Zákupy als Sommerresidenz der Habsburger

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)

Im Sommer sind 100 Jahre seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vergangen. Der unmittelbare Auslöser des Konflikts war das Attentat von Sarajevo, bei dem das Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ermordet wurden. In der Sendereihe „Reiseland Tschechien“ haben wir in den vergangenen Monaten bereits einige Orte besucht, die mit dem Thronfolgerpaar verbunden sind. Zuletzt führten wir Sie ins Schloss Zákupy / Reichstadt in Nordböhmen, wo Franz Ferdinand und Sophie ihre Hochzeit feierten. Die Führung durch Zákupy werden wir in der folgenden Ausgabe von „Reiseland Tschechien“ fortsetzen.

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)
Das Städtchen Zákupy liegt etwa acht Kilometer östlich von Česká Lípa / Böhmisch Leipa. Das dortige Schloss ist nicht zu übersehen, es steht auf einem Hügel umgeben von einem Park und einem Garten. Zákupy diente bis 1918 als Sommerresidenz der Mitglieder der Habsburger-Familie. Seit etwa der Jahrhundertwende gehörte das Schloss der Erzherzogin Maria Theresia von Braganza, der Stiefmutter von Franz Ferdinand. Dies war einer der Gründe, warum der Thronfolger seine Hochzeit mit Sophie Chotek eben in Zákupy feierte.

Heute ist das sogenannte „Piano nobile“ - also die bevorzugten Wohnräume der Schlossbesitzer im zweiten Stock – für die Öffentlichkeit zugänglich. Petr Weiss ist der Kastellan von Zákupy:



Foto: Martina Schneibergová
„Man lebte dort wirklich sehr bequem. Die Luxusappartements haben Fenster nach Süden, sodass es dort warm war. Die Fenster waren mit Textilrollos versehen, und diese lassen wir schrittweise reparieren, um das Interieur vor Sonnenlicht zu schützen. Denn das Innere des Schlosses ist fast im authentischen Zustand erhalten geblieben.“

Das Schloss gehört seit 1918 dem Staat. Seitdem wurden die Gemächer vor allem als Büroräume für verschiedene Institutionen, darunter die staatliche Forstverwaltung genutzt. Mehrere der Originalgegenstände aus dem Schloss wurden in der Vergangenheit verkauft oder sind einfach verschwunden, erzählt der Kastellan. Zum Glück sind trotzdem noch viele Kunstgegenstände und Originalmöbel erhalten geblieben. Seit 2007 bemüht sich die Schlossverwaltung, das Interieur wieder so zu gestalten, wie es in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat und zwar in der Zeit von Kaiser Ferdinand I., der von 1835 bis 1848 regierte.

Kronleuchter (Foto: Martina Schneibergová)
Die Führung durch die Wohnräume der früheren Schlossbesitzer beginnt im Appartement des kaiserlichen Hofmeisters. Weiter geht es in den berühmten Speisesaal des Kaisers. Petr Weiss:

„Die Gestaltung des Saals samt dem Kronleuchter stammt teilweise aus der Barockzeit. Von Mitte des 19. Jahrhunderts sind 24 Stühle mit Originalbespannung sowie die Vorhänge erhalten geblieben. Die ganze Möbelgarnitur wurde in den letzten Jahren restauriert.“

Das Appartement des Kaisers bestand aus mehreren Zimmern. Viel Zeit habe Kaiser Ferdinand der Gütige im Billardsaal verbracht, erzählt der Kastellan:

Tivoli (Foto: Martina Schneibergová)
„Außer dem Billardtisch befindet sich hier auch eine Kuriosität. In den Rokokotisch am Fenster ist ein Feld für das Spiel namens Tivoli eingebaut. Dies ist eine Art kleine Kegelbahn. Mit einem Kreisel versuchten die Spieler möglichst viele Figuren zu treffen. Für jede getroffene Figur bekam der Spieler einige Punkte. Wenn nicht mehr gespielt wurde, wurde das Spiel mit der Tischplatte zugedeckt. Kaiser Ferdinand interessierte sich sehr für den technischen Fortschritt. Da er zu seiner Zeit der reichste Habsburger war, konnte er sich auch einige der neuesten Erfindungen leisten.“

Toilettensessel des Kaisers (Foto: Martina Schneibergová)
Von diesen Erfindungen sind im Schloss beispielsweise ein schrankartiges Konzertorchestrion und eine sogenannte ´Camera obscura´ zu besichtigen. Viel Aufmerksamkeit weckt beiden Besuchern meistens auch das Toilettenzimmer des Kaisers. Der Raum wurde erst vor kurzem wieder möglichst authentisch gestaltet:

„Die größte Kuriosität stellt der Toilettensessel des Kaisers dar, der mit Leder bezogen ist. In den Sessel war ein Nachttopf aus Porzellan eingebaut. Außerdem war dort ein kleiner Wasserbehälter installiert, es handelte sich um eine einfache Spülvorrichtung, so etwas war damals eine hygienische Errungenschaft.“

Der wichtigste Raum des Appartements war der sogenannte Eckesalon, in dem der Kaiser Gäste empfing und wo er Klavier spielen konnte. Den Saal nutzte er aber auch als sein Arbeitszimmer.

Einer der Arbeitstische des Kaisers (Foto: Martina Schneibergová)
„Einer der Arbeitstische des Kaisers ist erhalten geblieben und wird hier gezeigt. Zu sehen sind im Salon zudem einige Gegenstände, die an die nächsten Verwandten von Ferdinand I. erinnern. Dazu gehören eine Alabaster-Büste seiner Frau Maria Anna und die Porträts von Ferdinands Eltern sowie seiner Stiefmutter Karoline Auguste von Bayern. Zu seiner Stiefmutter hatte Ferdinand eine sehr gute Beziehung. Sie besuchte ihn oft auf der Prager Burg, wo er nach seinem Rücktritt von 1848 lebte. In Zákupy ließ der Kaiser für seine Stiefmutter ein Appartement einrichten. Dieses wurde vor einigen Jahren in Stand gesetzt und kann bei der Führung besichtigt werden.“

Blumendekoration (Foto: Martina Schneibergová)
Wenn man das Schloss im September besucht, fallen einem die zahlreichen Blumendekorationen auf, die nur aus Dahlien bestehen. Petr Weiss:

„Dies hängt auch mit Kaiser Ferdinand zusammen. Nach einer habsburgischen Tradition musste er ein Handwerk erlernen. Er entschied sich für den Beruf des Gärtners. Dahlien waren angeblich seine liebsten Blumen. Er ließ sie in den Schlossgärten in Zákupy sowie in Ploskovice züchten. Wir haben versucht, an diese Tradition anzuknüpfen, und haben ein Dahlienbeet im Schlossgarten eingerichtet. In diesem Jahr haben wir zudem erstmals eine spezielle Dahlienausstellung veranstaltet. Sie stieß auf großes Interesse, wir werden die Tradition also weiterführen.“

Ausstellung mit dem Titel „Vergessene Schlösser“ (Foto: Martina Schneibergová)
Kaiser Ferdinand I. starb am 29. Juni 1875 in Prag. Er wurde in der Kapuzinergruft in Wien bestattet. Die Kaiserin-Witwe überlebte ihren Mann um neun Jahre.

Bei der Führung durch das Schloss kann man nicht nur die Appartements von Kaiser Ferdinand I., sondern auch die Appartements seiner Frau Maria Anna und die Zimmer seiner Stiefmutter Karoline Auguste von Bayern besichtigen. Bis November kommenden Jahres ist in Zákupy zudem eine Ausstellung mit dem Titel „Vergessene Schlösser“ zu sehen, in der einige der nicht zugänglichen oder nicht mehr existierenden Adelsresidenzen aus der Gegend von Liberec / Reichenberg vorgestellt werden.

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)
Schloss Zákupy ist von Mai bis September täglich außer montags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Im April und im Oktober ist es nur am Wochenende von 9 bis 15 Uhr zugänglich. Am 1. und 2. November werden in Zákupy noch die sogenannten „Führungen für verspätete Besucher“ angeboten. Zudem wird das Schloss am 29. und 30. November und an den Adventswochenenden von 10 bis 14 Uhr geöffnet sein.

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