Von Prag nach Wien: Canalettos Stadtansicht von London im Kunsthistorischen Museum
Die berühmten Stadtansichten der venezianischen Meister Canaletto und Bellotto stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Kunsthistorischen Museum in Wien. Unter den internationalen Leihgaben findet sich auch ein Gemälde aus Tschechien.
Das Gemälde „Die Themse am Lord Mayor’s Day“ von Giovanni Antonio Canal (besser bekannt als Canaletto) ist letzte Woche vom Lobkowicz-Palast auf der Prager Burg nach Wien gereist. Das um 1748 geschaffene Gemälde gehört zu den berühmten Stadtansichten von Canaletto, die im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung des Kunsthistorischen Museums stehen – und zwar zusammen mit Werken seines Neffen Bernardo Bellotto. Dieser nannte sich oft ebenfalls Canaletto, um die Verbindung zu seinem berühmten Onkel herauszustreichen.
Die Stadtansicht stammt aus der Gemäldesammlung der Familie Lobkowicz, die normalerweise im Lobkowicz-Palast auf der Prager Burg zu sehen ist. Der Maler hielt darauf London und die Themse voller Boote fest, darunter auch das Ruderboot des Londoner Bürgermeisters. Während eines Festes musste es flussaufwärts fahren, damit der Bürgermeister in Westminster den Eid ablegen konnte. Die Sammlung Lobkowicz umfasst neben diesem Bild noch Canalettos Ansicht der britischen Metropole vom Lambeth Palace. Der in England ansässige venezianische Meister schuf beide Ölgemälde auf Leinwand im Auftrag von Prinz Ferdinand Philipp von Lobkowicz, der die Werke von London nach Böhmen brachte. „Er kannte Canalettos frühere Gemälde und zögerte nicht, zwei Veduten von London bei Canaletto in Auftrag zu geben“, sagte die Kuratorin der Sammlung Lobkowicz, Dita Baker, gegenüber der Presseagentur ČTK.
„Die Themse am Lord Mayor’s Day“ reiste 2012 von Prag nach London, wo das Bild Teil der Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. war. Die jetzige Leihgabe nach Wien ist laut William Lobkowicz die dritte Zusammenarbeit zwischen den Familiensammlungen und dem dortigen Kunsthistorischen Museum: 2018 wurde „Die Heuernte“ des flämischen Renaissance-Malers Pieter Bruegel des Älteren ausgeliehen, und 2020 folgten Artefakte im Zusammenhang mit Ludwig van Beethoven anlässlich dessen 250. Geburtstags.
Die Kunstsammlungen des Roudnicer Zweigs der Familie Lobkowicz zählen zu den ältesten, umfangreichsten und wertvollsten Familiensammlungen Europas. Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehrere der Kunstwerke von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und später in den Besitz des tschechoslowakischen Staates überführt. Die Familie bekam sie im Rahmen der Restitutionen in den 1990er Jahren zurück.
Die Ausstellung „Canaletto & Bellotto“ mit Werken von zwei der berühmtesten Städtemaler des 18. Jahrhunderts wird im Kunsthistorischen Museum in Wien am 24. März eröffnet. Sie dauert bis 9. September 2026.







