Ukraine-Engagement geehrt: Antiquar aus Litoměřice erhält Preis der Stiftung Charta 77

Aleš Dubský

In Tschechien gibt es Tausende Menschen, die sich ehrenamtlich für die Ukraine einsetzen. Einer von ihnen ist der Antiquar Aleš Dubský aus Litoměřice. Für sein Engagement wurde er nun mit dem František-Kriegel-Preis der Stiftung Charta 77 ausgezeichnet. Dieser wird für außergewöhnliche Verdienste im Kampf für Menschenrechte, bürgerliche Freiheiten, nationale Unabhängigkeit, Souveränität und Demokratie verliehen.

Eigentlich könnte Aleš Dubský ein bescheidenes und ruhiges Leben als Antiquar im nordböhmischen Städtchen Litoměřice führen. Doch seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine fährt er einmal im Monat ins Kriegsgebiet, um Hilfsgüter in den Süden und Osten des Landes zu bringen.

„Bei einer meiner letzten Reisen habe ich ein Auto hingebracht. Und neulich war ich mit einem Transporter dort. In diesem waren Güter für Soldaten, Zivilisten, Ärzte und Tierheime.“

Für sein ehrenamtliches Engagement wurde Dubský nun am Donnerstagabend im Prager Nationalmuseum der František-Kriegel-Preis der Stiftung Charta 77 verliehen. Die Auszeichnung wurde 1987 von einem Exil-Tschechen ins Leben gerufen. Sie geht an Menschen, die ihre Karriere oder gar ihr Leben riskieren, um Ziele zu verfolgen, die humanistischen Idealen, demokratischen Werten und den Menschenrechten entsprechen. Der Preis ist nach dem tschechischen Arzt und Politiker František Kriegel benannt, der 1968 aus Protest gegen den Einmarsch der Sowjets in Prag das Moskauer Protokoll nicht unterzeichnete.

Der in diesem Jahr mit dem Menschenrechtspreis geehrte Aleš Dubský zeigte sich am Donnerstag überrascht und erfreut über die Ehrung. Vor der Preisverleihung, an der er wegen einer Auslandsreise nicht teilnehmen konnte, sagte er dem Tschechischen Rundfunk:

„Ich bin immer noch geschockt. Als ich von dem Preis gehört habe, habe ich gleich überlegt, ob er nicht übertragbar ist. Denn ich kenne viele Menschen, die ihn mehr verdient hätten als ich.“

Bei seinen Reisen in die Ukraine hat Dubský neben Futter für verwaiste Hunde etwa auch medizinisches Material oder gebrauchte Computer für Kinder im Gepäck. Die Hilfsgüter treibt er nicht nur in Tschechien, sondern in ganz Europa auf. Den Schwerpunkt seines Interesses bilden Autos:

„Diese dienen von Anfang an etwa zum Verteilen humanitärer Hilfe, aber auch als Krankenwagen direkt an der Front. Vor allem werden sie von Medizinern genutzt.“

Die Kosten für den Transport stemmt Dubský zum Großteil aus eigener Tasche. Die Hilfsgüter stammen oft von Privatleuten, oder sie werden durch Spendensammlungen finanziert. Mitunter schreibt Dubský auch die Verkäufer von Gebrauchtwagen direkt an.

„Wenn es ein interessantes Inserat gibt, das Auto aber zu teuer ist, wende ich mich an den Besitzer und erläutere ihm, wofür das Fahrzeug genutzt werden soll und dass es vielleicht Leben retten kann.“

Nicht selten hat der engagierte Antiquar damit Erfolg, und die Verkäufer gehen mit dem Preis nach unten.

Petra Procházková | Foto: Karolína Němcová,  Tschechischer Rundfunk

Petra Procházková sitzt in der Jury des František-Kriegel-Preises. Sie sagte am Donnerstag:

„Wir haben uns in diesem Jahr entschieden, die individuelle Heldentat von Herrn Dubský zu würdigen. Der Preis geht symbolisch aber auch an alle anderen, die seit 2022 den notleidenden Menschen in der Ukraine helfen.“

Die Direktorin der Stiftung Charta 77, Jolana Voldánová, betonte im Gespräch mit dem Tschechischen Rundfunk, dass die Auszeichnung der Organisation auch fast 40 Jahre nach der Gründung noch eine Daseinsberechtigung habe:

Jolana Voldánová | Foto: Štěpán Ron,  Tschechischer Rundfunk

„Ich halte es für wichtig, Menschen sichtbar zu machen, die Mut an den Tag legen und sich für die Rechte anderer einsetzen, obwohl sie negative Folgen zu befürchten haben. Das ist auch heute noch wichtig.“

Bisher ging der František-Kriegel-Preis unter anderem an den einstigen Dissidenten Jaroslav Šabata, den Liedermacher Karel Kryl oder den Regimegegner und späteren tschechischen Premier Petr Pithart. Vergangenes Jahr erhielt die Roma-Aktivistin Elena Gorolová die Auszeichnung.

Autoren: Ferdinand Hauser , Sára Adamcová | Quelle: Český rozhlas
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