Kürzungen im Haushalt betreffen die Nationalparks

Die Regierung von Andrej Babiš (Partei Ano) hat die Finanzen für die Nationalparks stark gekürzt. Was bedeutet das für den Naturschutz? Dazu hat sich der Geochemiker und Klimaforscher Jakub Hruška in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks geäußert.

Die tschechische Regierung stellt im aktuellen Staatshaushalt 900 Millionen Kronen (37,1 Millionen Euro) weniger für den Umweltschutz bereit als im vergangenen Jahr. Vor allem beschloss das Kabinett, die Ausgaben für die Nationalparks drastisch zu kürzen. 40 Prozent weniger sind vorgesehen. Der größte tschechische Nationalpark – der Nationalpark Šumava (Böhmerwald) – verliert damit rund 70 Millionen Kronen (2,9 Millionen Euro), der zweitgrößte Nationalpark Riesengebirge (Krkonoše) etwa 35 Millionen Kronen (1,4 Millionen Euro).

Jakub Hruška | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

Jakub Hruška ist Professor Geochemie und arbeitet an der Akademie der Wissenschaften. Der Naturwissenschaftler ist stellvertretender Vorsitzender des Beirats für den Nationalpark Šumava und Mitglied des Beirats für den Nationalpark Riesengebirge (Krnap) und des Beirats für den Nationalpark Podyjí (Thayatal). Die starken Kürzungen seien für Parks nicht sehr angenehm, sagte der Naturforscher im Tschechischen Rundfunk und fügte hinzu:

„Es handelt sich jedoch nicht um die gesamten Budgets der Nationalparks. Ich denke aber, dass die Parks wegen der Kürzungen bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausüben können, die die Öffentlichkeit von ihnen fast automatisch erwartet. Sie werden sich nur auf den Naturschutz konzentrieren, zu dem sie durch das Natur- und Landschaftsschutzgesetz verpflichtet sind.“

Die Nationalparks müssen, wie Jakub Hruška anmerkte, den Bedürfnissen der Öffentlichkeit gerecht werden. Und aus dem Grund betreiben sie ein breites Netz von Infozentren.

Foto: Nationalpark Šumava

„Nirgendwo steht jedoch, wie viele Zentren es geben und wie ihr Betrieb aussehen muss und ob diese eventuell auch Freigehege umfassen sollen, wie es im Böhmerwald der Fall ist. Dies ist nach meiner Meinung der Bereich, in dem die Nationalparks gezwungen werden zu sparen. Denn den grundlegenden Naturschutz können sie nicht aufgeben.“

Laut dem Experten verfügen die Nationalparks über bestimmte finanzielle Reserven, und diese werden sie vermutlich nutzen müssen. Diese Gelder seien jedoch eigentlich für andere Zwecke bestimmt, betonte Hruška:

„Sie sollen in besonderen Fällen genutzt werden: nach Bränden, bei Borkenkäferplagen, Sturmfolgen oder beim Hochwasser. Die Parkverwalter haben nun angekündigt, dass sie diese Reserven einsetzen, um den Betrieb der Parks so aufrechtzuerhalten, wie sich das die Öffentlichkeit vorstellt.“

Foto: Jitka Cibulová Vokatá,  Tschechischer Rundfunk

Jaromír Bláha von der Umweltinitiative Hnutí Duha, der Experte ist für die Wälder in den Nationalparks, bezeichnete das Vorgehen des Umweltministers als „ideologische Blindheit“. Professor Hruška dazu:

„Es kommt darauf an, wie lange diese Ungunst andauern wird. Ich weiß, dass beispielsweise der Nationalpark Riesengebirge verlauten ließ, er werde die ganzen finanziellen Reserven auflösen, die er in den letzten 15 Jahren geschaffen habe. Damit will er alle Dienstleistungen aufrechterhalten und das Parkgebiet schützen. Und dieser Park verfügt über Reserven in Höhe von etwa 150 Millionen Kronen (6,2 Millionen Euro). Wie die Verwaltung erklärte, wird fast die ganze Summe für den Betrieb allein in diesem Jahr aufgebraucht.“

Nationalpark - Národní park | Foto: Anna Kottová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

In Tschechien gibt es vier Nationalparks. Am ältesten ist jener im Riesengebirge, der 1963 entstanden ist. Am jüngsten ist die Böhmische Schweiz, die im Jahre 2000 gegründet wurde. Der Nationalpark Šumava ist am größten, und der mährische Nationalpark Podyjí am kleinsten. Professor Hruška bezeichnete die Nationalparks als Kleinode des Naturschutzes:

„Wir sollten froh sein, dass wir diese Parks haben. Ihre Fläche ist im Vergleich mit jener der Nationalparks in den Nachbarstaaten kleiner. In Tschechien macht sie 1,5 Prozent des Staatsgebietes aus, in Deutschland 3,0 Prozent, in Österreich 2,8 Prozent und in der Slowakei sogar 6,5 Prozent. Bei uns gibt es wenige Nationalparks. Es tut mir sehr leid, dass der Nationalpark Křivoklátsko nicht eingerichtet wurde. Ich wäre bestimmt dafür, weitere Parks anzulegen.“

Die Verwalter des Nationalparks Šumava müssen laut eigenen Aussagen im Bereich Instandhaltung und Gehälter sparen. Werden darum weniger Mitarbeiter im Einsatz sein? Der Experte:

„Das Letzte, was die Parkverwaltungen wollen, sind, denke ich, weniger Mitarbeiter in den Parks. Denn sie sind natürlich für den Kontakt zur Öffentlichkeit wichtig. Sie beraten die Besucher, überwachen den Park und machen noch viel mehr. Die Nationalparks gehen zudem weit über ihre Pflichten hinaus, indem sie eine große Menge an Wanderwegen mit einer Gesamtlänge von mehreren Hundert Kilometern unterhalten. Dazu gehört die Instandsetzung kleiner Brücken, der Beschilderung und der Wege – damit sich die Besucher sicher in der Natur bewegen können. Das alles machen die Nationalparks und werden nun wieder weniger Geld dafür haben.“

Die Besucher werden die Kürzung der finanziellen Mittel für die Nationalparks laut dem Experten vielleicht nicht in der ersten Hälfte dieses Jahres, aber bestimmt im nächsten Jahr spüren.

Mittlerweile sind auch Stimmen zu hören, die den Parkverwaltungen empfehlen, sozusagen den „slowakischen Weg“ zu gehen. Dies würde bedeuten, dass sie mehr Bäume fällen und die Kürzung der finanziellen Mittel durch den Holzverkauf decken. Jakub Hruška sagt, dieser Weg sei bei einer korrekten Auffassung des Naturschutzes unmöglich.

Nationalpark Böhmerwald | Foto: Jan Rosenauer,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Denn das Gebiet der Nationalparks ist in vier Zonen gegliedert. Für jede Zone gilt eine andere Art des Managements. Die Kernzonen dienen beispielsweise dazu, dass auf ihrem Gebiet im Horizont von mehreren Jahren eine wirkliche Wildnis entsteht. Im Rahmen aller seiner Aktivitäten verfügt der Nationalpark über einen klaren Plan, wie viele Bäume er wo fällen darf. In den Regeln, nach denen sich die Parks richten, steht bestimmt nicht, dass sie mehr Holz fördern sollen, wenn sie kein Geld mehr haben. Zudem würde dies die Parks einer starken Kritik aussetzen. Denn auch derzeit werden sie von Gemeinden oft dafür kritisiert, dass sie allzu viel Holz fördern würden und was das für Nationalparks seien, in denen ständig Bäume gefällt würden.“

Šumava | Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Holzwirtschaft in einem Nationalpark richtet sich zudem nach dem Forstmanagementplan, der zehn Jahre lang gilt. Und der Plan sei für die Parkverwalter verbindlich, so der Experte.

„Verbindlich ist der Plan unter der Voraussetzung, dass es zu keiner Katastrophe kommt – das heißt, dass das Gebiet beispielsweise von keinem verheerenden Sturm oder keiner Borkenkäferplage betroffen ist. Die Parks werden nicht gegen den Plan handeln, um dank dem geförderten Holz ihr Budget aufzustocken.“

Der Forscher macht in diesem Zusammenhang auf die Ziele der Nationalparks aufmerksam:

„Der Sinn der Nationalparks ist es, die Natur zu schützen. Dies ist auch im Naturschutzgesetz verankert. Der Naturschutz hat in einem Nationalpark die höchste Priorität, sei es die Natur im Sinne von Wildnis oder die von Menschen geprägte Natur.“

Foto: Ferdinand Hauser,  Radio Prague International
Autoren: Martina Schneibergová , Vladimír Kroc | Quelle: Český rozhlas
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