Wenig Niederschlag und Hitzewellen: Trockenheit in Tschechien nimmt zu

Der Waldbrand in der Böhmischen Schweiz ist eine der Folgen der großen Trockenheit in Tschechien. Diese hat laut Klimaforschern bereits im Herbst vergangenen Jahres begonnen. Auch Teile der Ernte sind mittlerweile gefährdet.

Klimaforscher Pavel Zahradníček | Foto: Tomáš Sedláček,  Tschechischer Rundfunk

Auf Tschechien rollt die nächste Hitzewelle zu. Zwar wird es mit Höchsttemperaturen von bis zu 34 Grad Celsius nicht ganz so heiß wie in Deutschland, doch seit Ende Juni geht es so in einem fort. Entscheidend für die Trockenheit sei indes eine längere Entwicklung. Dies sagt der Klimaforscher Pavel Zahradníček von der tschechischen Akademie der Wissenschaften:

„Die Trockenheit in diesem Jahr ist vor allem eine Folge nicht ausreichender Niederschläge. Der Trend hat bereits im vergangenen Herbst eingesetzt. Im Winter war zwar der Umfang der Niederschläge normal, aber wegen der milden Witterung betrug die Schneedecke nur 50 Prozent des normalen Durchschnitts. Dabei ist der Schnee wichtig für den Grundwasserspiegel. Im Frühling gab es dann leider erneut zu wenige Niederschläge.“

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Und zwar um die Hälfte zu wenig, wie Zahradníček in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks ergänzte. Er und sein Team verfolgen im Projekt „Intersucho“ seit zehn Jahren die Trockenheit nicht nur in Tschechien, sondern auch in Europa und dem Rest der Welt. Demnach tragen diesen Sommer die Hitzewellen zusätzlich zum Problem bei.

„Als es im Juni und Juli eigentlich genügend regnete, machten sich die Folgen der hohen Temperaturen bemerkbar. Der ungewöhnlich heiße Sommer ließ nämlich den Boden dann schnell wieder trocknen“, erläutert Zahradníček.

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So hatte der Regen auch keine Tiefenwirkung. Bei Intersucho wird das im Dürremonitor verdeutlicht. Dabei wird unterschieden zwischen der oberen Bodenschicht, die bis 40 Zentimeter Tiefe reicht, und der tieferen Schicht bis ein Meter unter der Erdoberfläche. Der Fachmann fasst zusammen:

„Wenn man das gesamte Profil des Bodens bis ein Meter Tiefe nimmt, dann herrscht derzeit auf 20 Prozent des tschechischen Staatsgebiets eine Dürre. Dass es derzeit nicht mehr ist, liegt auch daran, dass der Regen aus der vergangenen Woche der oberen Bodenschicht geholfen hat. Am schlimmsten ist die Trockenheit im Südwesten, Westen und Nordwesten Böhmens, also auch gerade in der Böhmischen Schweiz, wo der Waldbrand wütet. Hinzu kommt noch die Gegend um Havlíčkův Brod auf der Böhmisch-Mährischen Höhe.“

Verhältnis der aktuellen Feuchtigkeitssättigung gegenüber der durchschnittlichen Sättigung in den Jahren von 1961 bis 2010  (weiß - ohne Trockenheitsrisiko,  S0 - reduziertes Niveau der Bodenfeuchte,  S1 - beginnende Dürre… | Quelle : Intersucho

Als Vergleich nehmen die Wissenschaftler die Daten für die Jahre 1961 bis 2010. Pavel Zahradníček zieht dabei eine Parallele zu 2011/2012. Damals habe die Trockenheit in bestimmten Gebieten Tschechiens die Ernte stark geschädigt, so der Klimaforscher. Eine ähnliche Entwicklung drohe daher auch jetzt.

„Unsere Mitarbeiter in diesem Bereich schätzen derzeit die möglichen Ernteverluste auf 30 bis 40 Prozent. Am stärksten betroffen sind die Bezirke Břeclav und Hodonín in Südmähren, Prostějov in Mittelmähren sowie Louny und Karlsbad in Nord- beziehungsweise Nordwestböhmen“, sagt Zahradníček.

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Die zweite Folge der Trockenheit seien jedoch eben die Waldbrände, so der Wissenschaftler:

„In diesem Jahr kam es ungewöhnlich früh zu den ersten großen Bränden, und zwar bereits im März. Denn auch das vom Borkenkäfer befallene Holz war ziemlich trocken. Deswegen entstand eine Rekordwelle an Waldbränden.“

Autoren: Till Janzer , Petr Král
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