Sensationelle Entdeckung: 1986er Jazzrock-Einspielung von Pianist Kratochvíl und Gitarrist Andršt

Martin Kratochvíl

Fast 40 Jahre lang schlummerte diese Einspielung im Privatarchiv des Jazzpianisten Martin Kratochvíl. Nun ist aus einem ursprünglichen Film-Soundtrack das Album „Tennis“ der legendären tschechoslowakischen Band Jazz Q geworden. Es ist eine Perle des Jazzrock.

Martina Navrátilová | Foto: Profimedia

Die CD enthält insgesamt elf Stücke, davon drei Bonustracks. Die Titel der Songs verweisen darauf, warum die Aufnahmen überhaupt entstanden sind. Sie lauten etwa „Topspin“, „Grand Slam“ oder „Tiebreak“. Sportfans werden sofort erkannt haben, dass es sich um Ausdrücke aus der Tenniswelt handelt.

Filmmusik, die nicht so klingt

Foto: GAD Records

Denn Kratochvíl wurde damals von der BBC gebeten, den Soundtrack zu einer Doku über das tschechoslowakische Tennis zu schreiben. Martina Navrátilová und Ivan Lendl dominierten in dieser Zeit die Sportart, aber auch Hana Mandlíková und Miloslav Mecíř mischten in der Weltspitze mit. Und zum Erstaunen des Pianisten musste er die Musik nicht an den fertigen Film anpassen. Sondern er durfte aus zeitlichen Gründen die Songs vorab aufnehmen, die dann den bewegten Bildern hinzugefügt wurden. All das schreibt der 79-jährige Musiker im Booklet zur neuen CD. In jedem Fall klingt das Endprodukt daher auch nicht wie Filmmusik, sondern wie eine authentische Jazzrock-Session.

Martin Kratochvíl | Foto: Petra Ševců,  Tschechischer Rundfunk

Martin Kratochvíl produzierte die Aufnahmen 1986 in seinem modern eingerichteten Studio. Drei Musiker lud er dazu ein, von denen zwei damals nicht zur ständigen Besetzung von Jazz Q gehörten. Das waren Gitarrist Luboš Andršt, der allerdings mehrere Jahre in der Band gespielt hatte, sowie der Bassist Juraj Giglák. Nur Schlagzeuger Pavol Kozma tourte damals mit Jazz Q.

Die Session, zu der es dann im Herbst des Jahres in seinem Studio vor den Toren von Prag kam, bezeichnet Kratochvíl als „einen Traum perfekten rhythmischen Zusammenspiels“. Alles sei fast makellos gewesen, nur ein paar wenige Overdubs habe er machen müssen.

Legende des Fusion-Jazz

Foto: Supraphon

Jazz Q entstand schon 1964, neben Kratochvíl gehört noch der Flötist und Saxophonist Jiří Stivín zu den Gründern. Anfang der 1970er Jahre kam dann der Durchbruch. Nach einem Aufenthalt am renommierten Berklee College in den USA lenkte Kratochvíl die Band in Richtung Jazz- und Art-Rock.

Mehrmals hat seitdem die Besetzung von Jazz Q gewechselt. 1984 kam mit „Hvězdoň“ das letzte Studioalbum zu kommunistischen Zeiten heraus. Erst seit 2013 gibt es wieder regelmäßige neue CDs dieser Legende des tschechischen Fusion-Jazz, zuletzt 2023 mit „Rituál“.

Autor: Till Janzer
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