Artenvielfalt und steigende Touristenzahlen: 50 Jahre Landschaftsschutzgebiet Pálava

Der Tafelberg in Pálava

Vier Landschaftsschutzgebiete in Tschechien feiern gerade ihr 50-jähriges Bestehen. Dazu gehört etwa die Gegend rund um den Hügel Pálava in Südmähren. Für die Naturschützer gibt es dort immer neue Herausforderungen.

„Typisch für Pálava sind die Eichen. An diesem schönen und stattlichen Baum kann man sehen, dass er immer noch seine Blätter hat. Das gilt auch für alle anderen Eichen bei uns. Sie werfen ihre Blätter nicht im Herbst ab, sondern erst im Frühjahr.“

Jiří Kmet | Foto: Pozemkové spolky / FB

Jiří Kmet führt über den Tafelberg, den südlichen Teil des Höhenzuges Pálava. Dieser ist zwar die Dominante, aber trotzdem nur ein kleiner Teil des Landschaftsschutzgebietes, das den gleichen Namen trägt. Kmet ist der Direktor. Er geht von der Eiche weiter am Hang entlang:

„In diese Richtung sehen wir die Klamm. Eine Flaum-Eiche, die über eine Klamm emporragt, bildet auch das Logo unseres Landschaftsschutzgebietes.“

Obwohl die Eiche damit das Markenzeichen von Pálava ist, sind dort noch sehr viel mehr Pflanzen zu sehen. Das Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich auf 85 Quadratkilometer, ein Drittel davon sind Wälder. Weiter erläutert Kmet:

„Pálava ist ein sehr kleiner und kompakter Raum im Vergleich zu anderen Landschaftsschutzgebieten. Auffallend ist eine große Bandbreite an Lebensräumen. Es gibt Felsen, Wälder, Sandgruben, verlassene Steinbrüche oder auch Steppenwiesen. Alles ist durch eine reiche Artenvielfalt an Lebewesen verbunden.“

Seinen offiziellen Schutzstatus hat Pálava vor 50 Jahren erhalten. Das Kulturministerium gab am 19. März 1976 einen entsprechenden Beschluss aus, und dieser betraf auch das Böhmische Mittelgebirge, das Gebiet Kokořínsko in Nordböhmen sowie das Lausitzer Gebirge nahe der Grenze zu Deutschland. Die offizielle Erklärung als Landschaftsschutzgebiete erfolgte dann im Mai desselben Jahres.

Mikulov mit dem Heiligen Berg | Foto: Magdalena Hrozínková,  Radio Prague International

Pálava hat durch ein trockenes und warmes Klima fast ähnliche Bedingungen, wie es sie im Mittelmeerraum gibt. Auf den Kalksteinhügeln in Südmähren blühen derzeit zum Beispiel die Kuhschellen. Das zieht immer mehr Wanderer und Touristen an. Allein im Naturreservat Svatý kopeček (Heiliger Berg) bei Mikulov würden jährlich rund 200.000 Besucher gezählt, informiert Kmet. Das hinterlasse deutliche Schäden in der Natur und habe das Verschwinden mancher Arten zur Folge, so etwa von Vögeln und Schmetterlingen. Zu den nötigen Schutzmaßnahmen sagt der Direktor:

„Der Großteil des Pálava-Gebietes ist dauerhaft zugänglich. Nur in den Naturreservaten ist es verboten, außerhalb der ausgeschilderten Wege zu gehen.“

Steigende Besucherzahlen und auch der Klimawandel stellen die aktuellen Herausforderungen beim Landschaftsschutz dar. Momentan müssen sich die Naturschützer in Tschechien jedoch mit finanziellen Kürzungen abfinden. Im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) bezifferte Jiří Kmet die öffentlichen Mittel für einen seiner Aufgabenbereiche in diesem Jahr mit umgerechnet 120.000 Euro:

„Aus dem Förderprogramm zum Naturschutz werden wir für Pálava in diesem Jahr etwa drei Millionen Kronen zur Verfügung haben. In den vergangenen Jahren hatte es zusätzlich immer noch Gelder aus dem Nationalen Wiederaufbauplan gegeben. Der wurde aber nun beendet. Das waren doppelt und dreifach so hohe Beträge wie die genannte Summe.“

Foto: Jan Miklín,  Krásnou Pálavou

Dennoch soll das Tourismusangebot im Landschaftsschutzgebiet Pálava kontinuierlich ausgebaut werden. So ist ein neuer Lehrpfad auf dem Tafelberg geplant sowie weitere Bildungsprogramme im erst kürzlich eröffneten Haus der Natur.

Autoren: Daniela Honigmann , Anežka Hlávková | Quellen: Český rozhlas , Česká televize
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