Handball-WM in Deutschland: Tschechinnen setzen auf Heimatmosphäre in Stuttgart

Rückraumspielerin Veronika Holečková (links) von Slavia Prag im Länderspiel gegen Ungarn

Das tschechische Handballnationalteam der Frauen ist am Spielort in Stuttgart angekommen. Am Donnerstagabend startet es in die WM, die in Deutschland und den Niederlanden ausgetragen wird. Was sind die Ambitionen der Tschechinnen? Und wie nehmen sie die Weltmeisterschaft im Nachbarland wahr?

Nach gut sechs Stunden Fahrt stiegen die tschechischen Handballerinnen am Mittwoch gegen 13 Uhr aus dem Bus.

„Es ist alles ruhig verlaufen. Ich hatte mehr Staus erwartet, aber wir sind gut durchgekommen. Zwei kleine Kaffeepausen, und wir sind alle wohl auch bei vollen Kräften eingetroffen“, schilderte Flügelspielerin Anna Franková vom deutschen Zweitligaklub HC Rödertal nach der Ankunft in Stuttgart.

In der baden-württembergischen Hauptstadt bestreiten sie und ihre Teamkolleginnen die Gruppenspiele bei der Handball-Weltmeisterschaft.

In der Gruppe G treffen die Tschechinnen am Donnerstagabend auf Schweden, am Samstag auf Brasilien und zum Abschluss der Vorrunde am Montag auf Kuba. Die Trainer Daniel Čurda und Tomáš Hlavatý haben das Team verjüngt. Umso mehr steigt aber die Bedeutung der erfahrenen Kräfte. Und Čurda ist froh, dass Kapitänin Veronika Kafka Malá wieder an Bord ist. Die Flügelspielerin vom norwegischen Meister aus Hamar hatte wegen einer kleineren Verletzung die WM-Vorbereitung verpasst…

„Veronika ist eine von zwei Spielerinnen in unserem Team aus einem Verein, der die Champions League bestreitet. Mehr haben wir nicht. Bei unseren Gegnern aus Schweden und Brasilien spielen hingegen alle in solchen Spitzen-Wettbewerben des Frauenhandballs und in europäischen Vereinen“, so der Coach.

Schweden bezeichnet Čurda als einen der Titelfavoriten und Brasilien als bestes nicht-europäisches Team. Kuba sei wiederum schwer einzuschätzen, findet er.

Daniel Čurda | Foto: Archiv des tschechischen Handballverbandes

„Wir wären froh, wenn wir es in die WM-Hauptrunde schaffen. Das ist unser vorrangiges Ziel. Aber wir sehen von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel“, fügt der 49-jährige Übungsleiter hinzu.

Immerhin ziehen drei der vier Mannschaften jeder Gruppe in die Hauptrunde ein. Das heißt, Tschechien muss nur ein Team hinter sich lassen. Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Deutschland und den Niederlanden war aus tschechischer Sicht allerdings nicht so überzeugend. Zwar gab es ein 29:29-Unentschieden gegen Österreich. Doch es folgte eine Niederlage gegen Rumänien und ein 29:41-Debakel im Kräftemessen mit Portugal. Deswegen sieht Trainer Čurda noch Übungsbedarf vor allem im Abwehrverhalten.

Alle tschechischen Vorrundenbegegnungen sind bereits ausverkauft. Und das Team geht von großer Unterstützung durch das eigene Fanlager in der 6000 Plätze fassenden Porsche Arena aus. So sagte Veronika Kafka Malá, die bis zum Sommer noch beim HB Ludwigsburg unter Vertrag gewesen war:

„Ich freue mich sehr auf die Spiele in Stuttgart – vor allem weil die Fans meines ehemaligen Bundesligaklubs dort sind. Sie haben mir geschrieben, dass sie unser tschechisches Team anfeuern werden. Das wird ein Ding. Die Halle in Stuttgart ist sehr schön. Auch die Zuschauer werden da sicher ihren Spaß haben.“

Im tschechischen WM-Aufgebot stehen auch drei aktuelle Spielerinnen aus der ersten deutschen Bundesliga. Das sind Kamila Kordovská aus Neckarsulm, Charlotte Cholevová aus Metzingen und Marie Poláková von Union Halle-Neustadt. Vor allem Cholevová und Kordovská gehören neben Malá sowie der Torhüterin Sabrina Novotná von Metz Handball zu den wichtigsten Leistungsträgerinnen im Team. Verzichten muss die Auswahl aber auf die Goalgetterin Markéta Jeřábková, die auf die Geburt ihres ersten Kindes wartet.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK , Česká televize
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