Hochwasser, Hackerangriff, Stromausfall: Tschechische Firmen investieren in Krisenvorbereitung

Ganz gleich ob Naturkatastrophe, Stromausfall oder Datenklau – Risiken für Firmen gibt es so einige. Immer mehr Unternehmen in Tschechien investieren nun in Präventionsprogramme, um Krisensituationen vorzubeugen und im Falle des Falles handlungsfähig zu bleiben.

Für Extremsituationen seien in Tschechien vor allem größere Firmen gewappnet, sagt Jakub Janda, Direktor des sicherheitspolitischen Thinktanks Evropské hodnoty (Europäische Werte). Mitarbeiterstarke Konzerne seien oft nämlich Bestandteil der kritischen Infrastruktur und würden damit Hilfe vom Staat erhalten. Auch kleine Unternehmen würden in letzter Zeit aber Unterstützung bei seiner Organisation anfragen, um sich auf Krisenszenarien vorzubereiten:

Jakub Janda | Foto:  Tschechischer Rundfunk

„Je schlechter die geopolitische Lage ist, desto mehr Firmen wenden sich an uns oder ähnliche Akteure. Sie wollen einen Resilienzplan ausarbeiten oder üben, wie sie gegebenenfalls reagieren können. Wir arbeiten konkrete Strategien für einzelne Firmen aus, widmen uns mitunter aber auch mehreren Unternehmen auf einmal. Das Interesse ist riesig.“

Die Kunden stammen etwa aus dem Finanzwesen, dem Gesundheits- und Technologiesektor aber auch aus der Marketingbranche. Der Thinktank Evropské hodnoty bietet seine Seminare und Konzepte dabei nicht alleine an, sondern gemeinsam mit der Plattform PřipravmeSe! (Bereiten wir uns vor!). Zu dieser zählen auch der tschechische Verband für Industrie und Verkehr (SP ČR) oder das Centrum pro informovanou společnost (Zentrum für eine informierte Gesellschaft).

Auf der Website der Plattform kann man etwa nachlesen, dass im Falle eines Verkehrskollapses 40 Prozent der Angestellten nicht in die Arbeit kommen. Oder dass in der ersten Phase einer Krise 75 Prozent aller Zahlungstransaktionen ausfallen. Die Vorsorge auf Extremsituationen sei deshalb ein Konkurrenzvorteil, heißt es da. Die konkreten Szenarien, auf die bei den Seminaren und in den Strategiepapieren vorbereitet wird, umfassen Stromausfälle, Naturkatastrophen, immer öfter aber auch Hackerangriffe. Denn diese würden eine wachsende Gefahr für die Unternehmen darstellen, sagt Jan Pich vom Beratungsunternehmen EY:

„Die Angreifer verschlüsseln heute gar keine Daten mehr, sie stehlen sie nur noch. Vor allem geht es um den Klau geistigen Eigentums. Bei Produktionsbetrieben können das etwa technische Zeichnungen oder Schemata sein. Wenn eine Organisation nicht gut auf einen Angriff vorbereitet ist und dadurch lahmgelegt wird, kann sie binnen einiger Wochen quasi zu Grunde gehen.“

Die Sicherheitsvorkehrungen der tschechischen Firmen würden sich Pich zufolge stetig verbessern. Das schwächste Glied in der Kette seien aber weiterhin die Mitarbeiter, die etwa verdächtige E-Mail-Anhänge öffnen oder unbewusst Schadsoftware installieren würden, sagt der Experte.

Manch einer sieht zudem den Staat in der Pflicht, sich verstärkt um die Sicherheit der Firmen im Land zu kümmern. Jan Paťawa hat bis vor Kurzem das Kriseninformationsteam des tschechischen Innenministeriums geleitet. Dieses koordinierte etwa die offizielle Kommunikation während des verheerenden Hochwassers im September 2024 oder beim Stromausfall im vergangenen Jahr. Im März wurde das Team aber abgeschafft. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks bemängelt Paťawa derweil, dass der Staat die Krisenkommunikation seit Langem unterschätzt habe. An Initiativen wie die Informationsbroschüre „72 Stunden“ („72 hodin“), die vergangenes Jahr allen Haushalten im Land zugestellt wurde, müsse deshalb angeknüpft werden:

„Wir müssen zurück zu etwas, das wir ‚geteilte Sicherheit‘ nennen. Alle, die Teil des Staates sind, müssen daran teilhaben. Das meint natürlich die zentrale Ebene, die Kreise und Gemeinden. Aber auch die Bürger und eben die Firmen. Es sollte allen klarwerden, dass es nicht mehr ausreicht, die Hände in den Schoß zu legen und darauf zu warten, dass Hilfe kommt.“

Autoren: Ferdinand Hauser , Vít Andrle | Quelle: Český rozhlas
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