Messepalast in Prag feiert 30-jähriges Jubiläum seiner Wiedereröffnung
Vor 30 Jahren, am 13. Dezember 1995, wurde der Messepalast im Prager Stadtteil Holešovice nach mühsamer Sanierung wiedereröffnet. Die Nationalgalerie erhielt damit einen repräsentativen Standort für ihre Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, die sich über eine Fläche von 13.500 Quadratmetern erstreckt. Die Eröffnung galt als symbolischer Schritt – Prag kehrte nach Jahrzehnten kultureller Isolation zur europäischen Moderne zurück.
Der Wiederaufbau dauerte fast zehn Jahre, und die Kosten beliefen sich auf eine Milliarde Kronen (41 Millionen Euro). An dem Projekt wirkten die renommierten Architekten Otakar Binar, John Eisler, Karel Hubáček, Miroslav Masák und Emil Přikryl mit. Ihr Ziel war es, die funktionalistische Architektur des Palastes zu bewahren und ihn an die Bedürfnisse einer modernen Galerie anzupassen.
Seit seiner Wiedereröffnung fanden in dem Palast zahlreiche Ausstellungen statt. Neben Retrospektiven von Stanislav Kolíbal, Adriena Šimotová und Jiří Kolář wurden dort auch Werke von Andy Warhol, Josef Koudelka und Annie Leibovitz gezeigt. Präsentiert wurden auch die Sammlungen von Daniel-Henry Kahnweiler und Vincenc Kramář, die die Verbindung der tschechischen Kunst zum europäischen Kontext verdeutlichten.
Der Messepalast ist heute das meistbesuchte Gebäude der Nationalgalerie. Die Dauerausstellung mit der Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts zeigt über 2000 Werke – von Malerei und Skulptur über Architektur, Design und Bühnenbild bis hin zur Fotografie. Der Palast dient auch als Veranstaltungsort, etwa für Konferenzen und Modenschauen.
Die Bedeutung des Baus reicht weit über die Grenzen Tschechiens hinaus. Konzipiert wurde es für Messen und Ausstellungen. Das Gebäude wurde von den Architekten Josef Fuchs und Oldřich Tyl entworfen und in den Jahren 1925–1928 im reinen Funktionalstil erbaut. Bereits nach seiner Fertigstellung 1928 wurde der Messepalast von Le Corbusier bewundert und zählt heute zu den größten funktionalistischen Bauwerken Europas. Das Gebäude wurde zwar nie zu einem tschechischen Pendant der Tate Modern in London oder des Centre Pompidou in Paris. Dennoch hat der Messepalast heute seinen festen Platz unter den Kulturinstitutionen Europas.
Die Geschichte des Messepalastes
- 1928 – Feierliche Eröffnung, erste große Ausstellung des „Slawischen Epos“ von Alfons Mucha
- 1939–1945 – Sitz von deutschen Reichsbehörden, Sammelstelle für Juden vor dem Transport in die Konzentrationslager
- 1948–1970er Jahre – Austragungsort sozialistischer Ausstellungen, Sitz von Außenhandelsgesellschaften
- 1974 – Zerstörung durch einen Brand
- 1980er Jahre – Vorbereitungen der Sanierung für die Zwecke der Nationalgalerie, unter Beteiligung des Architekturstudios SIAL in Liberec und dank der Unterstützung des Direktors der Nationalgalerie, Jiří Kotalík
- 1995 – Wiedereröffnung als Galerie für moderne Kunst











