Das „kleine tschechische Krankenhaus“: Seit 18 Jahren als Ärztin in Zittau
Doktor Ilona Veselá pendelt jeden Tag aus dem tschechischen Liberec zu ihrer Arbeit im sächsischen Zittau. Als Oberärztin leitet sie im dortigen Krankenhaus die Abteilung für Innere Medizin. Im Interview spricht sie über ihren Alltag, die Entwicklung des Klinikums und darüber, warum Geld heute nicht mehr der Hauptgrund für den Wechsel nach Deutschland ist.
Der Weg nach Deutschland
Nach ihrem Studium in Tschechien und einem Auslandsjahr in Berlin entschied sich Ilona Veselá vor 18 Jahren für den Schritt nach Deutschland. Ausschlaggebend waren damals der Erfahrungsbericht einer Studienfreundin und der große Gehaltsunterschied zwischen den beiden Ländern. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch blieb Veselá im Klinikum Zittau, wo sie heute eine Station mit 30 Betten leitet und Assistenzärzte ausbildet.
Kaum Unterschiede in der medizinischen Qualität
Echte Unterschiede zwischen dem deutschen und dem tschechischen Gesundheitssystem sieht die Medizinerin kaum. Beide Systeme seien hervorragend und international anerkannt. Ein Gegensatz zeigt sich jedoch im Bereich der Altenpflege: Aufgrund der günstigeren Konditionen ziehen viele Pflegebedürftige im Alter von Westdeutschland nach Sachsen. In Tschechien ist das Angebot jedoch geringer. Das Problem des Ärztemangels in ländlichen Regionen kennt man dagegen in beiden Ländern gleichermaßen.
Das Klinikum Zittau wird tschechischer
In den vergangenen 18 Jahren hat sich die Belegschaft im Zittauer Krankenhaus stark verändert. Heute arbeiten tschechische Mediziner in fast allen Fachbereichen und auf allen Hierarchieebenen – vom Assistenzarzt bis hin zum tschechischen Chefarzt, der die Intensivstation leitet. Das Haus gleicht laut Veselá mittlerweile einem „kleinen tschechischen Krankenhaus“.
Neue Motivationen für junge Ärzte
Während früher das Gehalt der Hauptgrund für den Arbeitswechsel über die Grenze war, haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen angeglichen. Zudem ist heute eine schwierige Sprachprüfung Pflicht. Junge tschechische Kollegen kommen laut der Oberärztin heute eher nach Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, Auslandserfahrung zu sammeln oder dem stressigen Alltag in tschechischen Großstadtkliniken zu entfliehen.
Akuter Personalmangel auf beiden Seiten der Grenze
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Der Mangel an medizinischem Fachpersonal trifft die deutsch-tschechische Grenzregion hart. Laut Ilona Veselá fehlen seit einigen Jahren vor allem Pflegekräfte. Die Arbeit im Krankenhaus verliert für junge Menschen an Attraktivität – bedingt durch den Schichtdienst, die Wochenendarbeit und die körperlich anstrengende Pflege der alternden Generation. Auf der tschechischen Seite der Grenze, etwa in Liberec, wird der Mangel zunehmend durch Personal aus der Slowakei und der Ukraine ausgeglichen. Obwohl in Tschechien viele Medizinstudenten ihren Abschluss machen, fehlt es in der Praxis an Bewerbern.
Herzensprojekt Diabetologie und Blick in die Zukunft
Ihre persönliche Erfüllung findet Oberärztin Veselá in der Diabetologie. Gemeinsam mit Kollegen aus der der Chirurgie hat sie in Zittau ein spezialisiertes Zentrum für das diabetische Fußsyndrom aufgebaut. Da Veselá einen Tag pro Woche in einer ambulanten Praxis arbeitet, kann sie ihre Patienten auch nach der Entlassung weiterbetreuen. Diese Kontinuität und die gesundheitlichen Fortschritte ihrer Patienten würden sie stark motivieren, sagt die Ärztin. Einen Wechsel zurück nach Tschechien plant sie vorerst nicht. Ilona Veselá ist mit ihrer aktuellen Doppelfunktion zwischen Klinik und Praxis rundum zufrieden.
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