Energiesicherheit in Tschechien: Bessere grenzüberschreitende Vernetzung nötig

Ein Schutz vor möglichen Blackouts, aber auch niedrigere Energiepreise: Dies könnte Tschechien erreichen, wenn es seine Stromleitungen grenzübergreifend besser vernetzen würde. Das besagt eine Studie des britischen Think-Tanks Ember.

Foto: Jakub Jirásek,  Tschechischer Rundfunk

Solange Tschechien sein Stromleitungsnetz nicht besser über die Landesgrenzen hinaus verknüpft, ist es schlecht gegen einen großflächigen Blackout geschützt. Diese Warnung geht von einer europaweiten Studie des britischen Think-Tanks Ember in Richtung Prag. Das Gleiche gilt aber für mehr als die Hälfte der Länder Europas – zu wenige kümmern sich um die internationale Anbindung, die bei einem Energienotstand im eigenen Land greifen könnte.

Tschechien hat im Juli dieses Jahres einen Stromausfall erlebt, bei dem in rund einer Million Haushalten und in Teilen des öffentlichen Verkehrs plötzlich nichts mehr ging. Die Ursache war zwar kein Blackout, sondern vermutlich eine beschädigte Hochspannungsleitung. Trotzdem müsse daraus gelernt werden, sagt Lukáš Kaňok, Sektionsleiter und Energiespezialist beim Vergleichsportal Kalkulátor.cz:

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„Für die Einschätzung, was den Ausfall im Juli verursacht hat, würde ich noch die weiteren Informationen abwarten. Aber allgemein ist einer der wichtigsten Punkte die Einrichtung von grenzüberschreitenden Netzanschlüssen – neben der Verstärkung von Produktionskapazitäten im Inland und vor allem einer effektiven Speicherung überschüssiger Energie.“

Bei einem Energieausfall in Teilen des Leitungsnetzes würden die anderen Teile plötzlich überlastet, erläutert Kaňok weiter. Und dies wirke sich auch auf die Stromquelle, also auf die Kraftwerke aus – wenn nicht der Blackout sowieso dort seinen Ausgang hat. Darum sei es nötig, die Produktionsstätten und das Leitungsnetz durch Reserveeinrichtungen zu entlasten, so Kaňok.

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Dies könne zu einem Großteil durch Leitungen aus den Nachbarländern passieren, konstatiert die Ember-Studie. In Tschechien wurde das Dokument vom Institut Puls herausgegeben. Ein landesweiter Stromausfall wie der im Juli müsse nicht der letzte gewesen sein, warnt Puls im Begleittext, denn er habe Schwachstellen aufgezeigt. Das bestätigt Kaňok im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Eine bessere internationale Anbindung kann für uns eine Absicherung sein. Beim Ausfall einer unserer Energiequellen könnten wir auf sehr einfache Weise Strom aus Deutschland, Polen oder Österreich beziehen. Mit diesen Ländern sind wir zwar schon heute verbunden. Aber es gibt nur relativ wenige solcher Leitungen, und die Hälfte von ihnen ist außerdem veraltet. Da sind Auswechslungen, Aktualisierungen und Modernisierungen nötig.“

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Für neue Anschlüsse spielen der Ember-Studie zufolge sogenannte Interkonnektoren oder Grenzkuppelstellen eine zentrale Rolle. Durch sie könnten landesweite Blackouts verhindert werden. Angeführt wird ein Beispiel vom Mai 2021, als das größte Stromkraftwerk Polens ausfiel. Die Ember-Diagramme belegen, dass auch dank der sofort einsetzenden Hilfslieferungen aus den umliegenden Ländern, darunter Tschechien und Deutschland, das normale Lieferniveau wiederhergestellt werden konnte.

Mit Blick auf den Netzausbau in Tschechien durch den staatlichen Betreiber ČEPS mahnt Kaňok:

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„Bis 2030 sind Investitionen im Wert von 80 Milliarden Kronen (3,3 Milliarden Euro, Anm. d. Red.) angekündigt. Wichtig ist nun zu bestimmen, wo die Gelder eingesetzt werden. Das ist etwa der Ausbau von Batteriespeichern, damit wir flexibler werden und auf eventuelle Notlagen reagieren können.“

Im Übrigen weist das Institut Puls auch darauf hin, dass durch Importe aus dem Ausland die Strompreise in Tschechien sinken könnten. Die eigene Energieproduktion, konzentriert auf Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, sei teuer und schmutzig, heißt es. Als Ausgleich könne vor allem Österreich mit seinem hohen Anteil an Sonnen- und Windenergie als Reservelieferant für ganz Zentraleuropa fungieren. Laut der Analyse von Puls würden durch eine effektivere und grenzüberschreitende Nutzung erneuerbarer Energiequellen die Strompreise in der Region um bis zu 29 Prozent zurückgehen.

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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