Ehemalige Präsidentenresidenz: Beneš-Villa in Sezimovo Ústí wechselt Eigentümer
Die Beneš-Villa in Sezimovo Ústí geht in den Besitz des Hussitischen Museums in Tábor über. Damit erfüllt sich nach über 50 Jahren der letzte Wille der einstigen Bewohnerin.
Das Anwesen in Sezimovo Ústí im Kreis Südböhmen hatte sich in den 1930er Jahren der spätere tschechoslowakische Staatspräsident Edvard Beneš errichten lassen. Dessen Ehefrau Hana hielt im November 1973 in ihrem Testament fest, dass die Villa nach ihrem Tod dem Hussitischen Museum in Tábor dienen und dort das Andenken ihres Mannes bewahrt werden solle. Nachdem Hana Benešová im Dezember 1974 gestorben war, überschrieb der damalige Träger des Museums, der Bezirkstag in Tábor, das Gebäude allerdings dem tschechoslowakischen Regierungsamt. Der Bau wurde von da an als Erholungsressort für hochrangige kommunistische Politiker und Beamte genutzt.
Die nunmehrige Übertragung an das Hussitische Museum begründete eine Sprecherin des Regierungsamtes am Montag in der Tageszeitung Právo damit, dass das Gebäude derzeit nicht vom Staat genutzt werde. Bereits die Vorgängerregierungen hätten die Villa nicht mehr für die Erholungszwecke ihrer Politiker verwendet. Zudem befasse sich das Regierungsamt selbst nicht mit musealen Tätigkeiten. Das Gebäude sei deshalb nach und nach zugänglich gemacht und mit der Edvard-Beneš-Gedenkstätte verknüpft worden, die sich ebenso auf dem Grundstück befindet.
Das Hussitische Museum in Tábor begrüßte die Übertragung. Museumsleiter Jakub Smrčka merkte in der Zeitung Právo an, man habe bereits seit Beginn der 1990er Jahre für eine Übernahme der Villa gekämpft. Seit 2001 veranstaltete das Museum gemeinsam mit dem Regierungsamt an Staatsfeiertagen öffentliche Rundgänge durch das Anwesen. Seit 2023 kann die Villa im Sommer zu regelmäßigen Öffnungszeiten besucht werden. Nun soll sie noch zugänglicher gemacht werden. Die dortige Ausstellung soll erweitert werden, geplant sind auch Kuratorenrundgänge und ein Bildungsprogramm für Schulklassen. Für den 28. Mai ist laut Museumsdirektor Smrčka zudem ein Gartenfest geplant, das zu Ehren Edvard Benešs an dessen Geburtstag stattfindet.
Beneš ließ die Villa bauen, als er noch tschechoslowakischer Außenminister war. Der Architekt war Petr Kropáček, der sich von ähnlichen Bauten in Südfrankreich inspirieren ließ. Wenngleich das Haus heute nicht zu den bedeutendsten Beispielen der Avantgarde in Tschechien zählt, verwendete Kropáček im Innen- wie im Außenbereich einige Elemente, die für die damalige Zeit sehr fortschrittlich waren, so etwa Einbauschränke. Zu den Besuchern Benešs in der Villa zählten zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten, wie der Schriftsteller Karel Čapek, die Schauspielerin Olga Scheinpflugová oder der Politiker Jan Masaryk.







