.“
An der Akademie sind auch die Universitäten in Ljubljana und in Bochum sowie weitere internationale Bildungseinrichtungen beteiligt. Die Leitung hat jedoch die Karlsuniversität inne. Der ganze Prozess hat laut Štych schon vor 20 Jahren mit einem ersten Kurs begonnen, den die ESA damals in Tschechien durchführte. Das seitdem gewonnene Wisse werde nun also von Prag aus wieder an andere Länder weitergegeben, resümiert der Koordinator.
Für die ersten drei Jahre wird die Akademie von der ESA mit etwa 800 Millionen Euro finanziert.








