Möglichen Kürzungen zum Trotz: Radio Prag International begeht 90. Geburtstag mit Ausstellung

Radio Prag International feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde am Dienstag eine Ausstellung im Prager Rundfunkgebäude eröffnet. Neben Feierstimmung gibt es aber auch Grund zur Sorge: Denn der Außenminister hat angekündigt, den Auslandssender des Tschechischen Rundfunks künftig nicht weiter finanzieren zu wollen.

Klára Stejskalová | Foto:  Hana Řeháková,  Radio Prague International

Am 31. August 1936 nahm der Auslandssender des damaligen Tschechoslowakischen Rundfunks seinen Betrieb auf – als Instrument der Gegenpropaganda gegen Nazi-Deutschland. Anlässlich des 90. Geburtstags wurde am Dienstag eine Ausstellung im Prager Rundfunkgebäude eröffnet, die die bewegte Geschichte des Senders nachzeichnet. Was genau alles zu sehen ist, schildert Chefredakteurin Klára Stejskalová:

„Die Besucher können auf historischen Fotos die ersten Sender und Radiostudios der 1930er Jahre, der Kriegs- und Nachkriegszeit bis hin zur heutigen digitalen Redaktion betrachten. Zu sehen sind Original-Sendeskripte, Archivfotos der technischen Ausstattung und Beispiele für zeitgenössische Programmpläne in verschiedenen Sprachen.“

Foto:  Hana Řeháková,  Radio Prague International

Vorgestellt werden auch einige berühmte Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit bei Radio Prag gearbeitet haben. Dazu zählen etwa der spätere Außenminister Jiří Dienstbier, der Verteidigungsminister Luboš Dobrovský, der Schriftsteller Arnošt Lustig oder der spätere Botschafter in Deutschland František Černý.

Stejskalová ergänzt zudem, dass die Ausstellung ebenso zeige, wie der Kontakt mit den Hörerinnen und Hörern von Radio Prag in der Vergangenheit aussah:

„Die authentische Korrespondenz der Hörer bildet einen eigenen Teil der Ausstellung. Zu sehen sind Briefe, Postkarten undUmschläge mit Briefmarken aus verschiedenen Kontinenten sowie QSL-Karten, die den Empfang des Signals aus allen Teilen der Welt bestätigen. Diese Materialien belegen, dass die Sendungen nie einseitig waren, sondern einen echten Dialog mit den Hörern herstellten.“

Foto:  Hana Řeháková,  Radio Prague International

Neben den Exponaten sind in den Räumlichkeiten der Galerie Vinohradská 12 auch QR-Codes angebracht, mittels derer die Besucher historische Aufnahmen anhören können.

Stéphane Crouzat | Foto:  Hana Řeháková,  Radio Prague International

Bei der Vernissage am Dienstagabend gab es hohen Besuch, zu Gast waren nämlich die Botschafter mehrerer Länder, in denen eine der sieben Sendesprachen von Radio Prag International gesprochen wird – so etwa Stéphane Crouzat, der französische Botschafter in Tschechien. Er merkte an:

„Wenn ich Dinge über Tschechien googele, etwa die Nachrichten, lande ich oft bei einem Artikel von Radio Prag International.“

Der Vernissage wohnte auch Martin Kastler bei, der Leiter der Repräsentanz des Freistaats Bayern in der Tschechischen Republik. Er sagte:

„Ich gratuliere dem tschechischen Rundfunk und Radio Prag International ganz herzlich zum Jubiläum. Als Vertreter des Freistaats Bayern hier in Tschechien muss ich sagen, dass dies ein unentbehrliches Medium für die deutsch-tschechischen Beziehungen und gerade für die bayerisch-tschechische Nachbarschaft ist. Von daher: ad multos annos, alles Gute weiterhin! Ich freue mich immer wieder, Radio Prag International zu lesen oder zu hören.“

Außenminister Petr Macinka  (Motoristé sobě) | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

Allerdings sind die Feierlichkeiten in diesem Jahr von einigen Hiobsbotschaften getrübt. Denn Tschechiens Außenminister Petr Macinka (Motoristé sobě) hatte am 11. Februar im Abgeordnetenhaus gravierende Kürzungen für den Sender angekündigt.

„Ich habe entschieden, den Vertrag mit dem Tschechischen Rundfunk über den Auslandssender aufzukündigen. In diesem Jahr ergeben sich dadurch Einsparungen von 8,75 Millionen Kronen.“

Diese Summe entspricht einem Viertel des Haushalts von Radio Prag International. Doch Macinkas Pläne gehen scheinbar noch weiter. Denn im kommenden Jahr werde das Außenministerium den Sender gar nicht mehr finanzieren, kündigte der Ressortchef an. Chefredakteurin Klára Stejskalová kann dies nicht nachvollziehen.

Klára Stejskalová  (links) | Foto: Oldřich Ježek,  Vinohradská 12

„Derzeit ist der Tschechische Rundfunk gesetzlich verpflichtet, Auslandsprogramme zu senden. Der Staat hat über das Außenministerium für diese Dienstleistung zu zahlen. Wir wissen jedoch, dass die neue Regierung unter Premierminister Babiš die Finanzierung des gesamten Tschechischen Rundfunks ändern will. Das derzeitige System der Finanzierung aus öffentlichen Gebühren soll durch Zahlungen aus dem Staatshaushalt ersetzt werden. Die öffentlich-rechtlichen Medien stehen also generell unter großem Druck. Was die Auslandsprogramme betrifft, wissen wir, dass diese von der überwiegenden Mehrheit der europäischen Staaten betrieben werden. Ich persönlich halte es für unsinnig und einen großen Fehler, sich derzeit der Stimme zu berauben, die die Tschechische Republik dank Radio Prag International hat.“

Auch der Intendant des Tschechischen Rundfunks, René Zavoral, übt Kritik an den Kürzungsplänen des Ministers. Bei der Vernissage am Dienstag verwies er etwa auf die guten Abrufzahlen der Website und betonte, dass diese im vergangenen Jahr nur aus drei Ländern nicht besucht worden sei: Kuba, Nordkorea und Tuvalu.

René Zavoral | Foto: Hana Řeháková,  Radio Prague International

„Ich bin stolz darauf, dass der Auslandssender des Tschechischen Rundfunks jährlich acht Millionen Klicks auf seinen Websites erzielt, was eine tolle Zahl ist. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich halten diesen Sender für sehr nützlich. Ich denke, er ist ein effektives Instrument, um den guten Namen Tschechiens in der Welt zu verbreiten und über Ereignisse im Land zu informieren.“

Die Kürzungspläne von Außenminister Macinka werden aus eben diesem Grund auch von Teilen der Opposition kritisiert. Und ebenso stellten sich die „Reporter ohne Grenzen“ unlängst hinter Radio Prag International und forderten die tschechischen Parlamentarier auf, gegen die Haushaltpläne des Ministers zu stimmen.

Die Ausstellung „Prag sendet in die Welt! 90 Jahre im Äther“ ist noch bis 26. März in der Galerie Vinohradská 12 zu sehen. Geöffnet ist jeden Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr. An das 90-jährige Jubiläum des Auslandssenders erinnert derzeit auch eine Serie, die vom Sender Český rozhlas Plus ausgestrahlt wird. Im Sommer hören Sie diese achtteilige Serie in deutscher Sprache dann auch bei uns.