Petr Popelka mit dem Radio-Symphonieorchester und Weltpremieren im DOX: Prager Frühling beginnt

An diesem Dienstag, 12. Mai, wird im Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses das internationale Musikfestival Prager Frühling eröffnet. Es findet bereits zum 81. Mal statt.

Auf dem Programm des Prager Frühlings stehen in diesem Jahr 41 Konzerte, sechs Masterclasses, 18 Workshops sowie zwölf Begleitveranstaltungen. Eine davon ist der Art Salon des Prager Frühlings.

Das Festival wird traditionell mit dem Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana eröffnet. Diesmal spielt das Radio-Symphonieorchester Prag unter der Leitung seines Chefdirigenten Petr Popelka. Kurz vor dem Festivalbeginn entstand das folgende Gespräch mit dem Chefdirigenten des Orchesters.

Herr Popelka, halten Sie das Eröffnungskonzert des Prager Frühlings für eine Art feierlichen Abschluss Ihrer Arbeit als Chefdirigent des Radio-Symphonieorchesters Prag?

„Ja, dieses Eröffnungskonzert ist ein Höhepunkt im künstlerischen Leben in Prag – das Event des Jahres. Es ist auch eine Ehre, nach meiner vierjährigen Zusammenarbeit mit dem Rundfunksymphonieorchester das Festival eröffnen zu dürfen.“

Angeblich haben Sie eine besondere Beziehung zum Abschluss der sinfonischen Dichtung Blaník. Stimmt das?

Petr Popelka | Foto: Hana Görlichová,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Ja, absolut. Ich habe das Stück verhältnismäßig oft dirigiert, nicht nur mit tschechischen Orchestern, sondern auch in Deutschland, Japan und anderswo in der Welt. Auch wenn ein Ausländer nicht weiß, was sich historisch hinter Blaník oder Šárka verbirgt, spricht die Musik das Herz der Hörer an. Überall, wo das Werk gespielt wurde, konnten sich die Menschen mit der Musik gut identifizieren.“

Am bekanntesten aus dem Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ ist zweifelsohne die „Moldau“. Wie finden Sie sonst die Stellung des ganzen Werks in der Welt?

„Die ,Moldau‘ ist eines der am häufigsten gespielten Stücke in der Musikgeschichte. Sie ist sehr populär geworden und überall bekannt. Der ganze Zyklus wird im Ausland schon seltener aufgeführt, aber die Musik spricht eine internationale Sprache. Egal, wo sie gespielt wird, wird sie verstanden.“

Sie nehmen nicht nur als Dirigent am Festival teil, sondern auch als Komponist…

„Ich habe für den Wettbewerb des Prager Frühlings ein Pflichtstück für die Flötisten geschrieben. Alle Teilnehmer müssen sich also mit meiner Komposition quälen…“

Petr Popelka  (in der Mitte) | Foto: Hana Görlichová,  Musikfestspiele Prager Frühling

Live-Übertragungen des Eröffnungskonzerts im Ausland

Das Eröffnungskonzert des Prager Frühlings können die Musikliebhaber in 24 Ländern der Welt in einer Live-Übertragung hören. Dies ist dank dem Netz der Tschechischen Zentren möglich geworden. Die Vertreter des Festivals unterzeichneten nämlich vor kurzem mit den Tschechischen Zentren ein Memorandum über die Zusammenarbeit. Gegenüber Radio Prag International äußerte sich dazu Jitka Pánek Jurková. Sie ist die Generaldirektorin der Tschechischen Zentren.

Jitka Pánek Jurková | Foto: Hana Görlichová,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Wir sind davon überzeugt, dass das Beste der tschechischen Kultur den Interessenten in aller Welt vermittelt werden sollte. Die Teams von meinen Mitarbeitern in 26 Ländern haben Kontakte zu denjenigen, die sich für die tschechische Kultur besonders interessieren. Wir wissen, dass die Übertragungen ein erfolgreicher Trend sind. Ich würde beispielsweise die Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera in New York erwähnen, die während der Jahre sehr beliebt geworden sind. Und nun wollten wir auch den Zuschauern und Hörern im Ausland die Gelegenheit bieten, den Prager Frühling mitzuerleben.“

In welchen Ländern wird das Eröffnungskonzert zu hören sein? Jitka Pánek Jurková:

„Live wird es in Kinos in Wien, London, Belgrad und Bratislava übertragen. Mit zwei Tagen Verspätung wird das Konzert dann in Tokio gesendet. Dort ist die Kapazität des Saals schon voll, was uns natürlich sehr freut. In Tokio wird anschließend die neue Doku über den Prager Frühling gezeigt. Außer den Live-Übertragungen in den Kinos übertragen wir das Konzert auch in den sozialen Medien.“

Im Fokus steht laut der Generaldirektorin das Eröffnungskonzert. Die einzelnen Tschechischen Zentren bereiten außerdem Begleitprogramme zum Festival vor.

„Dazu gehört der Dokumentarfilm über das Festival. Es werden auch Diskussionen veranstaltet. Möglicherweise werden auch weitere Filmvorstellungen organisiert. Dies hängt vom jeweiligen Team des zuständigen Zentrums ab.“

Premieren beim Prague Offspring

Im Rahmen des Projekts Prague Offspring werden beim Prager Frühling zum 5. Mal aktuelle Trends der Gegenwartsmusik präsentiert. Die Konzerte, Masterclasses und Diskussionen finden am 30. und 31. Mai im Zentrum für Gegenwartskunst DOX statt. Das deutsche Ensemble Modern ist das Residenzensemble von Prague Offspring. Es spielt unter der Leitung von Ilan Volkov. Die Residenzkomponistin ist diesmal Unsuk Chin.

Aber nicht nur beim Prague Offspring erklingen einige Werke beim Festival zum ersten Mal. Wie viele Premieren gibt es insgesamt beim Prager Frühling? Der künstlerische Leiter des Festivals, Josef Třeštík, sagte gegenüber Radio Prag International:

„Für den Wettbewerb des Prager Frühlings entstanden zwei Kompositionen – eine davon schrieb Kryštof Mařatka und die andere stammt von Petr Popelka, dem Chefdirigenten des Radio-Symphonieorchesters Prag. Für das Projekt Prague Offspring schrieben tschechische und slowakische Komponisten insgesamt fünf Werke. Die größte, fast halbstündige Komposition für das Ensemble Modern stammt von Michal Nejtek. Er bearbeitet in seinem Werk Texte von Franz Kafka. Jiří Kadeřábek setzt sich wiederum mit dem Erbe der Corona-Pandemie auseinander. Er nannte seine Auftragskomposition ,Covid 19. Fury and Silence‘.“

Weitere neue Werke, die im Auftrag des Festivals entstanden sind, stammen von Tobiáš Horváth, Michaela Antalová und Patrik Kako.

Einige der Kompositionen, die letztes Jahr für den Prager Frühling geschrieben wurden, erklingen im Herbst im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Eine wichtige Rolle spiele dabei die lang andauernde Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern, sagte Josef Třeštík.

Josef Třeštík | Foto: Hana Görlichová,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Es ist für drei Jahre unser Residenzensemble. Das Ensemble Modern hat in Frankfurt seinen Sitz. Die Musiker kamen auf die Idee, im Rahmen ihrer Konzertreihe, die in der Alten Oper stattfindet, am 10. Oktober Kompositionen zu spielen, die sie letztes Jahr beim Prager Frühling in Weltpremiere aufgeführt haben. Wir haben die Organisatoren der tschechischen Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse kontaktiert und eine Zusammenarbeit während der Messe vereinbart. Ich freue mich sehr darüber. Denn manchmal dauert es sehr lange, bis neue Kompositionen nach ihrer Uraufführung nochmals erklingen. Es bedeutet uns viel, dass das renommierte Ensemble Modern Werke von Slavomír Hořínka, Pavel Šabacký und Barbora Tomášková spielen wird. Zudem freut mich, dass sich das Ensemble entschieden hat, auch die ,Huldigung an Vladimír Holan‘ von Marek Kopelent aufzuführen.“

Michal Nejtek und „Die Hintergedanken“ von Kafka

Michal Nejtek | Foto: Hana Görlichová,  Musikfestspiele Prager Frühling

Im Prager DOX erlebt die Komposition „Die Hintergedanken“ von Michal Nejtek ihre Weltpremiere. Wie der künstlerische Leiter des Prager Frühlings anmerkte, sei die Inspiration dafür das Werk Franz Kafkas gewesen. Der Titel stamme jedoch nicht von Kafka, sagte Michal Nejtek gegenüber Radio Prag International.

„Ich habe die Komposition selbst so benannt. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus Kafkas Tagebüchern. Ausgesucht habe ich den Text aus dem Grund, weil er mir nahesteht. Eigentlich suchte ich ihn erst in dem Augenblick, als ich bereits mit der Arbeit an der Komposition begonnen hatte. Ursprünglich sollte sie nur instrumental sein. Während der Arbeit kam ich aber zu dem Schluss, dass ich ein Pendant zu meiner Musik brauche, das auch mit den Problemen jedes Schöpfers zusammenhängt. Der Text von Kafka erfüllte meine Vorstellung. Der Pianist des Ensembles Modern, Hermann Kretzschmar, wird den Text vorlesen.“

Das Festival Prager Frühling findet vom 12. Mai bis 4. Juni statt. Für einige Konzerte gibt es noch Restkarten. Mehr erfahren Sie unter www.festival.cz.

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