Paralympics in Italien: Tschechien zwischen Boykott und Medaillenambitionen

In der Arena von Verona werden am Freitagabend die Winter-Paralympics eröffnet. Wegen der Teilnahme russischer und weißrussischer Sportler boykottiert Tschechien die feierliche Zeremonie. An den Wettkampfstätten soll hingegen Vollgas gegeben werden. Denn nach langen 16 Jahren wollen die Tschechen erstmals wieder eine Medaille bei den Paralympischen Winterspielen erkämpfen.

Anders als bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo dürfen russische und belarussische Sportler bei den diesjährigen Paralympics unter eigener Flagge antreten. Im Falle einer Goldmedaille etwa wird deshalb auch die Hymne dieser Länder gespielt – trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Als eines der ersten Länder hatte deshalb Tschechien angekündigt, die Eröffnungszeremonie in Verona zu boykottieren. Zbyněk Sýkora ist der Leiter des Tschechischen Paralympischen Komitees:

Zbyněk Sýkora | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Wir sind uns bewusst, dass das auf der ganzen Welt ein stark diskutiertes Thema ist. Innerhalb des Verbandes gibt es aber eine große Unterstützung für den Boykott. Wir haben gespürt, dass wir reagieren müssen, und stehen hinter der Entscheidung.“

Neben Tschechien kündigten als erste Länder auch Estland und die Ukraine einen Boykott an. Mittlerweile sind es 14 Staaten, die aus Protest nicht an der Eröffnungszeremonie teilnehmen, darunter Polen, Finnland und inzwischen auch Deutschland. Die Niederlande werden die Zeremonie als Zeichen des Protests zudem nicht im Fernsehen übertragen.

Abseits dieser politischen Dimension kämpfen bei den Paralympischen Winterspielen bis zum 15. Februar insgesamt 600 Sportlerinnen und Sportler mit körperlichen Behinderungen um Edelmetall. Das tschechische Aufgebot in Italien zählt 24 Mitglieder. Die besonders große Medaillenhoffnung sind laut Zbyněk Sýkora die Eishockeyspieler.

„Das tschechische Para-Eishockeyteam gehört zu den besten der Welt. Davon zeugt auch, dass wir bei den drei zurückliegenden Weltmeisterschaften jeweils Bronze geholt haben. Para-Eishockey ist unsere Vorzeigedisziplin im Wintersport.“

Michal Geier | Foto: Pavel Petr,  Tschechischer Rundfunk

Klare Ambitionen äußert dann auch Nationalspieler Michal Geier: „Wir wollen eine Medaille. Und ich denke, wir haben große Chancen darauf“, so der Stürmer im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. In der Gruppenphase tritt die Nationalmannschaft zunächst gegen Japan und die Slowakei an, ehe dann die Begegnung mit Angstgegner Kanada ansteht.

Komiteechef Sýkora nennt aber noch eine weitere Sportart, in der es für Tschechien Edelmetall geben könnte: im Para Ski nordisch. Darin tritt die erst 17-jährige Simona Bubeníčková an. Die blinde Sportlerin widmete sich zunächst dem Schwimmen. Als sie zehn Jahre alt war, startete sie dann mit dem Langlauf. Nach ersten Erfolgen bei Junioren-Meisterschaften holte sie im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihrem Guide David Šrůtek Gold über zehn Kilometer in klassischer Technik bei der Para-Skilanglauf-WM in Toblach. Und bei denselben Titelkämpfen heimste sie dann auch noch Silber über 20 Kilometer Freistil ein.

Und dem nicht genug. Außer im Langlauf könnte es zudem in einer weiteren Disziplin für eine Platzierung auf dem Treppchen reichen, sagt Zbyněk Sýkora:

„Ich freue mich sehr auf den Para-Biathlon. Es wird sich um eine Premiere für uns handeln, und ich denke, dass es sehr interessante Ergebnisse geben könnte.“

Denn Simona Bubeníčková tritt auch im Biathlon an. Und neben ihr startet im tschechischen Team auch noch die sehbehinderte Carina Edlingerová. Die 27-Jährige gehört in ihrer Klasse zu den besten Athletinnen weltweit. Für Tschechien tritt Edlingerová  erst seit vergangenem Jahr an, zuvor hatte sie für ihr Heimatland Österreich sechs Weltmeistertitel geholt, 2022 brachte sie auch eine Goldmedaille von den Paralympics mit. Ihren Wechsel zum tschechischen Team begründete sie vergangenes Jahr mit mangelnder Unterstützung durch den Österreichischen Skiverband. Nötig war dafür im Übrigen auch eine Änderung der Staatsbürgerschaft.

Vertreten ist Tschechien nicht zuletzt beim Para Alpin Ski. In dieser Sportart treten drei Männer aus dem Land an.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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