Musiker fotografiert Musiker: Julian Lennon stellt in der Prager Leica Gallery aus
In der Leica Gallery in der Prager Neustadt sind derzeit Fotos zu sehen, deren Autor einen berühmten Namen hat. Julian Lennon trat in den 1980er Jahren zunächst in die Fußstapfen seines Vaters, dem Beatle John Lennon, und nahm ab 1984 mehrere Alben auf. Inzwischen ist Julian Lennon auch als Fotograf bekannt, und einige seiner Schwarz-Weiß-Arbeiten stellt er nun dem tschechischen Publikum vor. In Prag war der Künstler schon öfter.
Seinen ersten Hit hatte Julian Lennon 1984. Die Musik wurde ihm mit seinem familiären Hintergrund quasi in die Wiege gelegt. Aber schon früh im Leben sei auch sein Interesse für die Fotografie geweckt worden, berichtet Lennon im Interview für Radio Prag International:
„Ein Impuls war das Aufkommen des Polaroid-SX-70-Apparates. Mit ihm konnte man das Foto sofort nach der Aufnahme sehen, das fand ich aufregend. Eine weitere Anregung kam von meinem guten Freund Timothy White, einem der weltbesten Fotografen von Stars. Er sah einige meiner Arbeiten und schlug vor, dass ich eine Ausstellung machen sollte. Ich dachte, er macht einen Witz.“
Die Schau kam aber tatsächlich zustande. 2010 waren dabei in New York vor allem Fotos zu sehen, die Julian Lennon von seinem Halbbruder Sean auf Tour gemacht hatte.
Erste Ausstellung in New York
Nur wenige Jahre zuvor hatte Julian Lennon zudem seine Stiftung The White Feather Foundation gegründet, die weltweit Umwelt-, Bildungs- und Gesundheitsprogramme unterstützt. Es sei auch ein Nebeneffekt dieses humanitären Engagements gewesen, dass er sich als Fotograf weiterentwickeln konnte, berichtet Lennon:
„Ich habe ein schlechtes Erinnerungsvermögen. Wenn ich für die Stiftung auf Dienstreisen in Kenia, Äthiopien oder Südafrika war, dann machte ich Fotos – nur um für mich die Abläufe zu katalogisieren, damit ich mich später daran erinnern konnte. Ich stellte dann aber fest, dass ich mich beim Fotografieren immer mehr auf die Erzählung der Geschichte konzentrierte. Mit diesen Erfahrungen begann ich dann, Kollektionen zusammenzustellen.“
Mosaik aus Reisen und Rockstars
Die Ausstellung in der Prager Leica Gallery trägt den Titel „Mozaika“ (Mosaik). Sie besteht aus Fotos, die Julian Lennon in seinem umfassenden Buch „Life’s Fragile Moments“ (Die fragilen Momente des Lebens) veröffentlicht hat. Die Aufnahmen darin sind in einem Zeitraum von 17 Jahren entstanden.
Thematisch zeigt der Autor in dem Bildband und auch in der Ausstellung zum einen Eindrücke von seinen Reisen. Zum anderen sind berühmte Musikerkollegen zu sehen, wie etwa Sting oder Bono Vox von U2. Trotz seiner eigenen Karriere als Sänger sehe er sich selbst nicht unbedingt als Rockstar, betont Lennon:
„Ich bin ein schrecklich ängstlicher und nervöser Mensch, das war ich früher schon. Darum musste ich eine besondere Kraft und ein spezielles Auftreten entwickeln, um damit umgehen zu können. Das gilt auch für Interviews wie dieses – gerade heute Morgen hatte ich einen kleinen Panikanfall. Ich kann durchaus den Showman machen. Aber das ist eine andere Seite von mir, an der ich arbeiten muss. Dies alles erlaubt mir jedoch in Beziehung zu anderen Künstlern, ihre Sensibilität zu verstehen.“
Darum verhalte er sich als Fotograf möglichst zurückhaltend und mache seine Aufnahmen eher aus einer Distanz heraus, erläutert Lennon. Er selbst könne seine Schüchternheit hinter der Kamera ablegen, was ihn glücklich mache, fügt der Künstler hinzu.
Früherer Eindruck von Prag: widerlich
Zur Vernissage von „Mozaika“ kam vergangene Woche auch Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel in die Leica Gallery. Es besteht also ein spürbares Interesse an Julian Lennon und seiner Arbeit. Dies beruhe durchaus auf Gegenseitigkeit, wirft der 63-Jährige ein:
„Ich war schon einige Male in Prag. Ich finde, die Stadt ist wunderschön. An meinen ersten Besuch vor 15 oder 20 Jahren habe ich nicht ganz so tolle Erinnerungen – wegen der vielen Partys zum Junggesellenabschied. Vor allem die englischen Halunken liefen halbnackt und völlig betrunken herum. Es war widerlich, sogar für jemanden aus Großbritannien.“
Heute kann Lennon bei dieser Vorstellung lachen. Denn schließlich habe sich Prag zum Positiven verändert...
„Als ich später wieder herkam, war ich erstaunt, wie sauber die Stadt geworden ist. Es gibt heute viel mehr tolle Restaurants mit einheimischer und anderer Küche. Außerdem liebe ich Spaziergänge, und Prag ist eine echte Fußgängerstadt. Man kommt viel herum, und ich kann den Ort auf diese Weise ungemein genießen.“
Natürlich sei die Architektur herrlich, fügt der Künstler dazu an.
Auch wenn er sich aktuell vor allem mit seinen Fotografien präsentiert, hat Julian Lennon die Musik noch nicht ganz aufgegeben. Seine Alben veröffentlicht er inzwischen in großen zeitlichen Abständen. Das bisher letzte hieß „Jude“ und kam 2022 heraus. Zudem schreibt Julian Lennon Kinderbücher, und auch auf diesem Gebiet dürfte er in Prag viel Inspiration finden. Denn sehr wahrscheinlich war sein Besuch Mitte Juni nicht der letzte in der Stadt. Sie habe schließlich viel zu bieten, betont Lennon und erwähnt zudem seine persönlichen Kontakte:
„Ich bin sehr dankbar, dass ich hier auch einen Freund habe. Denn das gibt mir einen Grund mehr, mal wiederzukommen.“
Die Fotoausstellung „Mozaika“ läuft noch bis 6. September. Die Leica Gallery in der Straße Školská 28 ist montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr geöffnet und am Wochenende jeweils von 11 bis 18 Uhr. Alle weiteren Informationen finden Sie auf Tschechisch und Englisch unter www.lgp.cz.







