Prager Derby zwischen Slavia und Sparta: Platzsturm und Gewalt statt Meisterfeier

Videoaufnahmen aus dem Fußballstadion Eden in Prag waren am Wochenende weltweit zu sehen. Dabei ging es aber nicht um die Spielkunst der Fußballer von den Vereinen Slavia Prag und Sparta Prag im 317. tschechischen Fußball-Derby. Das Duell endete in Ausschreitungen, als Slavia-Fans den Platz stürmten und sowohl Spieler als auch Anhänger der gegnerischen Mannschaft angriffen. Die Partie wurde daraufhin abgebrochen. Und nun ermittelt die Polizei zu dem Vorfall.

Der Angriff auf Jakub Surovčík im Derby zwischen Slavia und Sparta | Foto: Pavel Mazáč,  Profimedia

Es hätte eine vorzeitige Feier des Titels für den Verein Slavia werden können, der in der Meisterrunde der tschechischen Liga acht Punkte Vorsprung auf Verfolger Sparta hatte. Doch nur drei Minuten vor dem planmäßigen Spielende, beim Stand von 3:2 für Slavia, rannten Hunderte Anhänger des Vereins auf den Platz und attackierten unter anderem Sparta-Torwart Jakub Surovčík. Gleichzeitig warfen sie Feuerwerkskörper in den Sparta-Fanblock. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Dazu werden derzeit noch die Aufnahmen der Überwachungskameras ausgewertet, so der Prager Polizeisprecher Richard Hrdina.

„Derzeit läuft eine Auswertung, und es ist nicht auszuschließen, dass es zu weiteren Strafverfolgungen kommen wird. Wir beschäftigen uns auch mit dem massiven Einsatz von Pyrotechnik.“

Der Polizeisprecher sagte außerdem, dass die Organisatoren die anwesenden Polizisten nicht um ein Eingreifen gebeten hätten:

„Die Polizei ist für die Fans und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und für die Sicherheit vor und nach dem Spiel verantwortlich. Was im Stadion geschieht, liegt in der Verantwortung des Veranstalters. Wir unterstützen ihn, greifen aber nur ein, wenn er uns dazu auffordert. Während des gestrigen Spiels befanden sich die Polizisten vor Ort und haben auf Anweisungen des Veranstalters gewartet. Diese kamen aber nicht.“

Foto: Vít Šimánek,  ČTK

Die Polizei reagierte schließlich aus eigener Initiative, als Spieler auf dem Spielfeld angegriffen wurden und das Leben und die Gesundheit anderer Fans bedroht waren.

Der Fall liegt jetzt bei der Disziplinarkommission der Liga. Dem Heimverein Slavia drohen Disziplinarmaßnahmen und auch eine Geldstrafe von zehn Millionen Kronen (411.000 Euro) oder die Schließung des Stadions. Zudem könnte das Spiel für Slavia als verloren gewertet werden. Der Kommissionsvorsitzende Jiří Matzner:

„Die Disziplinarordnung sieht die Möglichkeit eines Punktabzugs vor. Dieser Schritt kann nach einer Schließung des Stadions oder einem Spielabbruch folgen.“

Die Kommission soll am Dienstag über die Strafe entscheiden. Ihr ehemaliger Vorsitzender Richard Baček sagte gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, dass der veranstaltende Verein Slavia die volle Verantwortung trage.

Foto: Vít Šimánek,  ČTK

„Sie zünden Streichhölzer neben einem Strohhaufen an und sind dann überrascht, wenn Gießkannen zur Löschung des Brandes nicht reichen. Hier wird die Zusammenarbeit mit den Fans komplett vernachlässigt, man zieht sich zurück und entschuldigt schlichtweg das Fehlverhalten sowohl der Fans als auch einiger Mitglieder des Funktionsteams. Die Verantwortung liegt klar auf der Hand.“

Laut dem Sprecher des Fußballvereins Sparta, Ondřej Kasík, ist dem Vorfall jahrelanges Schüren von Hass seitens Slavia vorausgegangen:

„Erst beim letzten Derby, vor dem der ehemalige Slavia-Kapitän Simon Deli im Rahmen einer Zeremonie vor dem Eden-Stadion seine Karriere beendet hat, sagte er ins Mikrofon: ‚Tod für Sparta‘ – und dies zur großen Belustigung der Anwesenden.“

Slavia selbst ergriff allerdings bereits Maßnahmen nach dem jüngsten Vorfall. Ein Fan, der den Sparta-Torwart angegriffen hatte, erhielt lebenslanges Stadionverbot. Der Verein schließt zudem seine Nordtribüne, über die die Fans nach dem Derby am Samstag das Spielfeld betreten haben. Zudem wurden zwei Spieler, Tomáš Chorý und David Douděra, aus dem Team ausgeschlossen. Im Derby hatten sie beide eine Rote Karte gesehen. Vereinschef Jaroslav Tvrdík erklärte dazu:

Jaroslav Tvrdík  (mit Mikrofon) | Foto: Pavel Mazáč,  ČTK

„Es ist für mich unvorstellbar, dass ein Spieler von Slavia Prag, insbesondere in einer so konkreten Situation, nachdem er bereits zwei Disziplinarstrafen erhalten hat, seinen Gegner mit dem Ellbogen angreift. Ein solches Verhalten werden wir nicht tolerieren. Tomáš Chorý ist offensichtlich nicht in der Lage, sein Verhalten zu kontrollieren. Und David Douděra hat kein Recht darauf, die Entscheidung des Schiedsrichters in Frage zu stellen. Zumal dies nicht das erste Mal passiert ist.“

Erwogen wird auch der Ausschluss der beiden Spieler aus dem Nationalteam für die anstehende WM.

David Trunda | Foto: Anna Duchková,  Tschechischer Rundfunk

Die Führung des Fußballverbands (FAČR) will nun die Regeln für den Zutritt von Fans zu den Stadien der Chance Liga ändern. FAČR-Präsident David Trunda erklärte am Sonntag gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, welche Schritte er nun in Zusammenarbeit mit den Vereinen und dem Ligaverband plant:

„Wir müssen prüfen, wie wir Stadionverbote effektiver durchsetzen können, wie wir Problempersonen besser identifizieren können, zum Beispiel durch Gesichtserkennung, ob alle Stadien über moderne Technologie verfügen und – nicht zu guter Letzt – die Verfahren zur Organisation risikoreicher Spiele vereinheitlichen. Gestern haben wir gesehen, was in Zukunft unbedingt vermieden werden muss.“

Autoren: Markéta Kachlíková , David Schalek
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