Unentschieden und peinliche Niederlage – Tschechien taumelt durch die WM-Qualifikation

Die Tschechische Republik verlor in Torshavn gegen die Färöer Inseln (1:2)

Das tschechische Fußball-Nationalteam tut sich auf dem Weg zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr schwer. Nach einem mageren 0:0-Unentschieden am Donnerstag gegen Kroatien blamierte es sich am Sonntag auf den Färöern mit einer Niederlage. Was bedeutet das nun für die Ambitionen der Tschechen und für den Nationaltrainer?

Die gute Nachricht vorweg: Die tschechischen Fußballer haben es weiterhin in der eigenen Hand – oder besser: in den eigenen Beinen –, bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko 2026 zu spielen. Allerdings haben sie sich am Sonntag in Tórshavn richtig schön blamiert. Mit 1:2 verlor man gegen das Heimteam von den Färöer Inseln. Und die Niederlage ging sogar in Ordnung, wenn man die Statistiken anschaut. Tschechien hatte zwar mehr vom Spiel, doch die Zweikämpfe gingen an die Färinger. Zudem schossen beide Teams jeweils nur dreimal aufs Tor. Der tschechische Mannschaftskapitän Tomáš Souček war danach bedient:

Tomáš Souček | Foto: David Taneček,  ČTK

„Alle hatten wir im Kopf, wie wir ein paar Tage zuvor noch gegen Kroatien als eines der besten Teams der Welt gespielt haben. Zwar hatte das Ergebnis nicht gestimmt, aber spielerisch haben wir das gemeistert. Und jetzt sind wir hier – bei allem Respekt – auf den Färöer Inseln angetreten. Sie haben sich gut auf uns vorbereitet, wir haben uns schwer getan. Aber solche Spiele muss man gewinnen.“

Am Donnerstag hatte sich Tschechien zu Hause zu einem 0:0 gegen Kroatien gequält. Für die Hoffnung auf eine direkte WM-Qualifikation war das zwar zu wenig, doch die Leistung war deutlich besser als die bei der 1:5-Klatsche im Juni in Kroatien. Und immer muss man bedenken, dass derzeit mit Patrik Schick von Bayer Leverkusen und Adam Hložek von Hoffenheim gleich zwei Stürmer wegen Verletzungen fehlen.

Doch die Niederläge auf den Färöern hat nun eine Diskussion über Nationaltrainer Ivan Hašek befeuert. Zum ersten Mal überhaupt verlor eine tschechische Nationalmannschaft gegen die Kicker von den Inseln – nach zuvor zehn Siegen. Hašek selbst stellt seine Arbeit allerdings nicht in Frage:

Ivan Hašek | Foto: Vít Šimánek,  ČTK

„Warum sollte ich jetzt wegrennen? Wir werden die Qualifikation als Zweite der Gruppe beenden. Und ich wiederhole es noch einmal: Dieses Team hat ein Ziel, und das ist die WM-Teilnahme.“

Auch von einer Blamage wollte der Coach nicht sprechen...

„Blamage? Das ist Fußball. Manchmal besiegt man einen starken Gegner, dann verliert man gegen einen schwächeren. Ich habe nicht gesehen, dass sich einer der Spieler nicht bemüht hätte. Mir hat da die Bewegung in den Angriffen gefehlt und dass wir nicht mehr Chancen herausgearbeitet haben. Aber ich muss auch sagen, dass die Färinger mit ihrem 5-4-1-System in der Verteidigung und ihren Kontern ziemlich unangenehm sind“, so Hašek.

Tatsächlich reiten die Fußballer der Färöer Inseln gerade auf einer Erfolgswelle. Schon drei Siege haben sie jetzt in Folge in der WM-Qualifikation geholt, zuvor ein 4:0 gegen Montenegro und ein 1:0-Auswärtserfolg in Gibraltar. Und gegen Kroatien unterlagen sie auch nur knapp mit 0:1.

Nichtsdestotrotz liegen die Ansprüche in Tschechien natürlich anders. Ex-Nationalspieler Karel Poborský wählte nach der Begegnung im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) deutliche Worte:

Karel Poborský | Foto: Archiv des tschechischen Fußballverbands

„Es schmerzt, gegen die Färöer zu verlieren, selbst wenn sie nicht mehr der Fußballzwerg sind von früher. Vor allem war unsere Leistung auch schlecht. Bei den zweiten Bällen waren wir immer zu spät. Es fehlte an Durchsetzungskraft. Und die Färinger haben auch besser kombiniert als wir, was traurig ist.“

Natürlich ist Tschechien nur noch einen Sieg vom selbstgesteckten Mindestziel entfernt: dem zweiten Platz in der Qualifikationsgruppe und den Play-offs zur WM-Teilnahme. Das abschließende Gruppenspiel im November bestreitet man zudem gegen Außenseiter Gibraltar. Ob das mit Trainer Ivan Hašek an der Seitenlinie geschieht, ist indes offen. Denn eigentlich hat das tschechische Nationalteam seit seinem Amtsantritt nie völlig überzeugt.

Pavel Nedvěd | Foto: Kateřina Šulová,  Profimedia

Und Nationalmannschaftsmanager Pavel Nedvěd sagte unmittelbar nach der Begegnung in Tórshavn, dass man sich in der Führung des Fußballverbandes nach der Rückkehr nach Prag beraten werde. Die Frage ist allerdings, welcher mögliche andere Trainer das Team auch spielerisch voranbringen könnte. Und ob er jetzt schon übernehmen könnte und sollte.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK , Česká televize
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