Inspirierte sie Liedermacher Karel Kryl? Beschädigte Engelfigur kehrt ins Kloster Ostrov zurück
Die kleine Engelfigur befand sich früher auf einem der Altäre in der Klosterkirche im westböhmischen Ostrov. Das Barockareal diente während der kommunistischen Zeit der tschechoslowakischen Armee und verfiel zusehends. Nun kehrt die kleine Engelplastik nach Jahrzehnten nach Ostrov zurück.
Das frühere Klosterareal befindet sich am westlichen Rand der historischen Stadt Ostrov (deutsch Schlackenwerth). Seine Barockgebäude dienen heute als Kulturzentrum. Dieses wird von Petra Šístková geleitet. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks stellte sie die ehemalige Klosterkirche vor:
„Die Kirche Mariä Verkündigung wurde im 17. Jahrhundert erbaut. In den 1950er Jahren wurde sie geplündert, als die Tschechoslowakische Volksarmee einrückte und den Ort vollständig ruinierte.“
Erst Anfang des 21. Jahrhunderts habe man mit der Sanierung des Barockareals angefangen, schildert Šístková:
„Hier war so gut wie nichts erhalten – nur die Überreste eines Altars und ein Stück einer Kirchenbank. Alles andere musste nachgemacht werden.“
Die Kirche wurde also instandgesetzt. Und nun kehrt auch eine kleine Engelfigur dorthin zurück. Sie ist das einzige gerettete Stück des gesamten ehemaligen Mobiliars.
Der Bürgermeister von Ostrov, Pavel Čekan (parteilos), denkt, dass ein Wehrpflichtiger vor Jahren die Engelfigur aus der Kirche mitnahm, um sie vor weiterer Zerstörung zu bewahren.
„Wir besitzen sogar eine historische Fotografie, die genau zeigt, wo sich der Engel ursprünglich befand und von welchem Altar er heruntergenommen wurde. Es ist eine wunderbare Geschichte: Jemand nahm ihn damals mit, um ihn zu retten – und nun nach rund 50 Jahren bringt man ihn zurück.“
Das Kunstwerk wurde daraufhin in die Obhut des Kastellans des südböhmischen Schlosses Červená Lhota, Tomáš Horyna, gegeben. Dieser habe auch die Rückführung der kleinen Statue veranlasst, erzählte Bürgermeister Čekan.
„Die polychrome Statue ist teilweise beschädigt und wird daher restauriert. Es wird ein Sockel angefertigt, damit der Engel selbst ausgestellt und seine Geschichte dazu präsentiert werden kann. Er wird hier in der Kirche gezeigt.“
Die beschädigte Engelstatue könnte laut dem Bürgermeister einst dem Dichter und Liedermacher Karel Kryl als Inspiration für sein bekanntes Lied „Anděl“ („Engel“) gedient haben.
„So wird es wenigstens erzählt. Wir haben die Geschichte auch von Kastellan Horyna gehört. Nachdem belegt wurde, dass die Plastik aus unserem Kloster stammt, hat der Kastellan sie der Stadt Ostrov übergeben.“
Auf Schloss Červená Lhota, wo das Kunstwerk zwischenzeitlich aufbewahrt wurde, wurde es von Regisseur Josef Císařovský entdeckt. Er dreht derzeit eine Doku über Karel Kryl. Kastellan Horyna bekam die Engelstatue vor Jahren vom Ehepaar Martinec. Die Eheleute waren einst Kryls Mitschüler. Der Liedermacher und Dichter Karel Kryl (1944–1994) war die wichtigste Persönlichkeit des antikommunistischen Protestsongs. Einige Generationen von Tschechen sind mit seinen Liedern aufgewachsen. 1969 beantragte Kryl politisches Asyl in Westdeutschland. Der „Dichter mit der Gitarre“, wie er genannt wurde, konnte erst nach der Wende von 1989 seine Heimat erstmals wieder besuchen.
Die Stadtverwaltung von Ostrov will die detaillierte Geschichte der kleinen Statue erst am 21. August vorstellen – dem 58. Jahrestag des Einmarsches der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei.
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