Radfahrpioniere: Brüder Kohout gründen vor 145 Jahren ersten Velozipedistenklub der Monarchie

Velozipedistenklub Prag, um 1883

Am 16. November 1880 entstand im Prager Stadtteil Smíchov der Tschechische Velozipedistenklub (ČKV). Es war der erste Radfahrverein in der k. u. k. Monarchie. Gegründet wurde er von den Brüdern Josef und František Kohout, die erstmals bei einem englischen Besucher ein Fahrrad gesehen hatten. Ihre Begeisterung für das neue Gerät setzte nicht nur die Herstellung von Fahrrädern in Böhmen in Gang, sondern auch die ersten organisierten Wettrennen.

Links Jan Kohout  (1933) und rechts Josef Kohout als österreichischer Rekordhalter  (1884) | Foto: Štěrba Bike

Das erste Fahrrad war bereits 1867 in den böhmischen Ländern aufgetaucht: ein schweres Hochrad aus Holz. Zu einem Boom der Drahtesel kam es hierzulande jedoch erst ein gutes Jahrzehnt später. 1879 zog die Familie eines anglikanischen Pfarrers in ein Haus des Unternehmers Jan Kohout in Prag. Deren junges Mitglied William Beo Crowl brachte ein modernes Hochrad aus Stahl und mit Gummireifen aus England mit. Kohouts Söhne begannen sofort, sich für dieses neue Gefährt zu interessieren, und überzeugten ihren Vater, in die Produktion solcher Räder einzusteigen.

Reklamefahrt nach Wien

Sechs Teilnehmer nach den Rennen vom 11. Juni 1882 in Wien - der Tschechische Radsportverband schickte drei Teilnehmer,  stehend von links nach rechts: Dušan Popovič,  Josef Kohout,  František Kohout | Foto: Štěrba Bike

Im Sommer 1880 machten sich die Brüder Kohout mit ihren Rädern auf den Weg nach Wien. Die Strecke von über 300 Kilometern meisterten sie in zweieinhalb Tagen – und damit schneller als die damaligen Postkutschen. Die Fahrt wurde zu einer Werbetour für die Fahrradproduktion und gewann die Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit und der Presse.

Nur ein Jahr später kam es zur Gründung des Tschechischen Velozipedistenklubs, dem ersten Fahrradverein in Österreich-Ungarn. Die Mitglieder unternahmen gemeinsame Ausfahrten, bestritten Rennen und richteten Kulturveranstaltungen aus. Aus diesem Verein ging 1883 der Český svaz cyklistiky (Tschechischer Radsportverband) hervor, der heute älteste Sportverband hierzulande.

Foto: e-Sbírky,  Nationalmuseum- Historické muzeum,  CC BY 4.0 DEED

Unverständnis auf dem Land

Foto: e-Sbírky,  Nationalmuseum- Historické muzeum,  CC BY 4.0 DEED

Den Radfahrern begegnete vielerorts jedoch Unverständnis. Auf dem Land hielt man sie für Exzentriker, die das Vieh erschreckten. Selbst der Gründer des tschechischen Turnerverbandes Sokol (Falke), Miroslav Tyrš, sparte nicht an Kritik. Er warf den Brüdern Kohout vor, schnelles Geld machen zu wollen. Dabei waren ihre Fahrräder damals sehr teuer. Ein Gefährt kostete etwa 500 Goldkronen, was dem Jahresgehalt eines Beamten entsprach.

Die Fabrik von Jan Kohout produzierte bis 1891 rund 900 sogenannte „kohoutky“. Josef Kohout stellte 1885 sogar einen Europarekord auf, als er innerhalb von 24 Stunden auf seinem Hochrad 400 Kilometer weit fuhr. Schon bald wurde der Prototyp aber von niedrigeren Nachfolgemodellen abgelöst.

1993 kam es zu einer Wiedergründung des Velozipedistenklubs. Unter dem neuen Namen „Český klub velocipedistů 1880“ richtet er beispielsweise die „Prager Meile“ aus, einen Ausflug mit historischen Fahrrädern und kulturellem Begleitprogramm.

Foto: Zdeněk Vesecký,  Tschechischer Rundfunk
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