Radio Prag International 2022: Maler, Marken und EU-Ratspräsidentschaft

Was bringt das Post-Corona-Jahr? So hieß der Titel unseres Neujahrsinterviews mit der Chefredakteurin von Radio Prag International, Klára Stejskalová, genau vor einem Jahr. Doch leider war auch 2021 von der Pandemie geprägt, was nur wenige erwartet hatten.

2021 ist vorbei, und es war kein einfaches Jahr, wie sich auch den Briefen und E-Mails unserer Hörerinnen und Hörer entnehmen lässt. Die Pandemie lässt immer noch nicht nach, zu reisen ist weiterhin kompliziert. Immer noch gibt es Wochen und Monate, die man im Lockdown verbringt. Deswegen freut uns sehr, dass Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, uns auch 2021 treu geblieben sind, dass sie unsere Sendungen gehört, unsere aktuelle Berichterstattung, Interviews und Reportagen gelesen haben. Zusammen mit der Chefredakteurin von Radio Prag International, Klára Stejskalová, möchte ich nun auf das vergangene Jahr zurückblicken und auch über die Pläne für 2022 sprechen. Frau Stejskalová, wie war 2021 für Radio Prag International?

Illustrationsfoto: Karolina Grabowska,  Pexels,  CC0 1.0 DEED

„Zuerst möchte ich auf jeden Fall allen danken, die uns ihre Gunst erwiesen haben. Die meisten Antworten, Briefe und E-Mails, die wir als Sender erhalten, kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Vielen Dank dafür, wir freuen uns, wenn wir lesen können, wie es Ihnen geht, oder wenn Sie uns Tipps für Berichte schreiben, die Sie gerne hören und lesen möchten. Leider war das Hauptthema des Jahres Corona. Alle unsere Statistiken bestätigen dies. Aktuelle Informationen zu Maßnahmen der tschechischen Regierung, zu Maßnahmen für Ausländer und Touristen sowie für jene, die in den Grenzgebieten arbeiten, wurden in diesem Jahr am häufigsten gelesen. Die deutsche Webseite war in diesem Jahr von unseren Sprachversionen die meistbesuchte. Wir wünschen uns, dass in den kommenden Jahren weiter viele Menschen unsere Webseiten aufrufen, aber selbstverständlich nicht nur wegen Corona.“

Ich kann bestätigen, dass das Thema Corona in unserem Programm dominiert hat. Wir haben daneben aber auch mehrere interessante Projekte und Serien gebracht. Welche würden Sie hervorheben?

„Auf jeden Fall die Reihe zu zehn Museen, die Sie gesehen haben müssen. Wir haben uns bemüht, nicht nur die Prager Museumsklassiker zu präsentieren – daher haben wir zum Beispiel das Nationalmuseum weggelassen –, sondern im Gegenteil solche Museen, die im Ausland weniger bekannt sind, aber etwas zu bieten haben. Dazu gehörten etwa ein Museum für Volkstrachten, das Luftfahrt-Museum in Kbely oder das Glasmuseum in Jablonec nad Nisou / Gablonz. Ich glaube, wenn die Grenzen wieder komplett geöffnet sind, werden Touristen aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern den Weg in diese Museen finden. Im Sommer haben wir auf ähnliche Weise die bekanntesten tschechischen Kurorte vorgestellt. Und auch in diesem Fall haben wir unseren Lesern und Hörern neben den klassischen Kurorten wie Karlsbad, Marienbad und Franzensbad auch interessante, weniger bekannte Tipps gegeben.“

Im Dezember haben wir die letzte Folge von „Tschechische Bücher, die sie lesen müssen“ veröffentlicht. Wie gelungen war diese Serie Ihrer Meinung nach?

„Ich denke, dass wir bei Radio Prag International darauf stolz sein können. In zwei Jahren haben wir den Menschen im Ausland nicht nur einen Blick auf die größten Juwelen der älteren tschechischen Literatur geboten, sondern zuletzt auch auf die zeitgenössische Prosa und Poesie. Wir haben die erfolgreichsten Autoren der Gegenwart vorgestellt, mit den meisten haben wir direkt gesprochen. Und ich finde die Videoserie, die den gesamten Zyklus begleitet hat, sehr interessant und hoffe, dass die Besucher unserer Seiten und sozialen Netzwerke in Zukunft darauf zurückgreifen. Während der Ausstrahlung dieser Serie haben wir auch eine Reihe von Zuschriften von Literaturverlagen oder Uni-Instituten für Bohemistik erhalten. Die Arbeit, die gerade unter den relativ schwierigen Corona-Bedingungen oft anstrengend war, wird sich in Zukunft sicherlich auszahlen.“

Kommen wir ins Jahr 2022. Kann sich unser Publikum auf ähnliche attraktive Projekte freuen?

Illustrationsfoto: Romana Joudalová,  Tschechischer Rundfunk

„Bestimmt. Eines davon wird die Präsentation von zehn tschechischen Malern sein. Es soll vor allem eine Videoserie entstehen, in der wir die bekanntesten Maler vorstellen wollen. Nicht nur diejenigen, die weltweit bekannt sind, wie František Kupka, Alfons Mucha oder Toyen, sondern beispielsweise auch Josef Mánes, Jan Zrzavý und andere. Wir werden ihre berühmtesten Werke präsentieren, Galerien besuchen und über ihr Leben sprechen.“

Die Tschechische Republik übernimmt in der zweiten Jahreshälfte 2022 die EU-Ratspräsidentschaft. Das ist eine Gelegenheit, das vorsitzende Land näher zu präsentieren. Was plant Radio Prag International dazu?

„Im zurückliegenden Jahr haben wir eine Serie gestartet, die bekannten Marken aus Tschechien wie etwa Becherovka, Zetor und Jawa gewidmet war. Wir wollen diese fortsetzen, uns aber auch auf modernere, neue Marken konzentrieren. Wir möchten zudem einige interessante tschechische Startups vorstellen. Und da wir den europäischen Staffelstab von Frankreich übernehmen, entsteht eine Podcast-Reihe von Interviews mit in Frankreich lebenden tschechischen Künstlern und Franzosen in Tschechien. Wir wollen uns mit ihnen über ihre Ansichten und über die gegenseitige Beeinflussung dieser beiden Kulturen unterhalten.“

Die deutsche Redaktion hat eine besonders treue Gruppe von Anhängern, die uns regelmäßig schreiben. Und auch eine ziemlich große Gruppe von Radio-Freunden, die unsere Sendungen immer noch auf Kurzwelle hören. Die Technologie entwickelt sich aber natürlich weiter. Auf welche Wege kann man sich also mit den Inhalten von Radio Prag International bekannt machen?

Klára Stejskalová  (Foto: Ondřej Tomšů)

„Natürlich auf unserer Website www.radio.cz. Dort kann man die Artikel lesen und sich die Beiträge anhören. Wir kommunizieren auf Facebook, Twitter und Instagram. Ich wünsche mir mehr Unterstützer in den sozialen Netzwerken aus Deutschland und Österreich. Und diejenigen, die immer noch die klassische Audio-Variante bevorzugen, können unsere Programme von allen Podcast-Plattformen auf ihr Handy herunterladen. Außer am Sonntag produziert die deutsche Sektion täglich eine 30-minütige Nachrichten- und Publizistiksendung über die Tschechische Republik. Zu hören ist aber auch zum Beispiel der Fachpodcast Karbon, in dem die oft ganz unterschiedlichen Sichtweisen Tschechiens und Deutschlands auf Energie und Umwelt zum Ausdruck kommen. Sie finden unsere Podcasts auf Plattformen wie googlay podcast, spotify oder itunes. Aber egal, wo Sie unsere News, Interessantes aus Tschechien, Kultur- und Tourismustipps finden, wir freuen uns, dass Sie diese aufrufen. Und wenn Sie uns Feedback geben, freuen wir uns noch mehr. Ich danke also und wünsche uns allen, dass wir im kommenden Jahr so weit wie möglich zum normalen Leben zurückkehren, an das wir gewöhnt sind. Ein frohes und glückliches neues Jahr!!!!“