Junge Künstler und weniger bekannte Konzertorte: Cellist Tomáš Jamník über das Festival Lípa Musica

Tomáš Jamník

Am 5. September wurde mit einem Konzert in Česká Lípa das Musikfestival Lípa Musica eröffnet. Über das Festival hat Martina Schneibergová mit dem renommierten tschechischen Cellisten Tomáš Jamník gesprochen.

Herr Jamník, Sie haben sich an der Zusammenstellung des Programms des diesjährigen Festivals Lípa Musica beteiligt. Inwieweit hatten Sie sozusagen freie Hand?

Tomáš Jamník | Foto: Martin Špelda,  Festival Lípa Musica

„Freie Hand hatte ich bei meinen Programmen. Ich bin der sogenannte Garant des Festivals, nicht der künstlerische Leiter. In meinen Konzerten will ich zeigen, dass ich nicht nur solo spiele, sondern auch Kammermusik, und ein Konzert führe ich zudem mit elektronischer Musik auf. In den letzten Jahren beschäftige ich mich auch mit Bildungsprogrammen. Wir sind mit meiner Ševčík-Akademie in Česká Lípa, und gemeinsam mit mir treten Josef Špaček, Jan Fišer und Jiří Kabát auf. Wir arbeiten mit talentierten Studierenden aus der ganzen Region zusammen.“

Es ist ein Festival der klassischen Musik. Aber es gibt auch Konzerte, die die Grenzen der Klassik sprengen…

Nikol Bóková | Foto: Jan Bók Vala,  Festival Lípa Musica

„Das finde ich unglaublich toll. Die Region ist natürlich klein, es ist nicht Prag. Aber trotzdem kommt das Publikum immer hierher. Die Konzerte sind oft ausverkauft. Das Eröffnungskonzert war beispielsweise hochinteressant, es gab drei Werke von der jungen Komponistin Nikol Bóková. Welches Festival kann so etwas anbieten? Das ist unglaublich. Junge Künstler stehen im Fokus des Festivals, Bella Adamova trat etwa als Sängerin auf. Das war ein tolles Eröffnungskonzert. Also das Festival ist nicht nur klassisch, sondern sucht auch nach neuen Wegen zur Musik.“

Bella Adamova | Foto: Martin Špelda,  Festival Lípa Musica

Das Festival findet an vielen Orten statt. Darunter sind auch sehr kleine Lokalitäten, die wenig bekannt sind, oder fast vergessene Kirchen. Wie werden diese Orte ausgesucht?

Martin Prokeš | Foto: Martin Špelda,  Festival Lípa Musica

„Sie werden von Martin Prokeš, dem Direktor des Festivals, ausgesucht. Er kennt alle diese Orte, denn er wohnt in der Region. Es ist wirklich ein Öko- und Bio-Festival. Aus dem Eintrittsgeld wird oft die Instandsetzung eines  Baudenkmals finanziert. Das Festival unterstützt nicht nur Künstler, sondern auch die Konzertorte. Das finde ich unglaublich toll.“

Kennen Sie die Orte, wo Sie auftreten werden?

Die kaiserlichen Pferdeställe auf dem Bauernhof in Zákupy | Foto:  Nationales Denkmalinstitut,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

„Ich war schon mehrmals als Künstler bei diesem Festival. Das erste Mal habe ich damals Bach-Suiten in Zahrádky gespielt. Ich glaube, zwei von meinen Auftrittsorten in diesem Jahr kenne ich schon. Mit Floex spielen wir zudem auf Schloss Zákupy im neu eröffneten restaurierten ehemaligen Pferdestall aus der Barockzeit.“

Zwei Festivalkonzerte finden in Sachsen statt. Jedes Jahr geht es bei Lípa Musica auch um den tschechisch-deutschen Dialog. Sind Sie in Sachsen ebenfalls mit dabei?

„In diesem Jahr nicht, aber ich habe dort beim Festival schon dreimal gespielt. Zu jedem der Konzerte kommen auch deutsche Gäste nach Tschechien. Das tschechische Publikum reist wiederum zu den Konzerten nach Deutschland. Der tschechisch-deutsche Dialog lebt wirklich.“

Zum Abschlusskonzert kommen auch deutsche Künstler nach Tschechien…

„Im Theater in Liberec spielt das Kammerorchester der Dresdner Philharmonie, aber auf dem Programm steht erneut nicht nur klassische Musik. Alle Konzerte haben eine sehr schöne Stimmung. Es lohnt sich wirklich, das Festival zu besuchen.“

Kammerorchester der Dresdner Philharmonie | Foto: Bjoern Kadenbach,  Festival Lípa Musica

Sie sind mit der Ševčík-Akademie diese Woche beim Festival Dvořákova Praha aufgetreten. Im Sommer spielten Sie zudem beim Krummauer Festival. Ihr Kalender ist sehr voll. Was haben Sie außer den Konzerten bei Lípa Musica in den nächsten Wochen vor?

Akademie für Kammermusik | Foto: Petra Hajská,  Festival Lípa Musica

„Vieles. Dieses Jahr haben wir ein großes Jubiläum mit meiner Kameraakademie Mittelböhmen. Wir haben eine enge Kooperation mit der Stiftung Villa Musica in Rheinland-Pfalz, und da feiern wir zehn Jahre Zusammenarbeit. Es wird ein großes Konzert im Prager Rudolfinum geben, dorthin kommen viele deutsche und alle tschechische Stipendiaten. Das bereite ich schon jetzt vor. Außerdem habe ich Solokonzerte. Ich spiele im Oktober mit dem Rundfunk-Symphonieorchester Prag, und zwar ein Konzert von Jindřich Feld. Zudem gebe ich Konzerte mit Dvořáks Werken. Ich habe viel zu tun, aber das finde ich schön.“

Wir sitzen gerade in dem kleinsten Konzertsaal in Prag oder vielleicht sogar in Tschechien, den Sie vor einigen Jahren in der Hrzán-Passage in der Altstadt eröffnet haben. Wie sieht es hier mit Konzerten aus?

„Der Saal ist klein und gemütlich. Wir benutzen ihn für Konzerte für etwa zehn Hörer. Zudem haben wir hier Proben und geben Unterricht. Auf dem Facebook-Profil unserer Initiative ‚Vážný zájem‘ (zu Deutsch: Ernsthaftes Interesse, Anm. d. Red.) informieren wir darüber, wann es ein Frühstückskonzert gibt. Wir versuchen hier, die klassische Musik in einem weniger traditionellen Raum zu präsentieren.“

Das Musikfestival Lípa Musica findet bis 1. November an verschiedenen Orten in Nordböhmen und in Sachsen statt. Für einige Konzerte gibt es noch Restkarten. Mehr über das Festivalprogramm erfahren Sie unter www.lipamusica.cz.

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