Koalition gegen Trockenheit nimmt erneut Arbeit auf: Wie groß ist das Dürre-Problem in Tschechien?

Der Wasserstand des Orlická-Stausees ist auf ein Minimum gesunken

Seit Montag ist in Tschechien wieder die sogenannte Koalition gegen Trockenheit aktiv. Politiker und Klimaexperten beraten in den Gremium über Maßnahmen, um Dürre zu kompensieren und künftig zu vermeiden. Doch wie stark ist das Problem der Trockenheit hierzulande eigentlich?

Die Koalition gegen Trockenheit werde er persönlich leiten, verkündete Premier Andrej Babiš (Partei Ano) am Montag. Das politische Prag streitet sich gerade vor allem darum, ob die Reaktivierung dieses Gremiums, das es schon einmal ab 2018 gab, jetzt rechtzeitig oder zu spät komme. Dabei gehen faktische Informationen über das tatsächliche Dürre-Problem hierzulande oft unter.

Pavel Zahradníček vom Forschungszentrum für globale Veränderungen an der tschechischen Akademie der Wissenschaften sprach dazu am Montag in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Er interpretierte die Trockenheitskarte des Projektes Intersucho, die aktuell an vielen Stellen rot und dunkelrot gefärbt ist:

Pavel Zahradníček | Foto: Radim Strachoň,  MFDNES + LN / Profimedia

„Hinsichtlich der Bodentrockenheit wurde am Sonntag ein negativer Höhepunkt erreicht. Auf einem Viertel des Gebietes Tschechiens lag die Feuchtigkeit im Boden bei unter zehn Prozent. Jetzt ziehen Gewitter auf. Örtlich fielen schon 20 oder auch 40 Millimeter Regen, und im Wochenverlauf werden weitere Niederschläge erwartet. Es sollte also eine Verbesserung geben, zumindest vorübergehend.“

Dies wirke sich aber nur in der Bodenschicht bis 40 Zentimeter Tiefe aus. Der Trockenheit weiter unten kämen ein paar Regenschauer nicht bei, fügte Zahradníček hinzu.

Foto: Intersucho

Trockenheit herrscht seit Jahresbeginn

Auch aus historischer Sicht habe es Tschechien gerade mit einer der schlimmsten Dürreperioden der letzten beiden Jahrhunderte zu tun, so der Klimatologe weiter. Ähnliche Aufzeichnungen gebe es nur für die Jahre 1835, 2015 und 2020.

Foto: Lucie Suchánková Hochmanová,  Tschechischer Rundfunk

„Betrachten wir das aktuelle Jahr, dann dauert der Wassermangel im Boden auf 30 Prozent der Landesfläche von Tschechien schon seit Jahresbeginn an. Dieses Ausmaß ist wohl das schlimmste der letzten zwei Dekaden. Eine ähnliche Lage gab es nur 2003 und 2018.“

Ein Vertreter des Intersucho-Projektes sitzt nun auch mit in der Koalition gegen Trockenheit. Diese hat vier Milliarden Kronen (170 Millionen Euro) zur Verfügung, um Maßnahmen gegen Wassermangel zu ergreifen. Mitglied ist ebenfalls Marek Rieder, Leiter des Hydrometeorologischen Instituts (ČHMÚ). Zur Frage der Prioritäten sagte er:

Koalition gegen Trockenheit | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

„Aus der Sicht eines Hydrologen hat für mich immer die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser Vorrang. Dafür müssen wir alles tun. In Tschechien ist dies jeweils zu 50 Prozent abhängig von den oberirdischen und den unterirdischen Gewässern. Um oberirdisches Wasser vorrätig zu haben, braucht es robuste und große Stauanlagen. Für die unterirdischen Vorräte muss der Abfluss aus dem Boden verlangsamt werden.“

Der Bau von 20 neuen Stauseen, wie es die Regierung nun angekündigt hat, sei daher sinnvoll, wenn auch kein Allheilmittel, ergänzte Rieder.

Fluss Elbe | Foto: Ondřej Bičiště,  MF DNES,  LN/Profimedia

Stauseen helfen nur begrenzt

Vojtěch Kotecký vom Zentrum für Umweltfragen an der Prager Karlsuniversität bewertet den Effekt der Stausee-Pläne als begrenzt, zumal die meisten schon seit mehreren Jahren vorbereitet würden und nicht völlig neu seien:

Vojtěch Kotecký | Foto: Barbora Linková,  Tschechischer Rundfunk

„Die wenigen Stausee-Projekte, die jetzt hinzukommen, werden nur ausgewählten Regionen helfen. Sie haben keine breite Auswirkung auf die ganze Republik. Es wird keine neuen großen Stauseen wie Slapy oder Orlík geben – allein aus dem Grund, weil es keinen Platz mehr dafür gibt.“

Klimaexperten und Vertreter der Landwirtschaft haben die Regierung am Montag dann auch aufgefordert, weniger Geld in Stauseen und mehr in die Anlage von Feuchtgebieten sowie die Revitalisierung von Flussläufen zu investieren. Auch Kopecký meint, dass die Natur in Tschechien besser auf kommende Wellen von Hitze und Trockenheit vorbereitet werden müsse:

Foto: Pavel Halla,  Tschechischer Rundfunk

„Es gibt große Rückstände bei der Pflege des Bodens und der Landwirtschaftsflächen sowie bei der Forstwirtschaft. Es braucht eine Änderung bei der Nutzung der Natur sowie eine Rückkehr von kleinen Feuchtgebieten und Grünflächen, die sich über die Landschaft verteilen. Solche und ähnliche Maßnahmen würden dafür sorgen, dass das Wasser besser in der Natur gehalten wird und die Böden sich mit Feuchtigkeit vollsaugen können.“

Entsprechende Regierungspläne und Anpassungsstrategien gebe es dafür in Tschechien bereits seit einigen Jahren, fügt der Wissenschaftler hinzu, und auch Projektmittel würden zur Verfügung gestellt. Jetzt müsse vor allem die Zusammenarbeit der Politik mit den Akteuren, also den Landwirten, Forstwirtschaftlern, Bürgermeistern oder Grundbesitzern, gestärkt werden, mahnt Vojtěch Kotecký in Richtung Koalition gegen Trockenheit.

Niedriger Wasserstand der Moldau | Foto: Václav Pancer,  ČTK
Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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