Kriminalität in Tschechien: Allgemeiner Rückgang, aber Anstieg an Schulen
Die Kriminalität in Tschechien ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Es gab weniger Morde, Drogendelikte und Hassverbrechen, dagegen nahm die Zahl der Sittlichkeitsdelikte und leichter Gewaltdelikte zu.
Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Tschechien insgesamt 170.051 Straftaten verzeichnet. Das waren 3271 weniger als im Vorjahr. Die Statistik wurde im Januar auf einer Pressekonferenz in Prag veröffentlicht. Demzufolge sank die Kriminalität um 1,9 Prozent. Dennoch benennt die Polizei die Radikalisierung junger Menschen als ein sehr ernsthaftes Problem.
„Wir erinnern uns noch an eine Zeit, in der Schulen sichere Orte waren. Aus Sicht der Polizei hat sich das nun radikal verändert.“
Soweit der stellvertretende Polizeipräsident Tomáš Kubík. Im vergangenen Jahr bearbeitete die Polizei nach seiner Aussage in den Schulen fast 270 risikoreiche Vorfälle unter Mitschülern sowie zwischen Kindern und Lehrern. In 154 Fällen bestand der Verdacht auf eine Straftat. Kubík fährt fort:
„Es ist nicht überraschend, dass beim größten Teil der Straftaten keine Waffe im Spiel war. Alarmierend ist jedoch, dass in 16 Fällen eine Stichwaffe und in zehn Fällen eine Schusswaffe verwendet wurde.“
Laut Kubík sind verbale Drohungen unter Kindern in den sozialen Medien sehr verbreitet. Doch Worte werden auch zu Taten. In zwölf Fällen wurden im vergangenen Jahr von Minderjährigen Morde geplant oder verübt.
So ermordete etwa ein Jugendlicher in Hradec Králové zwei Verkäuferinnen. Anfang Januar wurde das Urteil von neun Jahren Haft für den 16-Jährigen vom Obergericht in Prag bestätigt. Der Täter habe seinen Angriff genau geplant, sagte Richter Jiří Bednář:
„Er suchte im Internet nach möglichen Orten, an denen er effektiv angreifen konnte. Denn sein Körperbau erforderte die Wahl eines schwächeren Ziels. So hat er etwa auch in einem Kindergarten die Öffnungszeiten und Möglichkeiten überprüft.“
Alles in allem ist die Kriminalität in Tschechien jedoch im Jahresvergleich um knapp zwei Prozent zurückgegangen. Polizeipräsident Martin Vondrášek:
„Der Rückgang ist zwar sehr gering. Aber wir freuen uns, dass er seit drei Jahren anhält. Wir sind mit dem positiven Trend zufrieden.“
So ging die Gesamtzahl der Morde zurück – von 69 im vorletzten Jahr auf 59 im Jahr 2025. Die Tötungsdelikte waren meist auf persönliche Streitigkeiten zurückzuführen. Die häufigsten Straftaten sind aber weiterhin Diebstahl und Betrug. Der Polizeipräsident:
„Was leider zunimmt und, wie ich aus dem Ausland weiß, weiter zunehmen wird, ist die Cyberkriminalität. Der Anteil der im Internet begangenen Straftaten im Vergleich zur realen Welt ist auf 12,4 Prozent gestiegen und wird sich in den kommenden Jahren zweifellos weiter erhöhen.“
Die Polizei rät daher, man solle Fremde im Internet so behandeln, als würde man ihnen auf der Straße begegnen. Auch ihnen würde man wohl weder Geld noch persönliche Informationen geben, so der Hinweis.
Es gab 2025 in Tschechien auch einen leichten Anstieg bei Fällen von Sittlichkeitsdelikten. Vergewaltigung war dabei die häufigste Straftat, es gab Ermittlungen in 1086 Fällen. Tomáš Kubík erklärt den Anstieg mit einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr:
„Anfang des Jahres trat eine Gesetzesänderung in Kraft, die sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung strenger definiert. In Folge dessen stieg die Kriminalitätsrate um fast neun Prozent an.“
Die zweithäufigste Form einer Sittlichkeitsstraftat war Kinderpornografie.
Im vergangenen Jahr klärte die tschechische Polizei rund 56 Prozent aller Kriminalfälle auf. Die Zahl entspricht in etwa den Vorjahren.









