Wo Franz Ferdinand und Sophie Hochzeit feierten: Schloss Zákupy

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)

Im Sommer sind 100 Jahre seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vergangen. Der unmittelbare Auslöser des Großen Kriegs war das Attentat von Sarajevo, bei dem der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ermordet wurden. In der Sendereihe „Reiseland Tschechien“ haben wir in den vergangenen Monaten einige der Orte besucht, die hierzulande mit dem Thronfolgerpaar verbunden sind. In der heutigen Ausgabe des „Reiselands Tschechien“ stellen wir Ihnen das Schloss vor, wo Franz Ferdinand und Sophie ihre Hochzeit feierten.

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)
Etwa acht Kilometer östlich von Česká Lípa / Böhmisch Leipa liegt Zákupy / Reichstadt. Eine Dominante des Städtchens stellt das Schloss dar. Vom Marktplatz ist es knapp 500 Meter entfernt. Die Führung durch die Residenz beginnt in der Kapelle, wo vor 114 Jahren die Hochzeit des Thronfolgerpaars stattfand. Die Schlosskapelle wurde im Barockstil erbaut, erzählt der Kastellan von Zákupy, Petr Weiss:

„Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie jedoch für Kaiser Ferdinand I. neu gestaltet. Nachdem er 1848 zurückgetreten war, weilte er mit seiner Frau im Sommer oft in Zákupy. Die Kapelle ist dem heiligen Franziskus von Assisi geweiht. Berühmt geworden ist sie durch das einzigartige Ereignis vom 1. Juli 1900. Damals fand hier die Hochzeit des Thronfolgers Franz Ferdinand mit Sophie Gräfin Chotek statt.“

Maria Theresia von Braganza
Zákupy diente bis 1918 als Sommerresidenz für Mitglieder der Habsburger Familie. Seit etwa 1899 war das Schloss Sommersitz von Franz Ferdinands Stiefmutter, der Erzherzogin Maria Theresia von Braganza. Dies sei der Grund dafür gewesen, warum der Thronfolger in Zákupy geheiratet hat, erzählt Petr Weiss.

„Wie wir wissen, hat fast niemand aus der Habsburger Familie die geplante Ehe mit Sophie Chotek unterstützte. Bis auf eine einzige Ausnahme, und das war Franz Ferdinands Stiefmutter. Sie hatte eine sehr gute Beziehung zu ihrem Stiefsohn. Er hat ihr auch sehr schöne Briefe geschrieben, in denen er sie mit ´meine liebste Mamma´ angesprochen hat. Es kann sein, dass Maria Theresia Kaiser Franz Josef I. beeinflusst hat, so dass er schließlich der Eheschließung von Franz Ferdinand mit Sophie zustimmte.“

Billardsaal (Foto: Martina Schneibergová)
Von Maria Theresias Bedeutung zeugt dem Experten zufolge auch die folgende Tatsache: Kaiserin Sissi war oft auf Reisen, und in ihrer Abwesenheit am kaiserlichen Hof übernahm Maria Theresia als die höchst gestellte Erzherzogin die Pflichten der „First Lady“. Sie habe wirklich einen großen Einfluss auf dem Hof in Wien gehabt, so der Kastellan.

Erzherzog Franz Ferdinand und seine künftige Frau Sophie trafen einen Tag vor der Hochzeit mit dem Zug in Zákupy ein. Damals gab es schon einen Bahnhof in der Stadt. Dort wurden sie mit einer Kutsche abgeholt:

„Da es ein besonderes Ereignis war, wurde das künftige Ehepaar von den hiesigen Bewohnern und den politischen Repräsentanten feierlich begrüßt. Im Schloss wurden sie von Maria Theresia von Braganza empfangen. In ihrem Appartement wurde dann Tee serviert. Im Billardsaal trafen sie zum Abendessen zusammen. Am 1. Juli um 10.30 Uhr wurden die Gäste in die Kapelle eingelassen. Die kaiserliche Familie war nur durch Maria Theresia und ihre zwei Töchter vertreten. Umso mehr Verwandte kamen von der Seite der Braut. Sophies Schwestern und einige Cousins, darunter Graf Chotek aus Velké Březno / Großpriesen nahmen an Hochzeit teil. Während der heiligen Messe erklang auch die österreichische Hymne. Das Festessen wurde dann im kaiserlichen Speisesaal serviert. Dieser Saal ist bis heute so wie Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltet. Genauso sah er auch aus, als hier die Hochzeit stattfand.“

Kapelle (Foto: Martina Schneibergová)
Von der Hochzeit gibt es viele Fotografien, auf denen sowohl die ganze Gesellschaft, als auch das Ehepaar abgebildet sind. Viele der Fotos hat Sophies Cousin, Graf Chotek, geschossen. In Velké Březno wird eine ganze Sammlung dieser Fotografien aufbewahrt.

Von der Kapelle geht es hinauf in die Etage, wo sich die Appartements befinden. Nach dem Tod von Kaiser Ferdinand dem Gütigen, habe, so der Kastellan, die Residenz seit 1875 Kaiser Franz Josef I. gehört:

„Er besuchte das Schloss schon, als sein Onkel noch gelebt hat. 1876 fand im Billardsaal ein Sondertreffen von Franz Josef und dem russischen Zar Alexander II. statt. Das Thema der Diskussion war die gespannte Lage auf dem Balkan. Das letzte Mal besuchte Kaiser Franz Josef Zákupy 1899. Damals fanden hier große Militärmanöver statt. Franz Ferdinand war hier auch, aber im Unterschied zum Kaiser übernachtete er nicht im Schloss, sondern in einem Bürgerhaus in Česká Lípa. Der überhaupt letzte Besuch eines Mitglieds der Habsburger Familie in Zákupy fand im Jahr 1904 statt. Damals besuchte Elisabeth Windisch-Graetz das Schloss. Sie war Tochter von Kronprinz Rudolf und Enkelin des Kaisers Franz Josef. Elisabeth suchte nach einem geeigneten Sommersitz. Aber Zákupy gefiel ihr nicht, weil ihr die Räume zu groß und zu hoch waren. Sie entschied sich für das Schloss Ploskovice / Ploschkowitz, das auch der kaiserlichen Familie gehörte und eine ähnliche Geschichte wie Zákupy hat.“

Lift (Foto: Martina Schneibergová)
In Zákupy gibt es eine einzigartige technische Kuriosität. Es ist der Fahrstuhl des Kaisers Ferdinand des Gütigen. Der Lift habe drei Stopps, erzählt Petr Weiss vor einer verglasten Tür.

„Hinter dieser Tür befand sich der Aufzugstopp. Neben dem Eintritt gibt es eine Zugstange, mit der man den Fahrstuhl herbeirufen konnte. Der Fahrstuhl war natürlich noch nicht elektrifiziert, alles funktionierte nur mechanisch. Die Zugstange war an ein System von Glöckchen gekoppelt. Wenn man die Zugstange bewegte, läutete die Glocke in einem Raum, in dem sich die Bedienung des Fahrstuhls befand. Die Diener erkannten, aus welcher Etage die Glocke läutete und wohin sie die Fahrstuhlkabine schieben mussten.“

Kaiser Ferdinand hatte im Alter Probleme mit dem Bewegungsapparat. Darum versuchte man, ihm den Weg zwischen den einzelnen Schlossetagen zu vereinfachen. 1870 wurde im ursprünglichen Liftschacht aus der Barockzeit, der aus dem Jahr 1718 stammte, ein Fahrstuhl errichtet, der so modern ausgestattet war, wie zu dieser Zeit möglich.

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)
„Die Technologie lieferten die Ringhoffer-Werke aus Prag – Smíchov. An jeder der drei Haltestellen gab es einen kleinen Raum mit einer Handwinde, mit der man den Fahrstuhl bewegen konnte. Erhalten geblieben ist auch die Luxuskabine, die im Stil des zweiten Rokoko gestaltet ist. Die Polsterung in der Kabine ist im ursprünglichen Zustand erhalten, bislang wurde nichts davon restauriert. Möglicherweise hat auch Franz Ferdinand mit seiner Braut den Fahrstuhl benutzt, aber das ist nicht belegt.“

Die Fahrstuhlkabine hat ihren ständigen Halt in der zweiten Etage unweit der kaiserlichen Appartements. Die Besucher können sie während der Führungen durch das Schloss besichtigen.

Schlossgarten (Foto: Martina Schneibergová)
„Ungefähr einmal im Jahr – während der Tage des europäischen Kulturerbes – bieten wir auch Besichtigungen des technischen Umfelds. Da können sich die Besucher alle Etagenstops des Fahrstuhls anschauen.“

Schloss Zákupy ist vom Mai bis September täglich außer montags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Im April und im Oktober ist es nur am Wochenende von 9 bis 15 Uhr zugänglich. Zudem wird das Schloss am 29. und 30. November und an den Adventswochenenden von 10 bis 14 Uhr geöffnet sein. Die Führung durch das Schloss werden wir in einer der nächsten Ausgaben des „Reiselands Tschechien“ fortsetzen.

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