Paralympics: Jubel über insgesamt sechs Medaillen für Tschechien inklusive einmal Gold
Auch die Abschlussfeier der Paralympics in Cortina d’Ampezzo fand ohne tschechische Athleten statt. Wegen der Teilnahme von Russland und Belarus an den Spielen boykottierten sie die Zeremonie, so wie schon bei der offiziellen Eröffnung. Aber mit sechs Medaillen im Gepäck ging es zurück in die Heimat – die zweitbeste tschechische Bilanz überhaupt.
Die meisten Medaillen bei den Paralympics für das tschechische Team hat die erst 17-jährige Langläuferin und Biathletin Simona Bubeníčková geholt. Es waren insgesamt vier.
Doch für die ersehnte Goldmedaille – die erste für Tschechien seit 24 Jahren – sorgte Carina Edlingerová. Die gebürtige Österreicherin hatte erst relativ kurz vor den Spielen die tschechische Staatsbürgerschaft erhalten. Die sehbeeinträchtigte Sportlerin gewann die Sprint-Verfolgung im Biathlon. Und gleich zum Auftakt der Paralympics hatte sie mit Silber auch schon die erste tschechische Medaille geholt. Nach dem Goldrennen sagte sie dem Reporter des Tschechischen Rundfunks:
„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich zum zweiten Mal Geschichte schreiben darf. Zunächst die erste paralympische Medaille seit Vancouver und jetzt die goldene. Es ist mir eine große Ehre und auch für Tschechiens Biathlon, der sich unfassbar dafür eingesetzt hat, dass ich heute hier wirklich stehen darf.“
Insgesamt also sechs Medaillen konnte das Team einheimsen. Ausgesprochen zufrieden zeigte sich daher Zbyněk Sýkora, der Vorsitzende des Tschechischen Paralympischen Komitees.
„Ganz eindeutig ist dies ein Erfolg. Wir freuen uns über jede der Medaillen. 16 Jahre lang haben wir überhaupt auf eine Medaille gewartet, deswegen bilanzieren wir die Spiele als Erfolg. In diesem Moment kann ich aber nicht so richtig lachen. Denn gerade ist das Spiel um Platz drei der Para-Eishockeyspieler zu Ende gegangen. Und das haben wir leider verloren. Daher ist meine Bewertung jetzt nur bitter-süß“, so Sýkora.
Die tschechischen Para-Eishockeymänner verloren am Sonntag das Spiel um Bronze gegen China mit 2:3, obwohl sie schon mit zwei Toren Vorsprung geführt hatten.
Das große Versprechen für die Zukunft des paralympischen Sportes hierzulande ist Simona Bubeníčková. Die junge Frau, die mittlerweile komplett erblindet ist, gewann dreimal Silber und einmal Bronze. Am Sonntag im Langlauf über 20 Kilometer war es zum Abschluss also noch einmal der zweite Platz.
„Das ist perfekt. Natürlich bedeutet dreimal Silber auch, dass ich jeweils die erste Besiegte war, aber auch so ist es schön. Ich habe wieder alles gegeben. Für Gold war ich allerdings nicht stark genug. Ich kann ja auch nicht auf einmal alles bekommen. So habe ich noch ein Ziel, das ich erreichen kann“, sagte die Atheltin.
Dramatisch ist hingegen die Vorgeschichte der Spiele für Carina Edlingerová verlaufen. Den Wechsel zum tschechischen Verband bezahlte sie mit dem Verlust des österreichischen Passes – weil das Sportministerium in Wien den Antrag auf eine doppelte Staatsbürgerschaft abgelehnt hatte. Doch die Parasportlerin, die jede Menge Titel und Medaillen für ihre ursprüngliche Heimat gesammelt hatte, wollte weg vom österreichischen Verband. Mittlerweile ist klar, dass dahinter eine sehr traurige Geschichte steht. Noch während der Spiele in Mailand und Cortina gab die 27-Jährige bekannt, dass sie bei den Paralympics in Peking vor vier Jahren vergewaltigt worden war. Ihren Wechsel nach Tschechien hatte Edlingerová zuvor unter anderem damit begründet, dass sie im österreichischen Verband nur geringe Wertschätzung erfahren habe. Nun ist sie froh, dass es geklappt hat…
„Ich kann mich gar nicht ausreichend bedanken bei all den Leuten, die sich in den Büros darum gekümmert haben, dass ich einen Reisepass bekomme und wieder starten darf. Weil ich gewusst habe, dass ich in Österreich nie wieder starten werde. Ich war sehr traurig und deprimiert, weil ich fand, dass ich zu jung bin und zu viel Herzblut habe, um schon aufzuhören“, schilderte Carina Edlingerová.
Bisher ist sie nur im Biathlon startberechtigt. Doch ab kommendem Jahr wird Edlingerová auch wieder in ihrer ursprünglichen Disziplin, dem Para-Langlauf, antreten dürfen. Sie und Bubeníčková bieten hervorragende Aussichten für die Zukunft des Parasports in Tschechien. Und der Verband will nun die beste Medaillenbilanz seit Nagano 1998 dazu nutzen, weiteren Nachwuchs an die Weltspitze heranzuführen.
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