Besucherziel in Nordböhmen: Restaurierter Barockstall in Schloss Zákupy ist „Bau des Jahres 2025“

Barockstall mit dem Titel Bau des Jahres 2025

Schloss Zákupy hat im vergangenen Jahr einen Besucherrekord verzeichnet. Der Grund ist die Restaurierung des Pferdestalls aus dem Barock. Sie erhielt zwei Auszeichnungen.

Schlosstor mit der Sonnenuhr | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

Die abgelegene nordböhmische Kleinstadt Zákupy, auf Deutsch Reichstadt, beherbergt ein Schloss aus der Zeit des Barock. Später wurde es mehrfach umgebaut. Schloss Zákupy diente den Habsburgern als Sommerresidenz. Sein barocker Pferdestall wurde drei Jahre lang komplett renoviert. Im April 2025 wurde er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Projekt gewann beim tschechischen Wettbewerb „Bau des Jahres“ sowohl den Publikumspreis als auch den Sonderpreis der Jury. Der größte Barockstall Tschechiens ist dadurch zu einem neuen Besucherziel geworden. Noch vor ein paar Jahren jedoch drohte der Verfall des ganzen Gebäudes. Das sagt der Kastellan des Schlosses Zákupy, Vladimír Tregl, im Interview für Radio Prag International:

Vladimír Tregl,  Kastellan des Schlosses Zákupy,  im Kostüm des Erzherzogs Ferdinand d'Este | Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

„Es war eine große Herausforderung, die Renovierung mit dem Erhalt möglichst vieler denkmalgeschützter Elemente zu verbinden. Doch es ist gelungen, das Gebäude steht weiterhin, und es sind viele Originalbauteile erhalten geblieben. Heute zeigt sich der Pferdestall wieder so, wie er zur Zeit seiner Entstehung ausgesehen hat. Die größte Herausforderung während der Arbeiten war vor allem die Statik. Die Gewölbe drohten einzustürzen, und die tragenden Säulen sanken aufgrund des schlechten Untergrunds in den Boden ab. Die Frage war daher zunächst: Wo fängt man mit der Rettung überhaupt an?“

Barocksäulen im Pferdestall | Foto: Schloss Zákupy / Nationales Denkmalinstitut,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

Obwohl die Wirtschaftsgebäude und die Stallungen halb zerstört waren, konnten sie gerettet werden. Gerade diese eindrucksvolle Leistung wurde von der Jury mit dem Sonderpreis gewürdigt. Der Publikumspreis, der in einer landesweiten Umfrage ermittelt wurde, war für den Kastellan eine zusätzliche Überraschung...

„Für uns ist der Publikumspreis fast noch wertvoller als die Anerkennung der Fachjury. Ohne Besucher wäre das Schloss nur ein totes Denkmal. Wir möchten, dass es ein lebendiger Ort ist, an den Menschen gerne zurückkehren. Die Auszeichnung hat Schloss Zákupy wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht – und das ist für uns ein großes Plus“, so Vladimír Tregl.

Italienische Baumeister

Der Pferdestall ist mittlerweile sehr beliebt bei den Besuchern. Wer ist für seinen Bau verantwortlich? Den Schlosskomplex mit den Stallungen hat Herzogin Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg errichten lassen. Der barocke Marstall sei zu Ende des 17. Jahrhunderts realisiert worden, erzählt der Kastellan:

Porträt von Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg | Foto: Schloss Zákupy

„Anna Maria Franziska gehörte zu den bedeutendsten Adligen ihrer Zeit – hochrangig, wohlhabend und zudem die Ehefrau des letzten männlichen Mitglieds der berühmten italienischen Dynastie Medici, Gian Gastone. Dadurch trug sie den Titel Großherzogin der Toskana. In der Gesellschaftshierarchie des böhmischen Königreichs zur Zeit des Barock war sie nach den Angehörigen der kaiserlichen Familie die ranghöchste Frau.“

Und wen beauftragte diese edle Dame mit dem Bau ihrer Ställe und anliegenden Gebäude?

„Am Bau des ganzen Wirtschaftshofes waren mehrere Architekten beteiligt. Unter anderem Domenico Orsi und Giulio Broggio – zwei bedeutende Baumeister der Barockzeit“, sagt Tregl.

Kleines Esszimmer für Gäste | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

Giovanni Domenico Orsi ist vor allem als Architekt des Theologischen Saals der Strahov-Bibliothek in Prag bekannt. Außerdem hat er das Palais Kolowrat in der Prager Altstadt entworfen. Giulio Broggio projektierte Bauwerke überwiegend in Nordböhmen – insbesondere in Litoměřice / Leitmeritz, wo er lebte.

Im ersten Stock des Wirtschaftshofs wurde außerdem eine neue Ausstellung eröffnet. Zwar sind dort keine persönlichen Gegenstände von Anna Maria Franziska aus der Zeit des Barock zu sehen. Doch erwartet die Besucher eine ungewöhnliche Präsentation, die sie in weitere Adelssitze in Tschechien entführt – nämlich solche, die ansonsten nicht zugänglich sind:

„Das ursprüngliche Inventar des Schlosses Zákupy aus der Barockzeit ist leider nicht erhalten. Daher präsentieren wir hier historische Möbel, Gemälde, Porzellan und weitere kunsthistorische Objekte aus Adelsresidenzen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht für den Besucherverkehr geöffnet wurden. Manche dieser Schlösser dienten später als Kinderheime, Altersheime, Schulen oder Krankenhäuser – oder existieren heute gar nicht mehr. Ein Teil ihrer Ausstattung konnte jedoch gerettet und in Depots überführt werden. So kamen nach 1945 auch zahlreiche Stücke nach Zákupy, und genau diese zeigen wir jetzt der Öffentlichkeit.“

Salon von Kaiser Franz Joseph I. | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

Wie die Habsburger zu Zákupy kamen

Die Geschichte des Schlosses Zákupy endet natürlich nicht im 17. Jahrhundert. Nach dem Tod von Anna Maria Franziska wechselte das Schloss mehrfach seine Besitzer. Schließlich gelangte es durch einen Tausch an die toskanische Linie der Habsburger. Nach Napoleons Sturz im Jahr 1814 schenkte Kaiser Franz I. das Schloss dann seinem Enkel Orlík, auf Deutsch „kleiner Adler“. Orlík war der einzige legitime Sohn von Napoleon Bonaparte und Marie Luise. Doch der junge Mann starb bereits im Alter von 21 Jahren an Tuberkulose. Danach war das Schloss mit mehreren Namen aus dem Haus Habsburg verbunden – unter anderem mit Kaiser Franz Joseph I. Nach ihm ist auch eine der heutigen Besichtigungstouren benannt. Und der Kastellan führt weiter aus:

Schlossturm | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

„Als Franz Josephs Onkel Ferdinand V., genannt „der Gütige“, im Jahr 1848 abdankte, zog er sich nach Böhmen zurück. Die Winter verbrachte er auf der Prager Burg, doch er benötigte eine Sommerresidenz – und zu dieser wurde das Schloss Zákupy. Aber auch nach dem Tod Ferdinands besuchten die Habsburger das Schloss, darunter Kaiser Franz Joseph selbst, sein Sohn Kronprinz Rudolf sowie sein Neffe, Thronfolger Franz Ferdinand d’Este. Mit der Gründung der Tschechoslowakei ging der Besitz der ehemaligen Kaiserfamilie in Staatsbesitz über. Zákupy ist daher seit 1918 ein staatliches Schloss. Führungen durch die kaiserlichen Interieurs gab es bereits in der Ersten Tschechoslowakischen Republik. Andere Räume wurden jedoch von der Forstverwaltung genutzt, und das bis Anfang der 1950er Jahre.“

Kaiserlicher Speisesaal | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

Seit 1952 ist das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute können Besucher die Innenräume im Rahmen zweier Rundgänge besichtigen. Gezeigt werden die Räume für die kaiserliche Familie und die Gäste im zweiten Stock. Sie thematisieren vor allem die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Besonderheit ist etwa die ungewöhnliche Toilette von Kaiser Ferdinand dem „Gütigen“ – damals bereits mit Spülung. Zu sehen seien noch weitere Exponate, wie Vladimír Tregl aufzählt:

Ältester Aufzug in Tschechien | Foto: Tadeáš Redlich,  Radio Prague International

„Ein besonderes Highlight ist der älteste erhaltene Aufzug auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Er stammt aus dem Jahr 1870. Ebenso beeindruckend ist die Schlosskapelle, in der die Hochzeit von Thronfolger Franz Ferdinand d’Este und Sophie Chotek stattfand. Vieles im Schloss ist original erhalten: Wandtapeten aus dem Jahr 1850, Vorhänge, Möbelstoffe – ein Besuch gleicht einer Zeitreise ins 19. Jahrhundert.“

Das Ehepaar Franz Ferdinand d'Este und Sophie Chotek ist allen aus den Geschichtsbüchern bekannt. Sie waren die Opfer des Angriffs von Sarajevo, der 1914 den Ersten Weltkrieg auslöste. Ihre Hochzeit feierten sie nicht in Wien, sondern hier in Zákupy. Es handelte sich nämlich um eine „morganatische“, also keine standesgemäße Ehe, da Sophie Chotek nur eine Gräfin war. Aus diesem Grund war Kaiser Franz Joseph zunächst gegen diese Ehe. Und fast niemand aus der Habsburgischen Familie kam zu der Hochzeit.

Barocksäulen im Pferdestall | Foto: Schloss Zákupy / Nationales Denkmalinstitut,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

Eine spannende Geschichte, Originalräume und nicht zuletzt die außergewöhnliche Renovierung des barocken Pferdestalls haben im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von Besuchern nach Zákupy gelockt. Beinahe doppelt so viele Besucher wie noch 2024 kamen, es waren knapp 48.700. Damit wurde Zákupy zum „Aufsteiger des Jahres“ unter den staatlichen Baudenkmälern.

Die kaiserlichen Pferdeställe auf dem Bauernhof in Zákupy | Foto:  Nationales Denkmalinstitut,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

Und deutschsprachige Besucher? Kastellan Vladimír Tregl hat folgende Botschaft:

„Einzelbesucher aus Deutschland schließen sich in der Regel tschechischen Führungen an und lesen begleitende deutsche Texte. Für Gruppen ab zehn Personen bieten wir jedoch auch Führungen mit deutschem Kommentar an – nach vorheriger Absprache.“

Schloss Zákupy liegt nur 25 Kilometer von der Grenze zu Sachsen entfernt und gilt als eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten im Kreis Liberec.

Schloss Zákupy | Foto: Národní památkový ústav,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

Das Schloss Zákupy ist ganzjährig geöffnet. Man kann es also sowohl im Sommer als auch im Winter besuchen, wobei im Winter eine längere Führung angeboten wird. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 9 bis 16 Uhr. Der Pferdestall öffnet aber erst zur Sommersaison ab April.

Autor: Tadeáš Redlich
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