„Zerstörung der Wälder“: Naturschützer entsetzt über Entwurf eines neuen Nationalpark-Gesetzes

Žofínský prales (Sophien-Urwald)

Es sei ein Rückfall um 30 Jahre, also in die ultraliberale Nachwendezeit. So sehen die Leiter der tschechischen Nationalparks den Entwurf für ein neues Gesetz, das den Naturschutz in den von ihnen verwalteten Wildnislandschaften regeln soll. Warum sind sie und weitere Ökologen so entsetzt?

Die Leiter der vier Nationalparks in Tschechien schlagen Alarm. Sie sehen die Errungenschaften im Naturschutz bedroht. Denn im Abgeordnetenhaus wird derzeit über das neue Nationalparkgesetz beraten und entschieden.

Pavel Hubený | Foto: Štěpán Rosenkranz,  Nationalpark Šumava

„Gerade geht die erste Lesung zu Ende, und es sind viele Änderungsanträge eingereicht worden. Einige dieser Anträge sind so extrem und fürchterlich, dass sie im Fall ihrer Annahme zur völligen Zerstörung der derzeitigen Nationalparks und ihrer Wälder führen könnten“, so Pavel Hubený, der Leiter des Nationalparks Šumava im Böhmerwald, in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Besonders der Abgeordnete Jan Bureš von der größten Regierungskraft, der Demokratischen Bürgerpartei (ODS), wendet sich gegen die bisherige Rechtsordnung für die strengen Schutzzonen in den Parks. Dabei verweist der Parlamentarier auf die aktuellen Proteste der Anrainer gegen die Ausrufung des neuen Nationalparks Křivoklátsko in Mittelböhmen:

„Sie wollen den Nationalpark nicht, weil die Gemeinden eine schlechte rechtliche Stellung haben werden und der Leiter des Parks praktisch machen kann, was er will. Wir sollten uns damit befassen, wie die Lage der Gemeinden verbessert werden kann. Dafür einen Kompromiss zu finden, ist schließlich doch die Aufgabe der Politik.“

Bureš schlägt daher unter anderem vor, die bestehenden Abkommen mit den Gemeinden in allen Nationalparks noch einmal neu auszuhandeln. Und der studierte Ökonom will auch das grundlegende Konzept in den strengsten Schutzzonen kippen. Das sieht vor, dass der Mensch gerade nicht eingreift, selbst wenn der Wald durch Schädlinge wie den Borkenkäfer oder Windbruch angegriffen ist. Jan Bureš hält einen solchen Wald aber nicht mehr für ein funktionierendes Ökosystem und will selbst dort die Holzfäller arbeiten lassen.

Das ist auch für das Umweltministerium starker Tobak.

„Einige Änderungsanträge einzelner Abgeordneter sind inakzeptabel, weil sie den Betrieb der Nationalparks auch aus der Sicht internationaler Standards und Prinzipien des Naturschutzes bedrohen“, so Ministeriumssprecherin Veronika Krejčí.

Ein weiterer Änderungsantrag betrifft beispielsweise die Durchfahrten für die Feuerwehr und entsprechende Eingriffe in den Wald. Dem Vorschlag nach soll ein dichtes Netz an Wegen für den Brandschutz entstehen. Auch da stehen den Verantwortlichen die Haare zu Berge. Jakub Kašpar ist Koordinator der Vereinigung tschechischer Nationalparks. Er sagt, dass dies allein im Riesengebirge mehrere Hundert Millionen Kronen an Kosten bedeuten würde…

„Und das im Fall eines Nationalparks, in dem es in den vergangenen 20 Jahren nur 18 Mal auf einer Fläche von zehn Quadratmetern gebrannt hat“, betont Kašpar.

Aber nicht nur das: Laut demselben Änderungsantrag sollen auch Feuerwehrleute im Nationalpark-Rat ihren Platz erhalten und ihre Maßnahmen ohne Einspruchsmöglichkeit der Verwaltung durchsetzen können. In diesem Punkt hat das Umweltministerium allerdings schon eine andere Lösung gefunden. Sprecherin Krejčí:

„Es ist nicht möglich, eine Novelle in einer Form zu verabschieden, die letztlich den Naturschutz bedrohen würde. Deswegen haben wir uns mit der Generaldirektion der Berufsfeuerwehr und dem Innenministerium auf eine Novelle des Feuerwehrgesetzes geeinigt, die von der tschechischen Regierung auch schon angenommen wurde.“

Jaromír Bláha von Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen / Friends oft he Earth), der mitgliederstärksten Naturschutzorganisation hierzulande, ist Experte für die Wälder in den Nationalparks. Er halte den Gesetzentwurf für einen der schlechtesten, den er je gelesen habe, sagt der Experte...

„Ich kann gar nicht glauben, dass in der heutigen Zeit ein zurechnungsfähiger Parlamentarier vorschlagen kann, unsere Nationalparks, also im Prinzip unsere Naturschätze zu zerstören“, so Bláha.

Die Gesetznovelle über die Nationalparks soll bereits kommende Woche im tschechischen Abgeordnetenhaus in die zweite Lesung gehen.

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