Salat vom Hallendach: Hydroponische Pflanzenzucht in Tschechien

Fabrikhallen haben großflächige Dächer, deren potentieller Mehrwert oft ungenutzt bleibt. Sie können zum Beispiel zum Anbau von Nutzpflanzen dienen, wie ein Projekt aus Liberec zeigt.

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

Erde braucht es nicht. Auf etwa 100 Quadratmetern Dachfläche einer Fabrikhalle in Liberec schlängeln sich Rohre und Schläuche, durch die Wasser läuft. Insgesamt gedeihen hier gerade über 600 Salatpflanzen. Es ist die erste hydroponische Plantage Tschechiens, die auf einem Industriegebäude angelegt wurde. Tereza Nalezená kümmert sich für das Unternehmen DB Schenker um die Pflanzen. Sie steht in 15 Metern Höhe und führt durch die Anlage:

Tereza Nalezená | Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

„Wir züchten hier fünf Sorten. Direkt vor uns wächst Lollo Rosso, daneben gibt es Lollo Bionda, grüne und rote Mehrblattsalate und außerdem Eichblatt rot. Am Anfang haben wir Getreidesamen ausprobiert. Dabei mussten wir aber feststellen, dass sie völlig durcheinander wuchsen. Inzwischen wissen wir es besser und nutzen Profisamen aus Holland, die extra für die Hydroponik veredelt wurden. Und wie man sieht, wachsen sie alle gleich schön.“

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

Hydroponik ist die Pflanzenzucht im Wasser. Die Wurzeln schwimmen in einer Nährlösung, und auf diese Weise können Zier- und Nutzpflanzen in Innenräumen oder auf urbanen Flächen angebaut werden – also auch auf großflächigen Dächern. Als Architektin beobachtet Nalezená mit Bedenken, wie in Tschechien eine neue Logistikhalle nach der anderen gebaut wird. Ihr Argument: Die Gebäude verdrängen landwirtschaftlichen Boden, und auf den Dächern bilden sich im Sommer Hitzeinseln.

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

Durch eine Dachplantage könnten die Flächen jedoch produktiv genutzt werden, sagt Nalezená. Allein auf der einen Halle in Liberec würden monatlich bis zu 2500 Salatköpfe geerntet. Unterstützt wird das Pilotprojekt von der Technischen Universität Liberec. Ziel ist dabei auch, neue Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Die Architektin erläutert:

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

„Dem Wasser werden Dünger sowie manchmal auch Calcium und Magnesium beigemischt. Zudem wird der pH-Wert reguliert. Alles ist automatisiert, ein Bluelab-System füllt die Nährstoffe auf. Die Plantage ist praktisch wartungsfrei. Wir regeln alles über eine Telefon-App, in der wir immer um Mitternacht nachschauen, ob alles in Ordnung ist.“

Eine Pumpe sorgt für den ununterbrochenen Zulauf von frischem Wasser. Davon sei allerdings wesentlich weniger nötig als in der herkömmlichen Landwirtschaft, betont Nalezená. Und ihr Kollege Libor Pěnkava verweist auf das Material der Rohre:

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

„Sie bestehen aus lebensmittelechtem Polyethylen. Er hält den Temperaturen und auch allen anderen Witterungsbedingungen stand und ist frei von Mikroplastik. Es gab vorher chemische Analysen zur Zusammensetzung und Staubabsonderung, sie wurden von der Technischen Uni durchgeführt.“

Tereza Nalezená führt weiter zu dem Gehirn der ganzen Anlage, das mit einer Plane abgedeckt ist…

Tereza Nalezená | Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

„Dies ist die Schaltanlage. Zu ihr gehören auch mehrere Thermometer, mit denen wir den Einfluss der Plantage auf die Kühlung des Daches dokumentieren. An den extrem heißen Tagen lag die Temperatur um bis zu 20 Grad niedriger. Und in der Nacht ist sie hingegen höher. Es kommt also auch dem Dach zugute, dass es sich nicht so schnell abnutzt.“

Die Dachplantage ist für die Firma DB Schenker mittlerweile auch eine weitere Einkommensquelle. Direktor Tomáš Holomoucký gibt Auskunft, was mit der Ernte passiert:

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk

„Viel davon konsumieren wir selbst in unseren Kantinen. Daneben haben wir Großabnehmer, das sind Bistros und Restaurants in der Umgebung von Liberec. Damit beweisen wir unsere Nachhaltigkeit, denn wir führen die Salate nicht von weither ein. Ihr Anbau ist außergewöhnlich ökologisch. Dafür haben wir auch Zertifikate, einschließlich des Bio-Siegels.“

Holomoucký zufolge plant das Unternehmen, den Anbau vor Ort im kommenden Jahr um Kräuter und einige Gemüsesorten zu erweitern.

Foto: Jana Pavlíčková,  Tschechischer Rundfunk
Autoren: Jana Pavlíčková , Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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