Herrscher, Mythen und tschechische Staatlichkeit – Große Ausstellung über die Přemysliden in Prag
Bis heute noch ranken sich viele Mythen um die Dynastie der Přemysliden. Dabei war es dieses Adelsgeschlecht, dass die erste Staatlichkeit auf tschechischem Boden entstehen ließ und das Königreich Böhmen gründete. Die Přemysliden und ihre Zeit stehen nun im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in Prag.
Die Schau ist im historischen Gebäude des Nationalmuseums untergebracht. Museumsleiter Michal Lukeš sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Die Ausstellung erzählt die ganze Geschichte des Adelsgeschlechts der Přemysliden – von der Zeit der Mythen bis ins Jahr 1306, als Wenzel III. ermordet wurde. Aber in unserer Schau geht es auch darum, dass es weiter viele Rätsel und Fragen gibt, die wir nicht beantworten können.“
Über 900 Exponate zeigt die Ausstellung, sie wurden von 70 Museen und weiteren Institutionen aus dem In- und Ausland zur Verfügung gestellt. Einige der Stücke sind erstmals in Tschechien, andere sogar erstmals überhaupt zu sehen. Zu den seltenen Exponaten gehört zum Beispiel ein Teil des Grabtuches der Ludmilla von Böhmen, der ersten christlichen Herrscherin und ersten Heiligen des Landes.
Goldkrone aus Schatzfund
Doch welches sind für die Besucher vielleicht die attraktivsten Ausstellungsstücke? Jiří Militký ist Mitautor der Přemysliden-Schau:
„Mit großer Wahrscheinlichkeit sind es die Krönungsinsignien. Wir haben hier drei unterschiedliche Sammlungen. Zum einen ist das der Grabschmuck von Přemysl II., außerdem die Krone sowie Apfel und Schwert aus dem Grab Rudolf I. von Böhmen, der 1307 starb. Und die größte Attraktion ist die Original-Goldkrone aus dem Schatz von Środa Śląska (auf Deutsch Neumarkt in Schlesien, Anm. d. Red.), der um das Jahr 1350 versteckt wurde. Dabei birgt die Krone ein Geheimnis. Wir können nämlich nicht sagen, wem sie gehört hat.“
In Frage kommen Militkýs Worten nach etwa Elisabeth von Böhmen, also die Mutter von König Karl IV., oder Elisabeth Richza von Polen, aber auch Blanca Margarete von Valois, die Ehefrau von König Karl IV. Vermutlich hat genau dieser Herrscher die Krone und weitere Kleinodien an einen jüdischen Kaufmann der Stadt verpfändet, um sich das Geld für seine Bewerbung auf den Kaiserthron zu beschaffen.
Böhmische Länder vereinigt
Ein weiteres bedeutendes Ausstellungsstück ist das Schwert von Přemysl Ottokar II. Der Legende nach soll der böhmische König mit dieser Waffe in der Schlacht auf dem Marchfeld gekämpft haben, bei der er ums Leben kam. Sein Reich erstreckte sich vor der Schlacht im Jahr 1278 von Nordböhmen bis zur Adria. Damals befand sich die Macht der Přemysliden bereits im Niedergang…
„Dieses Adelsgeschlecht steht für eine 400-jährige Dynastie. Sie kam während der frühmittelalterlichen Entstehungsphase der Königreiche im 9. Jahrhundert an die Macht. Im 10. Jahrhundert vereinte sie dann alle Böhmischen Länder unter ihrer Herrschaft und war mit dem Heiligen Römischen Reich verbunden. Im 13. Jahrhundert wurde das Böhmische Königreich sogar ein sehr bedeutendes Gebiet auf der Landkarte des erweiterten Mitteleuropas“, so Militký.
Zu dieser Stellung trug der Fund von Silbervorkommen im mittelböhmischen Kutná Hora / Kuttenberg bei.
Die Ausstellung ist auf vier Säle aufgeteilt. Sie nutzt auch die heutigen Möglichkeiten der Belebung von Bildern. Die früheste Zeit der Přemysliden, die Mitte des 9. Jahrhunderts mit Bořivoj I. begann, ist dabei vor allem durch archäologische Funde dokumentiert.
Die Ausstellung „Die Přemysliden. Eine Herrscherdynastie und ihre Zeit“ (Přemyslovci. Panovnická dynastie a její doba) ist im Nationalmuseum in Prag zu sehen. Sie läuft noch bis 15. Oktober. Die Begleittexte sind auf Tschechisch und Englisch. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr.
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