Tschechischer Animationsfilm „Hurikán“ schafft es auf Oscar-Shortlist

„Hurikán“

Die US-amerikanische Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) hat in der vergangenen Woche die Shortlists für die 98. Oscar-Verleihung bekanntgegeben. Die tschechische Einreichung „Hurikán“ ist in der Auswahl für die Kategorie Bester animierter Kurzfilm.

Foto: MAUR film

Die Chance auf einen Oscar steigt. Der animierte Kurzfilm „Hurikán“ des tschechischen Regisseurs Jan Saska hat es auf die Shortlist mit 15 Kandidaten geschafft. Der Film wird als raue Romanze aus dem Prager Stadtteil Žižkov beschrieben. Der Titel leitet sich von dem Spitznamen der Hauptfigur ab, der wiederum auf einen tschechischen Pop-Song aus den 1990er Jahren zurückgeht:

„Hurikán hat seine besten Jahre Anfang der Neunziger erlebt und ist dann ein bisschen in dieser Phase stecken geblieben. Er lebt in einer Welt, die der unseren ähnelt. Und Lieder wie dieses laufen dort im Radio. Im Text des Liedes geht es um einen jungen Mann, der auf vollen Touren fährt und dafür auch einen Preis bezahlt. Es gibt darin ein Motiv des Strebens nach etwas und gleichzeitig des Verlierens. Das passte zu meiner Hauptfigur, denn das ist oft der Kern ihrer Abenteuer.“

Jan Saska | Foto: Adam Kebrt,  Tschechischer Rundfunk

Hurikán, ein Mann mit einem Schweinskopf, verguckt sich in Bára von einem Bierstand. Dann ist das Bier aus, und Hurikán macht sich auf den Weg, ein neues Fass zu holen. Eine einfache Mission, hätte sie sich nicht in Žižkov abgespielt, das – genau wie Hurikán – ständig verkatert ist. Soweit die Synopsis des 13 Minuten langen Streifens. Regisseur Saska sagt über den Ort des Geschehens:

„Die Wahl von Žižkov beruht auf einer ähnlichen Überlegung: Der Stadtteil ist, wie die Hauptfigur selbst, ein Echo vergangener Zeiten. Žižkov hat sich noch immer einen Teil seines eigenen Charakters bewahrt, der in anderen Teilen Prags langsam verschwindet.“

Žižkov | Foto: Štěpánka Budková,  Radio Prague International

Der Film wurde mit der 2D-Cartoon-Animationsmethode erstellt. Er vereint Einflüsse des Film Noir und des US-amerikanischen Action-Stils mit einer starken Inspiration durch die japanische Animationsschule. Der Streifen ist schwarz-weiß...

„Wir gehen von der Comicästhetik aus. Hurikán ist ursprünglich eine Comicfigur. Und die Ästhetik des Film Noir war ein guter Ausgangspunkt für den Kurzfilm. Denn die Geschichte spielt vom späten Nachmittag bis in die Nacht. Daher passten für uns die halbdunklen Straßen und das Schattenspiel sehr gut zusammen.“

„Hurikán“ | Foto: MAUR film

„Hurikán“ feierte im vergangenen Jahr beim Festival im französischen Annecy Weltpremiere und gewann dort den Publikumspreis. Dazu Saska:

„Das ist das größte Animationsfilmfestival der Welt. Der Publikumspreis dort war ein großartiger Start für uns, der unsere Erwartungen übertraf. Die meisten Auszeichnungen, die ‚Hurikán‘ bisher auf Festivals gewonnen hat, waren Publikumspreise. Wir freuen uns sehr darüber, denn sie bestätigen uns, dass der Film international verstanden wird.“

Eben mit dieser Frage habe man sich bei der Produktion beschäftigt:

„Hurikán“ | Foto: MAUR film

„Einerseits wollten wir die Geschichte in einem lokalen Umfeld verankern. Wir spielen mit typischen Motiven, wie etwa der Suche nach Bier und dem Wegtragen eines leeren Fasses. Dabei haben wir uns gefragt, wie verständlich diese Dinge über Ländergrenzen hinweg sein würden. Denn wir alle wissen zwar, wie es hierzulande funktioniert. Aber funktioniert es auch für einen Zuschauer, der nicht aus der Gegend kommt?“

Die Aufnahme in die Shortlist für die Oscar-Preise sei durchaus eine Überraschung gewesen, sagt Regisseur Jan Saska:

„Wir haben beim Los Angeles Festival gesiegt, das als Qualifikationswettbewerb für die Oscars gilt. Dadurch qualifizierten wir uns für die breite Auswahl. Wir hofften natürlich, dass wir weiterkommen. Deshalb freuen wir uns sehr darüber.“

Gedreht wurde „Hurikán“ in Koproduktion von Tschechien, Frankreich, der Slowakei sowie Bosnien und Herzegowina. Ebenfalls im Oscar-Rennen, jedoch in anderen Kategorien, sind die tschechischen Koproduktionen „I Died in Irpin“ und „Mr. Nobody Against Putin“. Am 22. Januar wird die Academy bekannt geben, welche fünf Kurzfilme der 15 Shortlist-Bewerber in der Endauswahl des Wettbewerbs stehen. Die Oscar-Verleihung findet dann am 15. März statt.