Milderes Wetter wegen Klimawandel: Immer mehr Vögel überwintern in Tschechien

Gartenrotschwanz

Der Klimawandel und die dadurch bedingten milderen Winter wirken sich auch auf das Verhalten von Vögeln aus.

Es gibt Vögel, die früher in wärmere Gegenden zogen, in den letzten Jahren jedoch in Tschechien überwintern. Dies haben die Ornithologen beispielsweise in Brno / Brünn beobachtet. Filip Petřík ist Lehrer und Hobby-Ornithologe. Er beteiligt sich an der Vogelberingung. Im Brünner Industriegebiet Černovická terasa versucht er, einen etwa 14 Zentimeter großen Hausrotschwanz, der gerade auf einem Baum sitzt, näher zu sich zu locken. Petřík will den kleinen orangefarbenen Ring am Fuß des Vogels sehen.

Hausrotschwanz | Foto: joudrierd,  Pixabay,  Pixabay License

Petřík spielt dem Vogel eine Aufzeichnung des Gesangs eines anderen Hausrotschwanzes vor. Der beobachtete Vogel reagiert und fliegt näher heran.

„Das auffallendste Merkmal ist wohl sein orangefarbener Schwanz. Die Männchen sind schwarz-grau. Darum werden sie auch ,kominíček‘ (Deutsch ,kleiner Schornsteinfeger‘) genannt. Weibchen und junge Vögel sind ebenfalls gräulich gefärbt und besitzen denselben orangefarbenen Schwanz. Dieser Vogel wurde im Dezember vergangenen Jahres ungefähr 150 Meter von diesem Ort beringt.“

Hausrotschwanz | Foto: wolfgangvogt_lb,  Pixabay,  Pixabay License

Dies sei ein Beweis dafür, dass der Hausrotschwanz der Stadt treu bleibe, merkt Petr Procházka an. Der Experte arbeitet im Institut für die Biologie der Wirbeltiere an der Akademie der Wissenschaften.

„Dieser Vogel bleibt vor Ort, während andere Vögel nach Griechenland oder Italien fliegen und dort den Winter verbringen. Aber dieser da ist ein waschechter Brünner mit allem Drum und Dran.“

Laut Filip Petřík hatte der beobachtete Hausrotschwanz offensichtlich das Gefühl, dass sich ein Nebenbuhler auf seinem Territorium befinde und versuchte dies zu überprüfen. Der Hobby-Ornithologe erläutert, warum er gerade im Dezember die Vögel beobachte.

„In den vergangenen Jahren hat sich der Klimawandel deutlich gezeigt. Die Winter waren immer milder. Und es liegt nicht mehr so lange Schnee. Auch die Frosttage sind im Winter nicht mehr so zahlreich wie früher. Die Hausrotschwänze versuchen mittlerweile, den Winter hier zu überleben, bis zum Frühjahr auszuhalten und ihr Territorium vor der Rückkehr der Nebenbuhler zu sichern. Für einen Teil der Vögel ist es vorteilhafter, nicht mehrere Tausend Kilometer nach Süden zu fliegen, sondern hier in Brünn zu bleiben. Ihre Zahl steigt. In den letzten 40 Jahren ist sie bis zu einhundertmal größer geworden. In einigen Veröffentlichungen aus den 1980er Jahren wurden fünf überwinternde Hausrotschwänze erwähnt. Inzwischen sind es etwa 500 Vögel.“

Filip Petřík und Petr Procházka bei der Vogelbeobachtung in Brünn | Foto: Marek Hensl,  Tschechischer Rundfunk

Wie in jedem Industriegebiet fahren viele Autos durch die Brünner Černovická terasa, und überall ist Lärm. Warum suchte sich der Vogel ausgerechnet diesen Ort aus? Petr Procházka:

„Vögel, die in der Stadt leben, sind an solchen Betrieb und Lärm gewöhnt. Die Stadt bietet ihnen im Winter bessere mikroklimatische Bedingungen. Sie stellt eine Wärminsel dar – im Winter ist es dort bedeutend wärmer als in der Umgebung. Der Hausrotschwanz findet hier auch Insekten, die er auf dem Land vielleicht vergeblich suchen würde.“

Petr Procházka fordert dazu auf, den Forschern bei der Beobachtung der Hausrotschwänze zu helfen. Dies wird von der Tschechischen Ornithologischen Gesellschaft organisiert. Zu diesem Zweck hat sie unter www.birdlife.cz/rehci-v-zime auch eine eigene Website eingerichtet. Außer Hausrotschwänzen bleiben noch weitere Zugvögel immer öfter im Winter in Tschechien.

Autoren: Martina Schneibergová , Marek Hensl | Quelle: Český rozhlas
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