Neue tschechische App zur Notfallkommunikation vorgestellt

Hilfe rufen und Tipps geben, wie in Krisensituationen vorzugehen ist – all dies kann die neue Notfall-App Maják.

Die zentrale Aufgabe der tschechischen App Maják ist es, einen Notruf abzusetzen. Roman Brunik hat die Smartphone-Anwendung mitentwickelt. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte er:

Foto: DESA Group / Aplikace Maják

„Auf dem Startbildschirm findet sich gleich die wichtigste Funktion ‚Hilfe rufen‘. Alternativ kann man den roten SOS-Knopf betätigen. Dann öffnet sich eine übersichtliche Darstellung mit großen, farblich verschiedenen Buttons. Durch diese kann man die Polizei rufen, den Notarzt, oder man kann die Notrufnummer 112 wählen. Zudem lässt sich über den ‚stillen Chat‘ eine Notfall-SMS absenden.“

Der Impuls für die App Maják, was zu Deutsch übrigens „Leuchtturm“, aber auch „Blaulicht“ heißt, war der Amoklauf an der Philosophischen Fakultät der Prager Karlsuniversität im Dezember 2023. Finanziert wurde die Entwicklung des Programms durch Spenden. Der sogenannte „stille Chat“ mit der Polizei sei vor allem für Situationen geeignet, in denen man nicht sprechen könne, sagt der Sicherheitsexperte Josef Toman:

„Angenommen in einer Schule kommt es zu einem Angriff mit einer Schusswaffe. Die Schüler müssen sich dann in den Räumen verbarrikadieren. Sie sollten das Licht ausmachen, leise sein und ihr Telefon ausschalten. Oder sie verwenden es, um den ‚stillen Chat‘ zu nutzen. Dadurch kann man Hilfe heranholen, ohne dass Töne abgespielt werden, was in solchen Situationen extrem wichtig ist.“

Roman Brunik | Foto: Aplikace Maják

In der SMS sind dabei auch die Ortungsdaten der Person enthalten, damit die Einsatzkräfte schnell zur Hilfe eilen können. Eine entsprechende Nachricht mit dem Standort kann zudem an voreingestellte Notfallkontakte versandt werden. Die App Maják biete darüber hinaus aber auch eine Sektion mit besonderen Hinweisen, sagt Roman Brunik:

„In der App finden sich Tipps für kritische Situationen wie Hochwasser, Evakuierung, Tornados und andere Wetterextreme aber auch Terrorangriffe und Schusswaffenattacken. Die Hinweise kann man sich unmittelbar in der Gefahrenlage durchlesen oder vorher studieren.“

Bereits seit 2016 ist in Tschechien allerdings auch die App Záchranka verfügbar. Brunik führt aber aus, dass es durchaus einige Unterschiede zwischen den beiden Programmen gebe:

„Die Anwendung Záchranka ist eine super Sache, und ich benutze sie selbst schon seit vielen Jahren. Sie ist vor allen Dingen für das Anrufen des Rettungsdienstes gedacht und um erste Hilfe in den Bergen zu leisten. So ist sie etwa an die Bergwachten angebunden. Wir sind aber einen anderen Weg gegangen, da wir uns nicht nur auf die erste Hilfe fokussieren wollten. Denn wir sind Sicherheitsexperten. Deshalb gibt es etwa Hinweise zu einem Amoklauf, was man in der Záchranka-App vergebens sucht. Außerdem bieten wir auch Tipps für den Fall von Mobbing oder häuslicher Gewalt. Diese Ratschläge richten sich sowohl an Zeugen als auch an die bedrohten Personen.“

Foto: Aplikace Maják

Die neue Maják-Anwendung warnt des Weiteren vor drohenden Gefahren wie Hochwasser, Stromausfall oder weiteren Gegebenheiten, wegen derer die Behörden oder die Sicherheitskräfte eine Warnung ausgeben. Außerdem liefert die App einen Überblick über alle Einrichtungen, die eine Notfallversorgung anbieten – inklusive psychischer und psychologischer Betreuung. Derzeit arbeite das Team noch an einer englischen und einer ukrainischen Sprachversion, sagt Brunik und ergänzt:

„Wir wollen, dass diese App wirklich von allen verwendet wird. Deshalb sind die Ratschläge auch in Kategorien unterteilt – von Kindern bis zu Senioren. Denn uns ist klar, dass die unterschiedlichen Altersgruppen auch verschiedene Dinge beschäftigen.“

Die App kann ab sofort in den gängigen Portalen heruntergeladen werden. Um Hilfe mit der Anwendung zu rufen oder eine SMS an die Einsatzkräfte zu versenden, sind im Übrigen keine mobilen Daten und auch kein Guthaben nötig. Es reicht, dass das Smartphone ins Netz eingebucht ist.

Autoren: Ferdinand Hauser , Karolína Burdová | Quelle: Český rozhlas
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